Adieu 2013 — Bonjour 2014

Wieder endet ein Jahr und hinterlässt das Gefühl eines Ungenügens, denn mein Proust-Projekt ist nur unwesentlich voran geschritten.

Etliche Neuerscheinungen, Buchpreise und Rezensionsexemplare sind dazwischen geraten. Manches erwies sich als überflüssig und dümpelt mittlerweile in den hinteren Blogrängen dem Vergessen entgegen.

Eierstab

Doch nicht wenige Romane haben mich beeindruckt, darunter die Buchpreiskandidaten von Marion Poschmann, Thomas Glavinic und Norbert Gstrein. Psychologisch interessierten Kunstliebhabern mit einem Hang zum Atheismus möchte ich Soutines letzte Fahrt von Ralph Dutli empfehlen. Allen, die glauben, jenseits ihres Potentials in einem öden Provinzkaff zu verschimmeln, Judith Kuckarts Wünsche.

Besonders beeindruckt hat mich Gunther Geltingers poetischer Entwicklungs- und Selbstfindungsroman Moor. Überrascht war ich von „Adieu 2013 — Bonjour 2014“ weiterlesen

Grammatik der Liebe

Iwan Bunins Kunst über die Liebe zu schreiben

Grammatik der LiebeIm Westen war der Himmel reingefegt, Gold lugte aus dieser Richtung hinter schönen, ins Violett spielenden Wolken hervor und überglänzte seltsam das ärmliche Liebesasyl, dieses Asyl einer unbegreiflichen Liebe, die ein ganzes menschliches Leben in ein ekstatisches Einsiedlerdasein verwandelt hatte, ein Leben, das möglicherweise völlig alltäglich hätte verlaufen sollen, wäre nicht diese in ihrem Zauber so rätselhafte Luschka aufgetaucht.”

Dass die Liebe eines der Lieblingsthemen der schönen Literatur sei, ist eine Binsenweisheit. Bibliotheken voller Lyrik und Prosa um das Glück oder eher um das Unglück, das dieses Gefühl auszulösen vermag, bestätigen dies. Auch Ratgeber wachsen stets aufs Neue nach. Können sie sich doch ihrer Käufer und Leser gewiss sein, denn die Liebe scheint auf alle Zeit ein undurchdringliches Phänomen zu bleiben. Ein Regelwerk, das zum klaren Handeln anleitet, vor Verstößen warnt und somit Fehler zu vermeiden hilft, existiert bisher meines Wissens nicht. Oder doch?

Der russische Literaturnobelpreisträger Iwan Bunin berichtet in seiner 1915 erschienenen gleichnamigen Erzählung von einer „Grammatik der Liebe“. Ihr Entdecker ist ein gewisser „Grammatik der Liebe“ weiterlesen