Schweizer Buchpreis 2013

Die Shortlist

Der Schwei­zer Buch­preis wird in die­sem Jahr be­reits zum sechs­ten Mal aus­ge­schrie­ben. Mit ihm wol­len der Ver­ein Li­te­ra­tur­Ba­sel und der Ver­band Schwei­zer Buch­händ­ler- und Ver­le­ger das bes­te deutsch­spra­chi­ge Werk ei­nes Schwei­zers aus­zeich­nen oder das ei­nes Wahl­schwei­zers, der seit min­des­tens zwei Jah­ren in der Schweiz lebt.

Der fünf­köp­fi­gen Ju­ry aus den Li­te­ra­tur­kri­ti­kern Fran­zis­ka Hirs­brun­ner, An­dre­as Nent­wich, Alex­an­dra Ked­ves, Chris­ti­ne Lötscher und Tho­mas Sträss­le la­gen 82 Ti­tel aus ins­ge­samt 53 Ver­la­gen vor. Die fünf Ro­ma­ne der ak­tu­el­len Short­list sind auch hier­zu­lan­de kei­ne „Schwei­zer Buch­preis 2013“ wei­ter­le­sen

Lesenswert — Sehenswert?!

Red’ nicht so viel, lass uns lieber spielen

Le­sens­wert, die neue Li­te­ra­tur­sen­dung des SWR, un­ter­schei­det sich vor al­lem in ei­nem von ih­rem Vor­gän­ger Li­te­ra­tur im Foy­er. Thea Dorn wird sich nie mehr mit dem Rat, „Neh­men Sie ein gu­tes Buch mit ins Bett, Bü­cher schnar­chen nicht“ ver­ab­schie­den. War­um? Ganz ein­fach, es ist noch hell drau­ßen. Wäh­rend der­je­ni­ge Zu­schau­er, der nicht die zeit­li­che Un­ge­bun­den­heit der Me­dia­thek nutzt, durch sein Fens­ter ins Dunk­le sieht, leuch­tet es hell hin­ein ins Main­zer Kul­tur­zen­trum in der Da­go­bert­stra­ße, kurz KUZ. Zu hell für mei­ne Be­grif­fe. Im Am­bi­en­te ei­ner Stadt­bü­che­rei mit Fi­nan­zie­rungs­be­darf fällt das wie zu­fäl­lig plat­zier­te Pu­bli­kum durch ge­senk­te Köp­fe und pas­tell­far­be­ne Schals auf.

Aber dies sind Äu­ßer­lich­kei­ten. Wie war der In­halt, wel­che Über­ra­schun­gen hielt die Li­te­ra­ri­sche Wun­der­tü­te, wie der SWR die Sen­dung be­zeich­net, für den Zu­schau­er be­reit?

Für mich ei­ne gro­ße, denn den Pro­gramm­punkt Le­ben in drei Bü­chern, von dem ich nicht viel er­war­tet hat­te, fand ich am in­ter­es­san­tes­ten. Die Schau­spie­le­rin Bi­bia­na Be­glau mach­te „Le­sens­wert — Se­hens­wert?!“ wei­ter­le­sen

Deutscher Buchpreis 2013 — Shortlist

Shortlistschock

Dies sind die sechs Kan­di­da­ten, die die Vor­ausschei­dung zum Deut­schen Buch­preis 2013 über­stan­den ha­ben. Ih­re Po­si­ti­on auf der Short­list si­chert ih­nen ein Preis­geld von 2500 Eu­ro und die Aus­sicht auf mehr, Ruhm und Eh­re in­klu­si­ve. Aber si­chert es ih­nen auch Er­folg im Buch­han­del? Ich ha­be den Ein­druck, die Ju­ry will in die­sem Jahr ganz be­wusst ge­gen die­ses Ar­gu­ment an­steu­ern und wähl­te kei­nen Kan­di­da­ten, der wie Tell­kamps Turm für leuch­ten­de Buch­händ­ler­au­gen sorgt. Das ver­mö­gen viel­leicht eher mei­ne aus­ge­schie­de­nen Fa­vo­ri­ten, die Ro­ma­ne von Ralph Dut­li, Tho­mas Gla­vi­nic und Nor­bert Gst­rein.

Er­gän­zend zur Short­list fol­gen mei­ne Ant­wor­ten auf die Fra­gen an die Buch­preis­blog­ge­rin­nen aus dem Pro­jekt „5 le­sen 20“.

