Auf eine Zigarre mit Schlemihl

In seinem neuen Roman Pfaueninsel hinterfragt Thomas Hettche die Exotik des Anderen

pfaueninselIch werde mir meine Siebenmeilenstiefel unterschnallen und nach Griechenland reisen. Tun Sie mir den Gefallen und rauchen in meiner Abwesenheit keinen türkischen Tabak?“
„Am liebsten“, sagte sie, „käme ich mit.“
„Aber Mademoiselle!“ protestierte Schlemihl lächelnd, „Ihr Platz ist doch hier.“
„Und weshalb?“ entgegnete sie. „Weil ich ein Monster bin? Eingesperrt auf dieser Insel für mein ganzes Leben?“
„Ein Monster?“ Schlemihl sah sie entsetzt an. „Wer sagt das?“
Marie schüttelte den Kopf. Es war ihr peinlich, das Wort ausgesprochen zu haben. Daß Schlemihl sie nun schon wieder verließ, in die Welt hinauszog, die sie niemals sehen würde, hatte sie aufgewühlt.

Was definiert den Historischen Roman? Daß seine Handlung in der Vergangenheit spielt, ferne Orte und Ereignisse in unserer Phantasie erneut zum Leben erweckt? Damit es dieser nicht zu fad wird, setzen die trivialen Vertreter dieses Genres gerne auf Sex&Crime. Mord und Totschlag meist als Folgen kriegerischer Auseinandersetzung zählen zum Tagwerk, schwierige Geburten wie schlimme Schicksale für Mutter und Kind gehen auf das Konto barbarischer Zustände. Derartiges webt auch Thomas Hettche in sein aktuelles Werk Pfaueninsel, allerdings erfüllt er nicht nur literarisch höhere Ansprüche. „Auf eine Zigarre mit Schlemihl“ weiterlesen

Krawatten und Kokain

Astrid Rosenfelds Andromeda: Elsa ungeheuer

ElsaZwei Tage vor Halloween traf sich unser Literaturkreis. Auf dem Programm stand Elsa ungeheuer, mich gruselte es ehrlich gesagt schon beim Titel. Was wie ein Kinderbuch über ein freches Mädchen daher kommt, hat ganz klar auch ein solches zum Vorbild. Pippi Langstrumpf ist in diesem Fall aber eindeutig nicht jugendfrei und orientiert sich im forcierten Durchknallfaktor seines Personals eher an Irving. Wir hören jedoch nicht, wie Garp die Welt sah, sondern wie Elsa sie sich macht. Natürlich so, und da sind wir doch wieder bei Lindgren, wie sie ihr gefällt.

Von der Mutter in einem öden Ort bei Verwandten abgegeben, sucht Elsa sich die Rosinen im Dorfmist. Das sind Karl und Lorenz, zwei Brüder in ihrem Alter, und ein seltsames Murmeltier gehobenen Alters, das den Kindern durch Gute-Bett-Geschichten „Krawatten und Kokain“ weiterlesen

Les jeux sont faits — Literaturpreise in Österreich und der Schweiz

Literaturpreis Alpha Österreich, Schweizer Buchpreis und Schweizer Literaturpreise

Gestern wurde Eva Menasse als diesjährige Gewinnerin des Literaturpreises Alpha bekannt gegeben. Die seit 2010 von den Casinos Austria vergebene Auszeichnung versteht sich als Förderung für „Autoren, die noch am Anfang ihres schöpferischen Wirkens stehen“. Die literarischen Nachwuchstalente sollen höchstens drei Veröffentlichungen haben, der eingereichte Titel inbegriffen, und entweder in Österreich leben oder die österreichische Staatsbürgerschaft oder einen österreichischen Verlag besitzen. Nach den Vorauswahl, die eine Jury der Büchereien Wien durchführte, entschied sich die Fachjury für den Roman Quasikristalle der in Berlin lebenden Österreicherin Menasse. Dies ist weder überraschend noch entspricht es der Intention des Preises. Nach Vienna (2005)und Lässliche Todsünden (2009) ist Quasikristalle ihre dritte literarische Veröffentlichung, für die sie im Jahr 2013 mit dem Gerty-Spiess-Preis und dem Heinrich-Böll-Preis ausgezeichnet wurde.

Mit dieser Wahl bleibt sich der Alphapreis treu. Denn auch schon in den Vorjahren waren in den jeweiligen Shortlists echte Entdeckungen zu machen, die Preisträger hingegen waren wenig überraschend.

Kein Nachwuchspreis, sondern ein nationale Auszeichnung will der seit 2008 vergebene „Les jeux sont faits — Literaturpreise in Österreich und der Schweiz“ weiterlesen

Vier Arten, den Leser zu langweilen

In „Vier Arten, die Liebe zu vergessen“ besingt Thommie Bayer die Macht der Musik

Thommie BayerWas ist eigentlich gute Literatur? Neben Schönheit in Sprache und Stil, erwarte ich eine stimmige Konstruktion und das Fehlen von Klischees. Der Autor muss mich mit seinen Ideen begeistern, mir Neues zeigen, mich bestenfalls inspirieren, nur eines darf er nicht, mich langweilen. Dies geschah mir mit Thommie Bayers Roman „Vier Arten, die Liebe zu vergessen“. Eine Lektüre, die mir unser seit nun mehr 10 Jahren bestehender buntgemischter Literaturkreis auferlegte.

So wie der Roman vier Versuche der Liebesüberwindung schildert, werde ich vier Faktoren aufzeigen, die mich am meisten an ihm stören. Glaubt mir, es gibt noch mehr.

Wie so oft, um nicht zu sagen wie immer, fängt alles am Anfang an, auch wenn in diesem Fall der Anfang ein Ende ist. Es ist eine Beerdigung, die Thomas, Bernd, Wagner und Michael, ehemalige Schul- und Sangesfreunde, zusammenführt.

Zuvor begleitet der Leser sie auf der Fahrt, die sich jeder der Recken alleine durch „Vier Arten, den Leser zu langweilen“ weiterlesen