Brennerova von Alpha bis Omega

Wie Wolf Haas in „Brennerova” aus Muskelbilderbüchern Literatur macht

BrennerovaEs sind die Struk­tu­ren in Wolf Haas’ Li­te­ra­tur, die mich be­geis­tern. So zäu­me ich nach dem Wet­ter, der Mis­sio­nars­stel­lung und der Wie­der­be­le­bung vom Bren­ner das Pferd von hin­ten auf und fan­ge mit der neus­ten Fol­ge ganz von vor­ne an.

In der ge­rät der Bren­ner aus in­ter­es­sier­ter Lan­ge­wei­le und weil die Her­ta jetzt fern von ihm weilt, sprich sich ge­trennt hat, auf ei­ne Part­ner­ver­mitt­lungs­sei­te im In­ter­net. Lau­ter Rus­sin­nen, wenn er ei­ne von de­nen hei­ra­ten wür­de, gä­be es ei­ne Bren­ner­o­va.

Be­vor es so weit kommt, trifft die Her­ta und ihn bei­nah was vom Dach und er da­durch die Her­ta. Kei­ne Fra­ge, die kom­men wie­der zu­sam­men, aber der Bren­ner auch via Part­ner­web nach Ni­sch­ni Now­go­rod zur Na­desh­da, sprich Rus­sin.

Mehr sei nicht ver­ra­ten, weil Kri­mi trotz Li­te­ra­tur. Nur so viel, Du lernst ei­ne gan­ze Men­ge:
— Mus­kel­bil­der, qua­si Tä­to­wie­run­gen, er­leich­tern die Iden­ti­fi­ka­ti­on ver­stüm­mel­ter „Bren­ner­o­va von Al­pha bis Ome­ga“ wei­ter­le­sen

Suche nach Frieden

Bernhard Schlinks Roman Die Frau auf der Treppe über Dinge, die nicht zu Ende gebracht wurden

Ich nei­de der Ju­gend nicht, dass sie das Le­ben noch vor sich hat; ich will es nicht noch mal vor mir ha­ben. Aber ich nei­de ihr, dass die Ver­gan­gen­heit, die hin­ter ihr liegt, kurz ist. Wenn wir jung sind, kön­nen wir un­se­re Ver­gan­gen­heit über­schau­en. Wir kön­nen ihr ei­nen Sinn ge­ben, auch wenn es im­mer wie­der ein an­de­rer ist. Wenn ich jetzt auf die Ver­gan­gen­heit zu­rück­schaue, weiß ich nicht, was Last ist und was Ge­schenk war, ob der Er­folg den Preis wert war und was sich in mei­nen Be­geg­nun­gen mit Frau­en er­füllt und was sich mir ver­sagt hat.“

Der Mo­tor die­ser Ge­schich­te ist ein Ge­mäl­de, der Akt ei­ner Frau, die „nackt, blass, blond vor grau­grü­nem Hin­ter­grund“ ei­ne Trep­pe her­ab schrei­tet. Ein mo­der­nes, En­de der Sech­zi­ger Jah­re ge­schaf­fe­nes Werk will ein Ge­gen­ent­wurf zu Mar­cel Duch­amps abs­trak­tem „Akt, ei­ne Trep­pe hin­ab­stei­gend“ sein. Ein Be­leg, daß auch in der mo­der­nen Kunst Ge­gen­ständ­lich­keit dar­stell­bar ist. Das Mo­tiv und „Su­che nach Frie­den“ wei­ter­le­sen

Mangelmann auf Schlingerkurs

In seinem neuen Roman „Bei Regen im Saal“ überwindet Genazino die Zumutungen des Alltags

Genazino_978-3-446-24596-9_MR1.inddVon Be­ruf war ich Re­zep­tio­nist, ge­le­gent­lich Bar­mi­xer, aber in letz­ter Zeit ar­bei­te­te ich über­wie­gend als Über­win­der. Ich half Men­schen, ih­re zu­wei­len auf­dring­li­chen oder dümm­li­chen Er­leb­nis­se schnel­ler als ge­wohnt zu ver­ges­sen. Ich ging mit den Leu­ten spa­zie­ren, wir be­such­ten Floh­märk­te, wir schau­ten uns Kunst­aus­stel­lun­gen an und re­de­ten über sie. Ich gab den Men­schen Tipps für Er­leb­nis­se, die ih­nen al­lein ge­hör­ten. (…) Das meis­te, was Men­schen heu­te zu­stieß, er­leb­ten sie als Teil ei­ner rie­si­gen Mas­se; des­we­gen konn­te man al­len­falls von Kon­fek­ti­ons­er­leb­nis­sen spre­chen.“

Der Ich-Er­zäh­ler, des­sen Vor­na­men Rein­hard der Le­ser erst ge­gen En­de er­fährt, ist nicht der ein­zi­ge Mann im neu­en Ro­man Bei Re­gen im Saal von Wil­helm Ge­n­azi­no. Zwei wei­te­re männ­li­che Ne­ben­fi­gu­ren, oder bes­ser Ne­ben­buh­ler, be­ein­flus­sen das Schick­sal des Mit­te Vier­zig­jäh­ri­gen, der oft­mals schon viel äl­ter wirkt.

Rein­hard lebt in ei­ner Zwei­er-Be­zie­hung mit Son­ja ei­ner Fi­nanz­be­am­tin im ge­ho­be­nen Dienst. Trotz ge­trenn­ter Woh­nun­gen be­fin­det sich ihr Ver­hält­nis in ei­nem „Man­gel­mann auf Schlin­ger­kurs“ wei­ter­le­sen

Deutscher Buchpreis 2014 — Die Longlist

Neues und Altbewährtes

Vorschlag_Böv_11Der Deut­sche Buch­preis be­ruht auf Kon­stan­ten. Aus deutsch­spra­chi­gen Ro­ma­nen, die zwi­schen Ok­to­ber des Vor­jah­res und Sep­tem­ber er­schei­nen, wählt ei­ne stets neue Ju­ry 20 Ti­tel für ei­ne Lon­g­list. Die­se wird Mit­te Au­gust be­kannt ge­ge­ben und im Sep­tem­ber auf sechs Short­list­kan­di­da­ten ein­ge­dampft. Al­le Au­toren die­ser Wer­ke er­hal­ten zwar zum Auf­takt der Frank­fur­ter Buch­mes­se im Kai­ser­saal des Rö­mer ein Preis­geld, doch fie­bert je­der der höchs­ten Aus­zeich­nung ent­ge­gen. Für man­chen Schrift­stel­ler ist dies nichts Neu­es.

Auch auf der heu­te ver­öf­fent­lich­ten Lis­te fin­den sich elf al­te Buch­preis­ha­sen, die „Deut­scher Buch­preis 2014 — Die Lon­g­list“ wei­ter­le­sen