- Wel­cher Ro­man der Short­list ist Ihr Fa­vo­rit und war­um? „Deut­scher Buch­preis 2013 — Short­list“ wei­ter­le­sen

Literatur versus Religion

Norbert Gstrein erzählt in Eine Ahnung vom Anfang von der Last der Verantwortung

DBLIch hat­te ihm vom ers­ten Schul­jahr an, in dem ich sein Leh­rer war, Bü­cher ge­lie­hen, und wenn man woll­te, fand man dar­un­ter auch Ti­tel, die an­ge­tan wa­ren, ihn für ei­nen nor­ma­len All­tag un­taug­lich zu ma­chen, aber Hun­der­te, Tau­sen­de von Leu­ten lie­ben die­sel­ben Bü­cher und wis­sen da­mit um­zu­ge­hen, füh­len sich je­den­falls nicht auf­ge­ru­fen, das ei­ge­ne Le­ben zu sa­bo­tie­ren, wie er es ge­tan hat.“ S. 45

Bü­cher kön­nen hel­fen, die gro­ßen Sinn­fra­gen zu be­ant­wor­ten, die sich fast je­dem ab Be­ginn der Pu­ber­tät stel­len. Ei­ne Al­ter­na­ti­ve jen­seits der Li­te­ra­tur bie­tet die Re­li­gi­on. Wie ein Gleich­nis über Macht und Ohn­macht die­ser bei­den Ima­gi­na­ti­ons­wel­ten und den Des­il­lu­sio­nie­run­gen, de­nen sie ge­gen­über der Rea­li­tät aus­ge­setzt sind, liest sich Nor­bert Gst­reins Ro­man Ei­ne Ah­nung vom An­fang. Er zeigt auch die Schwie­rig­kei­ten des Er­in­nerns, das im Wunsch Kau­sa­li­tä­ten zu kon­stru­ie­ren, sub­jek­ti­ver In­ter­pre­ta­ti­on und Psy­cho­lo­gi­sie­rung un­ter­liegt.

Gstrein_24334_MR.inddSo er­geht es dem Deutsch- und Ge­schichts­leh­rer An­ton, als er den Be­richt über ei­ne Bom­ben­dro­hung liest und auf dem un­schar­fen Bild der Über­wa­chungs­ka­me­ra ei­nen ehe­ma­li­gen Schü­ler zu er­ken­nen glaubt. Da­ni­el, hy­per­sen­si­bel und hoch­be­gabt, war ihm nicht nur als sehr gu­ter Schü­ler auf­ge­fal­len, son­dern durch ein paar ge­mein­sam ver­brach­te Som­mer­wo­chen ver­traut ge­wor­den. Da­ni­els zö­ger­li­che Ori­en­tie­rung nach dem Ab­itur, sein re­li­giö­ser Tick und sei­ne Schwie­rig­kei­ten mit Frau­en, schei­nen Grund und Fol­ge für Da­ni­els Aus­der­welt­ge­fal­lensein. Doch steckt er auch hin­ter dem an­ge­droh­ten At­ten­tat?

In den drei Tei­len sei­nes Ro­mans schil­dert Gst­rein in at­mo­sphä­ri­scher Spra­che die äu­ße­ren Ge­ge­ben­hei­ten ei­nes ab­ge­le­ge­nen Na­tur­idylls und die in­ne­ren Zu­stän­de von Frei­heit und Re­strik­ti­on. Da­mals im Som­mer ge­noss An­ton die Ein­sam­keit auf ei­nem Müh­len­grund­stück am Fluss. Dort­hin zog er sich zu­rück, an den Nach­mit­ta­gen kurz vor den Som­mer­fe­ri­en, um „Li­te­ra­tur ver­sus Re­li­gi­on“ wei­ter­le­sen

Besessene Sinnsuche

Thomas Glavinic schildert in Das grössere Wunder innere und äussere Extremwelten

DBLWas für ein Ge­fühl, dach­te Jo­nas wäh­rend des Falls. Was für ein Rau­schen, was für ein Ge­ruch, was für ein Leuch­ten, was für ei­ne Kraft, welch Wild­heit, was für ei­ne Prä­zi­si­on, was für ei­ne Er­schüt­te­rung, was für ein Pri­ckeln, was für ei­ne Über­ra­schung, was für ei­ne Mu­sik, was für ein Wind, welch Stolz, wie schön, was für ei­ne Leich­tig­keit, was für ein Wahn­sinn, was für ein Him­mel, was für ei­ne Zeit, was für ei­ne Er­fah­rung, was für ein Le­ben. Und er fiel und fiel und fiel. Und er fiel noch im­mer. Und fiel.“ S. 203

Stel­len Sie sich letz­te Fra­gen und in­ter­es­sie­ren Sie sich für Ex­trem­si­tua­tio­nen, dann le­sen Sie Das grö­ße­re Wun­der, den neu­en Ro­man von Tho­mas Gla­vi­nic. Wie be­reits in Die Ar­beit der Nacht und Das Le­ben der Wün­sche trägt die Haut­pfi­gur den Na­men Jo­nas und denkt über den Sinn sei­ner Exis­tenz nach. Dies­mal be­fin­det er sich auf ei­ner Ex­pe­di­ti­on zum Mount Ever­est.

