Metaebenen in Liebe und Literatur

Peter Stamm erzählt in „Agnes“ über die Schwierigkeit von Nähe

Das Ma­nu­skript die­ses Ro­mans reich­te Pe­ter Stamm bei meh­re­ren Ver­la­gen ver­geb­lich ein, be­vor es im Zü­ri­cher Ar­che Ver­lag zum er­folg­rei­chen De­büt wur­de. Viel­leicht war es so lan­ge ver­kannt, weil Stamm auf den ers­ten Blick ei­ne alt­be­kann­te Ge­schich­te er­zählt, die ei­ner Be­zie­hung, auf die ein gleich und gleich eben­so zu­trifft wie die sich an­zie­hen­den Ge­gen­sät­ze.

Stamm sie­delt sein Paar in Chi­ca­go an, wo sie im Le­se­saal der Pu­blic Li­bra­ry ein­an­der be­geg­nen. Un­gleich im Al­ter sind die bei­den, sie 25, er, der fast ihr Va­ter sein könn­te, um die 40, auch in ih­ren In­ter­es­sen ver­schie­den. Agnes pro­mo­viert in Phy­sik, der Schwei­zer Sach­buch­au­tor schreibt über Lu­xus­wa­gons von Pull­mann. Bei­de agie­ren scheu in ih­ren An­nä­he­run­gen, doch ei­ni­ge Zi­ga­ret­ten und Kaf­fees spä­ter wer­den sie ein Paar. Das Schüch­ter­ne und die Schwie­rig­keit über Ge­füh­le zu spre­chen bleibt.

Ein un­spek­ta­ku­lä­res Su­jet, das al­ler­dings durch das Spiel mit der Me­ta­ebe­ne „Me­ta­ebe­nen in Lie­be und Li­te­ra­tur“ wei­ter­le­sen

Old and Dreamy

Judith Kuckart schreibt über die Wunschbedrängnis in der Lebensmitte

Wer sich der Le­bens­mit­te nä­hert, dem rü­cken Wün­sche und Sehn­süch­te auf die Pel­le. Sie ent­ste­hen in der Ju­gend, wenn man sich fort fan­ta­siert aus dem El­tern­haus, aus dem Städt­chen, aus der gan­zen mie­fi­gen pie­fi­gen Pro­vinz. Doch dann mo­dern die Träu­me un­ter dem Laub, das Jahr um Jahr grö­ße­re Hü­gel bil­det, bis die Er­kennt­nis der End­lich­keit sie aus­gräbt.

Auch die Fi­gu­ren in Ju­dith Ku­ck­arts neu­em Ro­man „Wün­sche“ be­sit­zen sol­che Sehn­suchts­zie­le, de­nen sie sich auf ver­schie­de­ne Wei­sen nä­hern. Ih­re Stim­men po­si­tio­niert die Au­torin im Mit­tel­teil ih­rer drei­tei­li­gen Kon­struk­ti­on, die vom ers­ten und letz­ten Tag der neun­mo­na­ti­gen Hand­lung um­fasst wird.

Es ist Sil­ves­ter in ei­ner Stadt im Ber­gi­schen, als Ve­ra Con­rad die Ge­le­gen­heit „Old and Drea­my“ wei­ter­le­sen

Klischee-Kunst

Christine Fivians „Das Bild” erzählt vom Künstler und seinen Musen

Drei schma­le, fast zwei Me­ter ho­he, an­ein­an­der­ge­scho­be­ne Bil­der, dar­auf sche­men­haft er­kenn­bar ei­ne vor­über­ei­len­de wei­ße Ge­stalt, ein We­sen aus dem Nichts, das flüch­tig er­scheint und wie­der im Nichts ver­schwin­det.“

Die­se kur­ze Be­schrei­bung ei­nes Tri­pty­chons steht zu Be­ginn des Ro­mans von Chris­ti­ne Fi­vi­an, des­sen Ti­tel schlicht Das Bildlau­tet. Der Ver­lag Edi­ti­on Xan­thip­pe sieht in ihm „ei­ne Ge­schich­te, die im­mer wie­der zu­rück­kehrt zu ei­nem Bild mit dem Ti­tel „Die Göt­tin“, .…“

Nun war Xan­thip­pe, der Ver­lag nennt sie eufe­mi­nis­tisch „Vor­den­ke­rin des So­kra­tes“, eher als des­sen streit­lus­ti­ges Weib be­kannt, und die­se Lust er­wacht auch in mir wäh­rend der Lek­tü­re, da der Ro­man, — der Klap­pen­text sie­delt ihn „zwi­schen Künst­ler­ro­man und Kri­mi­nal­ge­schich­te“ an‑, ei­ne Er­war­tung er­zeugt, die er nicht ein­zu­lö­sen ver­mag.

Er er­zählt von drei Frau­en über sech­zig, die sich je­doch nicht „Kli­schee-Kunst“ wei­ter­le­sen

TDDL 2013 – Die Preisträger des 37. Bachmann-Wettbewerbs

Gewinnerglück

Der größ­te Ge­win­ner in die­sem Jahr ist wohl der Wett­be­werb selbst. „Bach­mann bleibt“. ORF-Ge­ne­ral­di­rek­tor Alex­an­der Wra­betz, der die Ab­schaf­fung an­ge­droht hat­te, hob die­se vor der Preis­ver­ga­be wie­der auf und freu­te sich sehr über den Ap­plaus.

