Atalantes Historien

Literatur Geschichte

Archiv für den ‘Tauschticket’ Tag

Proust — Hoffnungshölle

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Ach, Gil­berte!

„Unser Glaube, daß ein Wesen an einem unbe­kann­ten Leben teil­hat, in das seine Liebe uns mit hin­ein­tra­gen würde, ist unter allem, was die Liebe zu ihrer Ent­ste­hung braucht, das Bedeu­tungs­vollste, dem gegen­über alles andere nur noch wenig ins Gewicht fal­len kann.“

Als Mar­cel Gil­berte ken­nen lernt, wünscht er sich nichts sehn­li­cher als auch von Swann akzep­tiert und in den Kreis der Per­so­nen auf­ge­nom­men zu wer­den, die von ihm und Odette emp­fan­gen wer­den. Dies gelingt ihm recht bald. Die Swanns sind sogar der­art von ihm beein­druckt, daß sie einen posi­ti­ven Ein­fluss auf ihre Toch­ter erhof­fen. Je inni­ger sich jedoch die­ses von Bewun­de­rung und Ver­trauen geprägte Ver­hält­nis ent­wi­ckelt, um so mehr dis­tan­ziert sich Gil­berte von ihrem Ver­eh­rer. Viel­leicht fand sie es wie heu­tige Puber­tie­rende ein­fach uncool von einem Jun­gen umschwärmt zu wer­den, der sich for­mi­da­bel mit den Eltern ver­steht, von denen man sich doch gerade zu eman­zi­pie­ren versucht?

Auf jeden Fall lei­det man mit Mar­cel. Doch zunächst ist man zusam­men mit ihm ver­liebt. Bei der ers­ten Ein­la­dung zum Tee ver­spürt man eine der­ar­tige Auf­re­gung, daß das Gehirn wie wei­ter­le­sen »

Geschrieben von Atalante

5. Dezember 2010 um 14:49

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Literarischer Leuchtturm im Nebelmeer des Lebens

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Proust Pha­rao“ von Michael Maar

Für Prou­sta­dep­ten wie für Proust­neu­linge glei­cher­ma­ßen inter­es­sant ist die 2009 im Berenberg-Verlag unter dem Titel Proust Pha­rao erschie­nene Essay-Sammlung. In sie­ben zum Teil revi­dier­ten und erwei­ter­ten Tex­ten, dar­un­ter zwei Erst­ver­öf­fent­li­chun­gen, setzt sich Michael Maar auf kennt­nis­rei­che und unter­halt­same Weise mit Mar­cel Proust und der Recher­che aus­ein­an­der. Ange­rei­chert ist der schön gestal­tete Band mit Por­trät­pho­to­gra­phien, die den Schrift­stel­ler in ver­schie­de­nen Lebens­pha­sen zeigen.

Bereits der erste titel­ge­bende Text  ist eine Eloge an Proust, dem es wie kei­nem ande­ren gelang „der inne­ren Wahr­heit bis in die letzte Ver­äs­te­lung nach” zu for­schen. Indem Proust auf­zeigt wie die Gefühle funk­tio­nie­ren, bie­tet er sei­nem Leser ein Instru­men­ta­rium zur Selbst­er­for­schung. Gleich­zei­tig erweist er sich als gro­ßer Poet in der Beschrei­bung von Natur und Land­schaft, sowie als Gesell­schafts­ko­mö­di­ant, der das Trei­ben der Pari­ser Salons mit viel Iro­nie schil­dert, wodurch er nicht zuletzt wei­ter­le­sen »

