Geifernder Apoll gegen Zylinderzertrampler

Proust – Besuch bei Baron de Charlus, Bd. 3, 774–793

Nach dem Di­ner bei der Her­zo­gin von Guer­man­tes macht sich Mar­cel auf den Weg zu Char­lus. Über Saint-Loup hat­te er ihm den Ter­min aus­rich­ten las­sen. Aus­ge­rech­net am Abend des Di­ners er­war­te er ihn we­gen ei­ner drin­gen­den Un­ter­re­dung.

Nun sitzt Mar­cel vol­ler Span­nung im Vor­zim­mer, um Char­lus von Oria­nes Be­mer­kun­gen zu be­rich­ten. Die­se war er­staunt, so­gar be­sorgt, zu hö­ren, daß die Bei­den seit ei­ni­ger Zeit mit­ein­an­der be­kannt sind. Doch der Ba­ron lässt ihn war­ten. Mar­cel kann sich von sei­nem „Wort­rausch“ nicht be­frei­en. Er hät­te ge­nug Zeit, über die Be­mer­kun­gen wäh­rend der zu­rück­lie­gen­den Stun­den bei den Guer­man­tes nach­zu­den­ken. Oria­ne ent­deck­te in ih­rem Schwa­ger „das Herz ei­ner Frau“, die tür­ki­sche Bot­schaf­te­rin warn­te: „Er ist ein Mann, dem man oh­ne Be­den­ken sei­ne Toch­ter an­ver­trau­en kann, aber nicht sei­nen Sohn“.

Erst nach ei­ner hal­ben Stun­de, Mar­cel will fast wie­der ge­hen, be­rei­tet ihm Char­lus „Gei­fern­der Apoll ge­gen Zy­lin­der­zer­tramp­ler“ wei­ter­le­sen

Über Manipulation

T.C. Boyle vereint in seinem neuen Roman „Terranauten“ Ökologie und Gruppendynamik

Nichts rein, nichts raus“ so lau­tet das Prin­zip, dem das Set­ting in T.C. Boyles neu­em Ro­man „Die Ter­ranau­ten“ zu­grun­de liegt. Als Pro­jekt Eco­s­phe­re 2 sol­len acht Men­schen aut­ark zwei Jah­re in ei­ner Ge­wächs­haus-Welt le­ben oder bes­ser über­le­ben. In­spi­riert hat Boyle ein ganz ähn­li­ches Un­ter­neh­men, das in den 90er Jah­re in der So­no­ra Wüs­te un­weit von Tuc­son ge­star­tet wur­de. Bio­s­phe­re 2 lief über die Plan­zeit von zwei Jah­ren, aber nicht in voll­kom­me­ner Ab­ge­schlos­sen­heit und da­mit ent­ge­gen den Vor­schrif­ten. Dies lag nicht an der exis­ten­ti­el­len Dring­lich­keit von Nah­rungs­be­schaf­fung oder Sauer­stoff­ver­sor­gung, son­dern an ei­nem simp­len me­di­zi­ni­schen Not­fall, der ei­ne, wenn auch nur kurz­zei­ti­ge, Öff­nung der Schleu­se ver­lang­te. Das 1994 ge­star­te­te Fol­ge­ex­pe­ri­ment war so­gar schon nach sechs Mo­na­ten zu En­de. Aus­schlag­ge­bend für den Ab­bruch die­ses Men­schen­ver­suchs war ein Mit­glied der Au­ßen­crew. Er ir­ri­tier­te sei­ne ein­ge­schlos­se­nen Kol­le­gen der­art, daß das Pro­jekt schei­ter­te. Sein Na­me ist Ste­ve Ban­non.

Auch oh­ne ei­nen sol­chen de­sas­trö­sen Pro­vo­ka­teur stellt dau­ern­des Zu­sam­men­le­ben ei­ne Grup­pe vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen. Die­ser psy­cho­lo­gi­sche Aspekt in­ter­es­siert mich sehr. Wie ver­hal­ten „Über Ma­ni­pu­la­ti­on“ wei­ter­le­sen

Der Arm weiß, wo’s langgeht“

1933 war ein schlimmes Jahr“ — John Fantes 1963 entstandenes Werk über Träume und Lebenswirklichkeiten von Immigranten

Wie ich so in der Gar­de­ro­be auf Ken­ny war­te­te, dös­te ich auf der Bank ein. Der Raum war warm und roch nach Dampf, Schweiß und Des­in­fek­ti­ons­mit­teln. Ich spür­te, wie mei­ne Zu­kunft sich nä­her­te, die Ver­hei­ßung kom­men­der Ta­ge, die auf­re­gen­den Jah­re, die vor mir la­gen. Al­le gro­ßen Män­ner vor mir hat­ten die­ses glei­che Sir­ren in den Kno­chen ge­habt, die­se ge­heim­nis­vol­le En­er­gie, die sie vom Rest der Mensch­heit un­ter­schied. Sie wuss­ten es! Sie wa­ren an­ders.“

1933 war ein schlim­mes Jahr muss man le­sen! Zum ei­nen droht an­ge­sichts gras­sie­ren­der Po­ten­ta­ti­tis auch das Jahr 2017 so zu wer­den. Zum an­de­ren stellt John Fan­te (1909–1983) das Schick­sal von Ein­wan­de­rern in den Mit­tel­punkt sei­nes Ro­mans.

Der in Co­lo­ra­do ge­bo­re­ne Schrift­stel­ler aus ei­ner Fa­mi­lie ita­lie­ni­scher Mi­gran­ten kann­te de­ren Träu­me und Sehn­süch­te eben­so so gut wie das Ge­fühl des Fremd­seins in ei­nem an­de­ren Land. Die­se uni­ver­sel­len The­men der Mi­gra­ti­on be­stim­men seit je­her die Ge­schich­te der Mensch­heit, die durch per­ma­nen­te Ein- und Aus­wan­de­rung erst rich­tig in Schwung kam und kommt. Dar­über lohnt es sich nach­zu­den­ken. Ei­nen gu­ten An­stoß bie­tet Der Arm weiß, wo’s lang­geht““ wei­ter­le­sen