Vor der Ju­ryab­stim­mung zeig­te ein Vi­deo mit Aus­schnit­ten der letz­ten Le­sungs­ta­ge die Kan­di­da­ten der en­ge­ren Wahl. Sie fiel auf La­ris­sa Bo­eh­ning, Ro­man Ehr­lich, Ve­re­na Günt­ner, Heinz Hel­le, Ben­ja­min Maack, Joa­chim Mey­er­hoff und Kat­ja Pe­trow­ska­ja. Über Mey­er­hoff bin ich über­rascht, ich hät­te eher Cor­du­la Si­mon auf der Short­list ver­mu­tet.

Die wei­te­ren Ab­stim­mun­gen ver­lie­fen vor­her­seh­bar. Kat­ja Pe­trow­ska­ja TDDL 2013 – Die Preis­trä­ger des 37. Bach­mann-Wett­be­werbs“ wei­ter­le­sen

TDDL 2013 – Hannah Dübgen, Roman Ehrlich, Benjamin Maack, Nikola Anna Mehlhorn

Pathos-Prosa

Die Dra­ma­ti­ke­rin Han­nah Düb­gen kam auf Ein­la­dung von Ju­ri Stei­ner nach Kla­gen­furt. In ih­rem Vi­deo gab sie ers­te Hin­wei­se auf ih­ren Text. Sie sucht un­ge­wohn­te Zu­gän­ge zum Ge­wohn­ten. Ihr be­vor­zug­tes The­ma sind Men­schen und Schick­sa­le, die ihr fremd sind. So in­ter­es­siert sie be­son­ders, wie Blin­de die Welt wahr­neh­men.

Die­ser An­kün­di­gung folg­te der Text „Schat­ten­li­der“. Er schil­dert die in­ne­re Kon­flik­te der Mut­ter ei­nes blind ge­bo­re­nen Kin­des und der Um­gang der Fa­mi­lie mit dem Ver­hal­ten der An­de­ren. In er­wart­ba­ren, kli­schee­haf­ten Sze­nen zeigt sich viel Be­trof­fen­heit. Der Text setzt mit dem Schock TDDL 2013 – Han­nah Düb­gen, Ro­man Ehr­lich, Ben­ja­min Maack, Ni­ko­la An­na Mehl­horn“ wei­ter­le­sen

TDDL 2013 – Zè do Rock, Cordula Simon, Heinz Helle, Philip Schönthaler, Katja Petrowskaja

Fruchtschale mit Humorwurst

Nach den ers­ten bei­den Au­toren des heu­ti­gen Ta­ges ha­be ich mich wie­der nach ges­tern ge­sehnt. Spiel­te Spin­nen mit dem Ge­dan­ken der Pu­bli­kums­be­sänf­ti­gung als er Zè do Rock ein­lud? Der Münch­ner aus Bra­si­li­en mit deutsch-li­taui­schen Wur­zeln prä­sen­tier­te sich be­reits im Vi­deo als Co­me­di­an, der von bür­ger­li­chen Pony­fri­su­ren­trä­ge­rin­nen aus der bay­ri­schen Pro­vinz fröh­lich be­klatscht wur­de. Auch das Saal­pu­bli­kum ließ sich hin­rei­ßen, wahr­schein­lich gab es Frei­bier. Bei mir stell­te sich we­der In­ter­es­se noch Lach­lust ein, das emp­foh­le­ne Mit­le­sen ver­grö­ßer­te nur die Ver­ständ­nis­pro­ble­me. Ich fra­ge mich, TDDL 2013 – Zè do Rock, Cor­du­la Si­mon, Heinz Hel­le, Phil­ip Schöntha­ler, Kat­ja Pe­trow­ska­ja“ wei­ter­le­sen

37. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt – TDDL 2013 — Boehning, Meyerhoff, Kegele, Güntner, Mueller

Bachmann-Beschreibung, Teil 1

Pünkt­lich um 10:15 Uhr be­gann für mich der Bach­mann-Flow. Bis zur Preis­ver­lei­hung am Sonn­tag fei­ern wir drei­ein­halb Ta­ge die deutsch­spra­chi­ge Li­te­ra­tur in Kla­gen­furt. Viel­leicht zum letz­ten Mal mit Live­über­tra­gung, so droht der ORF. Wie das wer­den wür­de, konn­te man bei der letz­ten Ju­ry-Dis­kus­si­on des Nach­mit­tags er­ah­nen. Der Sen­der 3sat kapp­te die Über­tra­gung gna­den­los zum Ab­lauf der Sen­de­zeit, um uns ver­dutz­te Bach­mann­jün­ger nach Mont­mart­re zu schi­cken. Haupt­sa­che, das Pro­gramm wird ein­ge­hal­ten.

In den bis­he­ri­gen Jah­ren ha­be ich ver­sucht, Le­sun­gen und Dis­kus­sio­nen pro­to­kol­l­ar­tig wie­der zu ge­ben. Dies­mal ha­be ich an den re­gen Dis­kus­sio­nen bei Twit­ter teil­ge­nom­men, die Kon­zen­tra­ti­on „37. Ta­ge der deutsch­spra­chi­gen Li­te­ra­tur in Kla­gen­furt – TDDL 2013 — Bo­eh­ning, Mey­er­hoff, Ke­ge­le, Günt­ner, Mu­el­ler“ wei­ter­le­sen