Deutscher Buchpreis 2016 — Die Longlist

Bewährtes, Überraschendes und ein Bestseller

Logo_dbp_16_RGBIm­mer­hin sie­ben Ti­tel mei­ner Tipps tau­chen auf der heu­te Mor­gen ver­öf­fent­lich­ten of­fi­zi­el­len Lon­g­list auf: „Dreh­tür” von Kat­ja Lan­ge-Mül­ler, die be­reits 2007 mit „Bö­se Scha­fe” auf der Short­list stand.  Au­ßer­dem die Ös­ter­rei­che­rin Eva Schmidt mit  „Ein lan­ges Jahr”, der Dan­te-Ro­man der Büch­ner­preis­trä­ge­rin Si­byl­le Le­wit­schar­off, Ar­nold Stadt­lers „Rausch­zeit” ‑auch die­ser Au­tor ist ein häu­fi­ger dpb-Kan­di­da­t‑, Pe­ter Stamms kunst­vol­le Me­ta-Es­ka­pa­de „Weit über das Land”, und An­na Wei­den­hol­zer mit dem bi­zar­ren Ti­tel „Wes­halb die Her­ren See­ster­ne tra­gen”. Lei­der wur­de die von mir fa­vo­ri­sier­te An­na Ka­tha­ri­na Hahn nicht no­mi­niert.

Wäh­rend beim S. Fi­scher Ver­lag die sechs Lis­ten­ti­tel von Händ­ler, Kai­ser-Mühle­cker, Stadt­ler, Stamm und Steinaecker si­cher die Kor­ken zum Knal­len brin­gen, wird man sich auch bei „Deut­scher Buch­preis 2016 — Die Lon­g­list“ wei­ter­le­sen

Buchpreiskandidaten 2016

Die Betonung liegt auf der Unabhängigkeit — 12 Jahre Deutscher Buchpreis

Logo_dbp_16_RGBIm zwölf­ten Jahr des Deut­schen Buch­prei­ses wä­re es mü­ßig sich mit den Re­gu­la­ri­en die­ser Aus­zeich­nung auf­zu­hal­ten. Neu ist le­dig­lich die Zu­sam­men­set­zung der Ju­ry, zu der auch im Jahr 2016 Li­te­ra­tur­ar­bei­ter al­ler Cou­leur zäh­len.

Tho­mas And­re, Le­na Bopp, Bert­hold Fran­ke, Su­san­ne Jäg­gi, Chris­toph Schrö­der, Sa­bi­ne Vo­gel und Na­jem Wa­li stel­len aus 156 ein­ge­sand­ten Ti­teln ei­ne Lon­g­list zu­sam­men, die sie am kom­men­den Diens­tag­mor­gen um 10 Uhr prä­sen­tie­ren.

Wie die Buch­preis-Or­ga­ni­sa­to­ren nicht mü­de wer­den zu be­to­nen, le­gen sie Wert auf Aut­ar­kie und ver­spre­chen „ei­ne ga­ran­tiert un­ab­hän­gi­ge und kom­pe­ten­te Preis­trä­gerer­mitt­lung“. Dies si­chert der jähr­li­che Wech­sel der Ju­ry, die ih­rer­seits von ei­nem nicht jähr­lich wech­seln­den Gre­mi­um, der Aka­de­mie, ge­wählt wird.

Ziel die­ser Aka­de­mie und da­mit des Buch­prei­ses ist in ers­ter Li­nie ein „Buch­preis­kan­di­da­ten 2016“ wei­ter­le­sen

Zähne im Rachen der Empörung“

William Faulkners grandioser Roman „Absalom, Absalom!“ in der Neuübersetzung von Nikolaus Stingl

U1_978-3-498-02134-4.inddViel­leicht ist Ge­sche­hen nichts Ein­ma­li­ges, son­dern gleicht dem Ge­kräu­sel auf Was­ser, nach­dem der Kie­sel ver­sun­ken ist, und das Ge­kräu­sel geht wei­ter, brei­tet sich aus, der Teich ist durch ei­ne schma­le Was­ser-Na­bel­schnur mit dem nächs­ten Teich ver­bun­den, (…)“

Ein neu­es Le­se­pro­jekt, ob­wohl im­mer noch vier Bän­de Proust vor mir lie­gen? Ge­wagt. Aber man muss Ge­le­gen­hei­ten er­grei­fen, wo sie sich bie­ten. Die­se geht auf Bir­git zu­rück. Bei ei­nem un­se­rer letz­ten Li­te­ra­tur­tref­fen sprach sie da­von Wil­liam Faulk­ners „Ab­sa­lom, Ab­sa­lom!“ le­sen zu wol­len. Auch sie hat­te erst kürz­lich im Schwei­zer Li­te­ra­tur­club die Dis­kus­si­on über Ni­ko­laus Sting­ls Neu­über­set­zung ver­folgt. Nach kur­zer Über­le­gung ent­schloss ich mich, ihr ein ge­mein­sa­mes Le­sen vor­zu­schla­gen. Schließ­lich wa­ren wir zu dritt und bil­de­ten ei­ne Ex­tra­aus­ga­be un­se­rer Run­de, so­zu­sa­gen ei­nen Li­te­ra­tur­kreis im Li­te­ra­tur­kreis. Wir por­tio­nier­ten die schwe­re Kost und tra­fen uns ins­ge­samt drei­mal.

Schon der ers­te Abend war für mich nicht nur er­hel­lend, son­dern auch ab­so­lut not­wen­dig, denn mit den ers­ten bei­den Ka­pi­teln ha­be ich ganz schön ge­ha­dert. Un­ver­dau­lich wie „Ulys­ses“, mit dem ich es vor Jahr­zehn­ten viel zu jung ver­sucht ha­be, er­schien mir Faulk­ners Meis­ter­werk. 1936 erst­mals er­schie­nen, er­zählt der Ro­man die Ge­schich­te ei­ner Fa­mi­lie aus dem ame­ri­ka­ni­schen Sü­den wäh­rend des Bür­ger­kriegs. „Ab­sa­lom, Ab­sa­lom!“ gilt heu­te als ei­ner der be­deu­tends­ten Li­te­ra­tur­wer­ke des 20. Jahr­hun­derts und ver­half 1950 Wil­helm Faulk­ner zum Li­te­ra­tur­no­bel­preis. Ein­ma­lig ist nicht nur Zäh­ne im Ra­chen der Em­pö­rung““ wei­ter­le­sen