Gemeinsam anders

Wir sagen uns Dunkles“ — Helmut Böttigers aufschlussreiche Analyse der Beziehung Bachmann-Celan

Ich habe einen Mann gekannt, der hieß Hans, und er war anders als alle anderen. Noch einen kannte ich, der war auch anders als alle anderen. Dann einen, der war ganz anders als alle anderen und er hieß Hans, ich liebte ihn.“ 

Diese Zeilen in Ingeborgs Bachmanns Erzählung „Undine geht“ weisen auf die großen Lieben der Autorin hin, Hans Weigel, Paul Celan und Hans Werner Henze. Ihnen räumt auch Helmut Böttiger in seinem neuen Buch „Wir sagen uns Dunkles“ einen Platz ein. Das Ergebnis von Böttingers vielfältigen Analysen zeigt allerdings, daß Paul Celan, der Mittlere in Bachmanns Zitat, wie kein anderer die Frau und die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann prägte et vice versa.

Helmut Böttiger, Literaturkritiker und Verfasser mehrerer Werke zur deutschsprachigen Nachkriegsliteratur, widmet sich in seiner neuesten Studie der Beziehung von Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Er beleuchtet darin die Stationen ihrer Vita als Liebende wie als Schriftsteller, ihre gegenseitige Beeinflussung und die Auswirkung auf ihre Literatur. Die, so zeigt Böttiger, oftmals in Chiffren Reaktionen auf die Äußerungen des „Gemeinsam anders“ weiterlesen

Herumstreunen, Zeitverplempern und Rumgaffen

Wilhelm Genazino zelebriert in seinem neuen Roman „Kein Geld, keine Uhr, keine Mütze“ die Lebenskunst der Ratlosigkeit

Es ist viel sinnvoller (…), so oft wie möglich wenigstens beiseite zu schauen, dorthin, wo die anderen nicht hinschauen.“

Die Werke des 1943 geborenen Schriftstellers Wilhelm Genazino beschäftigen mich schon seit langem. Es begann mit Ein Regenschirm für diesen Tag, das durch die Diskussion im Literarischen Quartett Aufmerksamkeit erlangte. Seitdem folgten etliche Romane, von denen manche Kritiker behaupten, sie erzählten immer das Gleiche. Doch auch wenn in allen ein „nicht mehr ganz junger Junggeselle“ seine Unzufriedenheit mit dem Leben durch permanente Selbst- und Fremdbeobachtung zu verdrängen sucht, gibt es feine Unterschiede, die sich zu entdecken lohnen.

Der Flaneur des neuen Romans Kein Geld, keine Uhr, keine Mütze fühlt sich mit 60 Jahren „fast alt“, sein Blick hingegen „schien jung geblieben“. Dieser fällt auf die Tiere der Stadt, die wie er durch die Straßen streunen. Anders als diese besitzt er jedoch weder Ziel noch Plan. Er strebt nichts an, sondern flieht vor seiner eigenen Gedankenqual. „Ich löse viele meiner Probleme und Stimmungen durch Umhergehen.“ Dieser fast therapeutische Ansatz findet sich „Herumstreunen, Zeitverplempern und Rumgaffen“ weiterlesen