Pinkelbaum und Schnarchmuseum

Was ein amerikanisches Journalisten-Trio beeindruckt

Großartig las sich der Ankündigungstext des Verlags. Als dem Skurrilem zugeneigte Historikerin bekam ich sofort Lust, diese Sammlung der „seltsamsten, abgelegensten (sic!) und sonderbarsten Orte“ zu studieren.„Liebevoll ausgestattet“ versprach sie, die trübe Jahreszeit unterhaltsam und anregend zu erhellen. Doch das Bunte ist in Wirklichkeit meist grau, das erkannte schon der Erzähler in Marcel Prousts Erinnerungswerk, sobald er zu den Orten gelangte, von denen er geträumt hatte.

So ergeht es mir auch im Atlas Obscura. Als Lehnstuhlreisende benötige ich fast eine Lupe, um die wenig qualitätvollen Fotografien zu erkunden, die oft in geringem Format abgebildet sind. Die schlechte Papierqualität vergeigt die Optik noch mehr und nicht nur das. Das beige Recyclingpapier verströmt einen Geruch, der das Blättern verleidet. Normalerweise sind dies Kriterien, die in meinen Rezensionen keine Rolle spielen. Ein großformatiges, auf Ausstattung angelegtes Handbuch sollte in seinem Auftritt jedoch auch olfaktorisch tadellos sein, sonst gibt’s keinen Platz auf dem Coffeetable.

Das rote Lesebändchen des von den amerikanischen Journalisten Joshua Foer, Dylan Thuras und Ella Morton verfassten Werks, das Orte jenseits der „immer gleichen Nullachtfünfzehn Attraktionen“ entdeckt haben will, markiert Battleship Island (S. 205), eine Betonruineninsel nahe Nagasaki, die an ein „Pinkelbaum und Schnarchmuseum“ weiterlesen

We are all aliens“

In seinem Roman „Die Außerirdischen“ stellt Doron Rabinovici grundsätzliche Fragen menschlichen Zusammenlebens

Nicht die Außerirdischen lassen alles verkommen, um sich zu bereichern. Das macht nur unsereins.“

Anders als der Titel des neuen Romans des in Tel Aviv geborenen und seit seinem dritten Lebensjahr in Wien lebenden Schriftstellers Doron Rabinovici vermuten lässt, handelt es sich bei „Die Außerirdischen“ nicht um Science Fiction. Auch wenn die Namen der Figuren, Sol, Stern, Kastor und Jup(iter) danach klingen, auch wenn der Anfang an H.G. Wells Roman „Krieg der Welten“ erinnert, der als Radio-Hörspiel 1938 in den USA eine Massenpanik auslöste, wenigstens bei den verspätet zugeschalteten Hörern, die die Fiktion für bare Münze nahmen.

Ähnlich chaotische Zustände, wie Wells sie schildert, herrschen in allen Teilen der von Rabinovici ersonnenen Welt. Diesem Chaos setzt er seine beiden Hauptfiguren aus, Sol, der als Journalist eines Online-Gourmet-Magazins arbeitet und seine Frau Astrid. Medien aus allen Teilen der Erde bezeugen den kompletten Stromausfall, der Verkehr erliegt, Internet und Handys funktionieren nicht mehr. Die Versorgung bricht zusammen und Panik aus. Es kommt We are all aliens““ weiterlesen