Glavinic_24332_MR1.inddWer, wie ich, bei ei­ner Acht­tau­sen­der­be­zwin­gung an Rein­hold Mess­ner oder gar an die gams­bär­ti­ge Berg­stei­ger­ro­man­tik ei­nes Lou­is Tren­ker denkt, sieht der Aus­sicht ei­ne sol­che Un­ter­neh­mung gut 500 Sei­ten lang zu be­glei­ten eher skep­tisch ent­ge­gen. Doch er wird po­si­tiv über­rascht wer­den, denn ihn er­war­tet ei­ne span­nen­de Mix­tur aus Gip­fel­stür­me­rei und Ma­fia­ge­ba­ren, Co­m­ing-of-Age-Sto­ry und Phi­lo­so­phie. Die­se ver­ab­reicht Gla­vi­nic sei­nem Le­ser in zwei von Ka­pi­tel zu Ka­pi­tel wech­seln­den Er­zähl­strän­gen, Jo­nas’ Be­stei­gung des Ever­est-Gip­fels und sein bis­he­ri­ges Le­ben, das sei­ne zu­nächst schlim­me Kind­heit, sei­nen Ein­zug ins Schla­raf­fen­land und sein Er­wach­sen­wer­den um­fasst.

Bei­de Er­zäh­lun­gen sind von zahl­rei­chen glück­li­chen Zu­fäl­len, man mag sie auch Wun­der nen­nen, ge­prägt. Hoff­nungs­los er­scheint das Le­ben der ver­nach­läs­sig­ten Zwil­lings­brü­der Jo­nas und Mi­ke bei ih­rer al­ko­hol­kran­ken Mut­ter und de­ren ge­walt­tä­ti­gen Män­nern, als ei­ne gu­te Fee sie aus die­ser Si­tua­ti­on ret­tet. Pic­co ist der Groß­va­ter von Jo­nas” bes­tem Freund Wer­ner, eher ei­nem Ma­fia­pa­ten „Be­ses­se­ne Sinn­su­che“ wei­ter­le­sen

Sehenswert — Literarische Wundertüten im TV

Literaturclub und das neue Lesenswert

Nach­dem vor ge­rau­mer Zeit der Li­te­ra­tur­club des Schwei­zer Fern­se­hens und jetzt ak­tu­ell auch Li­te­ra­tur im Foy­er ein Re­launch er­fah­ren ha­ben oder, wie es Paul Jandl nen­nen wür­de, auf­ge­pimpt, eben ver­schö­nert, mo­der­ni­siert, at­trak­ti­ver ge­macht wur­den, lohnt sich ein Blick auf die se­hens­wer­ten Li­te­ra­tur­sen­dun­gen im Fern­se­hen.

Im Li­te­ra­tur­club hat sich seit fast ei­nem Jahr man­ches ver­än­dert. Iris Ra­disch hat die Sen­dung ver­las­sen und die Mo­de­ra­ti­on an Ste­fan Zwei­fel ab­ge­ge­ben. Er dis­ku­tiert mit dem fes­ten En­sem­ble von El­ke Hei­den­reich, Hil­de­gard E. Kel­ler und Rü­di­ger Sa­fran­ski, die als Au­toren und fern­seh­taug­li­che Li­te­ra­tur­kri­ti­ker dem Pu­bli­kum be­kannt sind. Al­les fin­det nach wie vor in der ent­spann­ten At­mo­sphä­re des Zü­ri­cher Pa­pier­saals statt. Die bei­den Tre­sen, an de­nen Mo­de­ra­to­rin und Gast den Kri­ti­kern ge­gen­über sa­ßen, wur­den durch ei­ne tra­di­tio­nel­le Run­de er­setzt. Mei­ner Mei­nung nach ist „Se­hens­wert — Li­te­ra­ri­sche Wun­der­tü­ten im TVwei­ter­le­sen