Wer hat hier die Hosen an?

In ihrem neuen Bildband „Die Erste“ illustrieren Barbara Sichtermann und Ingo Rose Kämpferinnen um die Geschlechtergerechtigkeit

Die ErsteDie Erste“, das klingt nach Wettbewerbswunsch und Durchsetzungsvermögen. Beides war sicherlich im Verhalten der Frauen vorhanden, die Barbara Sichtermann und Ingo Rose im vorliegenden Bildband vorstellen. Sichtermann widmet sich seit vielen Jahren  den gesellschaftlichen und privaten Rollen der Frau. In 18 Kurzporträts stellt sie nun, zusammen mit ihrem Partner Rose, bekannte und weniger bekannte Frauen unterschiedlicher Generationen und Fachgebiete vor. Gemeinsam ist diesen Frauen eines, sie eroberten sich Positionen, deren Zugang dem weiblichen Geschlecht verwehrt war. Neben der berühmten Lise Meitner, die im Schatten von Otto Hahn als Kernphysikerin forschte, finden sich der heutigen Öffentlichkeit bekannte Persönlichkeiten, wie die Journalistin Wiebke Bruhns, die Theologin Margot Käßmann, die Finanzexpertin Christine Lagarde und die ehemalige, vor kurzem verstorbene, britische Premierministerin Margaret Thatcher.

Die beiden Autoren gehen aber auch in der Historie zurück und berichten „Wer hat hier die Hosen an?“ weiterlesen

Die Traumblätter des Trafikanten

Robert Seethalers melancholischer Wienroman „Der Trafikant”

seethaler_trafikant_3D15. April 1938

Im Prater geht ein Mädchen, es steigt ins Riesenrad, überall blitzen Hakenkreuze, das Mädchen steigt immer höher, plötzlich brechen die Wurzeln, und das Riesenrad rollt über die Stadt und walzt alles nieder, das Mädchen juchzt, und sein Kleid ist leicht und weiß wie ein Wolkenfetzen.“(S. 180)

Jeder träumt, viele erinnern sich ihrer Träume, mancher erzählt sie weiter. Doch wer kommt schon auf die Idee seine Träume in der Öffentlichkeit auszuhängen? Da müsste man lange suchen, erst recht in Wien vor achtzig Jahren. Auch wenn dort zu dieser Zeit der Traumfachmann des Jahrhunderts lebt, Sigmund Freud. Nach dessen Anweisung notiert der junge Franz seine Träume und hängt diese an das Fenster der Trafik.

Wie es soweit kam und was danach geschah, schildert Robert Seethaler in seinem neuen Roman Der Trafikant. Von Heimat und Liebe, von Freundschaft und Tod, kurz „Die Traumblätter des Trafikanten“ weiterlesen

Worüber wir reden, wenn wir über Bücher reden

Pierre Bayard plädiert in Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat für einen neuen Umgang mit Literatur

Pierre BayardNoch bevor ein gebildeter, neugieriger Mensch ein Buch aufgeschlagen hat, kann schon sein Titel oder ein kurzer Blick auf den Umschlag eine Reihe von Bildern und Eindrücken bei ihm hervorrufen, die nur darauf warten, in eine erste Meinung verwandelt zu werden.“

Mit einer meiner Freundinnen rede ich gerne über Literatur, auch wenn die Schnittmenge unserer gelesenen Bücher relativ klein ist. Sie greift zwischendurch gerne mal zum aktuellen Schwedenthriller oder zum angesagten Jugendroman, um an ihrer Schule mit Kollegen und  Klientel mitreden zu können, während mein Lesefutter manchmal in ihren Pflichtbereich fällt. Doch wir beschränken unsere Diskussionen nicht auf diese tatsächlich gemeinsam gelesenen Bücher. Es bleibt auch nicht bei einem gegenseitigen Informationsaustausch an Lesetipps und Warnungen. Jede hat ihre eigene Meinung zu dem jeweiligen Buch, ob gelesen oder nicht. Nicht selten geraten wir sogar in eine lebhafte Debatte.

Ist dies nun statthaft? Darf man über Dinge reden, die man nicht „Worüber wir reden, wenn wir über Bücher reden“ weiterlesen