Auf zu den Erbseninseln

Doris Brockmann entdeckt das kleinste Archipel Europas, die Erbseninseln

erbseninseln

 

Die Insel Græsholm macht ihrem Namen wenig Ehre. Wo einst sattes Grasgrün leuchtete, beleidigt nun gesättigtes Cremeweiß den Blick des Naturfreundes. Schuld sind die Vögel! Die gefiederten Nichtsnutze! Eigentlich könnten sie von Nutzen sein. Aus ihren sämigen Exkrementen ließe sich 1‑a-Guano gewinnen, zur Freude der Landwirte und der Sprengstoffhersteller. Die einen hätten prima Dünger, die anderen prima Salpeter zum Bombenbauen. Aber nein. Die Vögel wollen unter sich bleiben,…“

 

 

Wollen wir den nächsten Urlaub nicht mal auf einer Insel verbringen?

Wenn sie für einen Spaziergang groß genug ist, wenn sie Küche und Kultur hat, warum nicht? Wo liegt sie denn?

In Dänemark.

Oh je, da waren wir doch oft genug. Den Wein muss man einschmuggeln und die „Auf zu den Erbseninseln“ weiterlesen

Ein letzter Zipfel Monarchie

Michael Ziegelwagner sinniert in „Der aufblasbare Kaiser“ über den Moment

roBerlin_Ziegelwagner_128x209_LT.inddBücher fallen mitunter schon durch ihr Äußeres ins Auge. So verspricht der neue Roman Der aufblasbare Kaiser durch seinen Titel, das Porträt eines Dandys mit Pornobrille und das Foto des Autors mit Nickelbrille geballte Skurrilität. Als Österreicher, Satiriker und Mitglied der Titanic-Crew kommentiert Michael Ziegelwagner unsere „vollumfängliche Daseinsunsicherheit“. Unter dieser leidet, ähnlich den Figuren Wilhelm Genazinos, Ziegelwagners Protagonistin, die 26-jährige Vera Beacher. Sie notiert:

Annahme 1. Das Leben ist nichts wert, wenn es uns nicht gelingt hin und wieder einen Moment herauszulösen. 
Annahme 2. Was wir herauslösen, soll außergewöhnlich sein. 
Annahme 3. Unsere wichtigsten Erfahrungen sollten wir am Anfang unseres Lebens machen. Wir werden sie noch haben, wenn die meisten Menschen, die sie geteilt haben, weggestorben sind. Sie gehören uns dann exklusiv.
Annahme 3a. Darum sollte möglichst etwas Absterbendes in unser Leben gerettet werden, das uns möglichst früh exklusiv gehört.“ 

Auch diese Angestellte langweilt sich im Amt dem Ruhestand entgegen, unter Aufsicht ihres faden „Ein letzter Zipfel Monarchie“ weiterlesen

Alpha-Preis 2014 – Die Shortlist

Alpha, Beta und die anderen

Auf den Alpha-Preis bin ich im letzten Jahr aufmerksam geworden. Alpha? Nein, nix Sekte und Science, wobei sich das ja eh per definitionem ausschließt, sondern Glücksspiel und Literatur. Das passt! Ist es nicht oft eine Frage des Glücks, wer auf welchen Literaturpreislisten landet und ist nicht letztendlich alles eine Frage des Geldes?

So erscheint es fast folgerichtig, daß die Casinos Austria heuer zum fünften Mal das literarische Glücksspiel um den Alpha-Preis ausschreiben. Ersonnen von Vorstandsdirektor Mag. Dietmar Hoscher (ein weiterer Grund im nächsten Leben die Geburt in Österreich anzustreben, dort trägt man den Magister als Titel) fördert der Preis Nachwuchstalente (sic!). Einzige Bedingungen, sie müssen echte Österreicher oder Wahlösterreicher sein, notfalls reicht auch ein österreichischer Verlag und sie dürfen nicht mehr als drei (sic!) literarische Veröffentlichungen aufweisen.

Ist dies erfüllt, können sie ihr Buch einreichen. Aus der Flut an Literatur trifft „Alpha-Preis 2014 – Die Shortlist“ weiterlesen

Zen oder die Kunst ein Mettbrötchen zu reichen

Christoph Peters erzählt in „Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln“ von deutsch-japanischen Begegnungen

Die Verpflichtungen, die einer eingeht, wenn er sich zu einem Meister in die Lehre begibt, bleiben ein Leben lang bestehen, und es gibt unbegrenzte Möglichkeiten, ihnen nicht gerecht zu werden.“

Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln von Christoph PetersWer im neuen Roman von Christoph Peters die Widmung an Jan Kollwitz entdeckt, dem wird eine Recherche nicht nur dessen Verwandtschaft mit Käthe Kollwitz, er ist Ur-Enkel der berühmten Künstlerin, sondern auch dessen Freundschaft mit Christoph Peters aufdecken. Der Schriftsteller Peters formte aus den Erfahrungen des Keramikers Kollwitz, der in Ostholstein japanische Töpferkunst zelebriert, ein literarisches Gebilde mit dem Titel Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln.

Bereits auf den ersten Seiten fällt ein Bonmot, das die an Rückschauen reiche Romanstruktur offenbart. „Ganz gleich, an welcher Stelle man anfängt – immer ist vorher schon viel passiert.“ Das als Prolog zu fassende Einstiegskapitel führt zum Handlungsort, einem kleinen Kaff in der Holsteinischen Schweiz, das neben den Sommertouristen eine Künstlerkolonie beherbergt. Konkreter zu einem alten Pfarrhaus, das wie alle Menschen und Dinge auf dieser Welt, auf eine nicht nur glückliche Vergangenheit zurück blickt. Der letzte Pfarrer, den es beherbergte, starb krank und unglücklich im Jahr 1979.

Diesen gut zehn Jahre von der eigentlichen Handlungszeit entfernten Moment nutzt „Zen oder die Kunst ein Mettbrötchen zu reichen“ weiterlesen