Geschrieben von Atalante

4. August 2010 um 20:20

Proust — Entflammt, erobert, eifersüchtig, egal

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Ein lie­ben­der Swann

Wer hat nicht schon ein­mal wie erstarrt und zu einem ver­nünf­ti­gen Gedan­ken unfä­hig sein Tele­fon hyp­no­ti­siert, damit es end­lich klin­geln möge, viel­mehr damit der Ange­be­tete end­lich spü­ren möge, daß sein Anruf sehn­lich erwar­tet wird, oder bes­ser, damit die­ser sich sehne anzu­ru­fen. Heut­zu­tage ist dank des mobi­len Tele­fo­nie­rens eine stun­den– oder gar tage­lange Qua­ran­täne obso­let. Auch wenn Odette –über­flüs­sig es zu erwäh­nen– natür­lich noch nicht mal einen Fest­netz­an­schluss hatte, so hätte sie sich doch auch zur Zeit der ste­ten und all­ge­gen­wär­ti­gen Erreich­bar­keit für Swann uner­reich­bar zu machen gewusst. Ein­fach weg­ge­drückt oder am bes­ten das Teil direkt im Bois ver­lo­ren, an einem Regen­tag natürlich.

Die moderne Tech­nik hätte das Lie­bes­leid des Mon­sieur Swann also sehr wahr­schein­lich auch nicht lin­dern kön­nen. Doch hätte er dies über­haupt gewünscht? Was gibt es Schö­ne­res als wei­ter­le­sen »

Geschrieben von Atalante

20. Juli 2010 um 18:08

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Proust — Du côté de chez Swann – Du côté de Guermantes

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Pro­me­na­den

Nach einem trä­nen­rei­chen Abschied vom Weiß­dorn schil­dert uns der Erzäh­ler  die bei­den Haupt­spa­zier­wege von Com­bray (S. 194–248). Der Erste führt ihn in Rich­tung des Swann­schen Besit­zes und dehnt sich wei­ter zur Seite von Méséglise-la-Vineuse hin aus. Das Spa­zie­ren­ge­hen in der Natur ist ihm not­wen­di­ger Aus­gleich zur  Lek­türe und gleich­zei­tig eine nie ver­sie­gende Inspi­ra­ti­ons­quelle. Natur­er­schei­nun­gen wie der Wind tre­ten als Lokal­geist von Com­bray auf, die gran­dio­sen Auf­tritte der Schau­spie­le­rin „La lune“ wer­den erleb­bar, vor Regen bie­tet das Wäld­chen von Rous­sain­ville Schutz. Die­sen Unter­schlupf nutzte man wohl oft, da sich die­ser Weg wegen sei­ner Kürze bei auf­zie­hen­den Regen­wol­ken anbot. Vor­bei an Tan­son­ville, dem von einem Park umge­be­nen schloss­ar­ti­gen Anwe­sen Swanns, führt er zur Feld­kir­che von Saint-André-des-Champs, in des­sen goti­schen Skulp­tu­ren der Knabe die Gestal­ten der nai­ven Phan­ta­sie Françoi­ses und wei­ter­le­sen »

Geschrieben von Atalante

1. Juli 2010 um 19:16

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Proust — Mandarinen, Weißdorn und eine Korkenziehercaritas

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Lebens­the­men

Die Sei­ten 101 bis 193 bie­ten viele Rück­bli­cke, Erin­ne­run­gen und Spaziergänge. Wir ler­nen zwei sehr amü­sante Per­so­nen ken­nen, den arro­gan­ten Bloch und den Schwät­zer Legrandin.

Am bes­ten gefällt mir, daß auf die­sen Sei­ten die drei gro­ßen Lei­den­schaf­ten Prousts oder des Erzäh­lers zur Spra­che kom­men, Thea­ter, Liebe und Literatur.

Er schil­dert wie ihn schon als Junge der mon­däne Ruch des Thea­ters und vor allem der damit ver­bun­de­nen Frau­en­welt anzog. All’ diese gefei­er­ten Schau­spie­le­rin­nen, hüb­schen, noch nie ver­hei­ra­te­ten Wit­wen, fal­schen Grä­fin­nen und Kokot­ten würde der Knabe sehr gerne ken­nen ler­nen. Aber er ist noch zu jung, seine Eltern erlau­ben kei­nen Besuch im Thea­ter, geschweige denn in der Dem­i­monde. Da trifft es sich gut, einen Onkel besu­chen zu kön­nen, der die­sem Milieu gegen­über wei­ter­le­sen »

Geschrieben von Atalante

10. Juni 2010 um 17:01

Proust — Auf der Suche nach dem Erzähler

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Mar­cel – Knabe, Erzäh­ler, Autor

Wäh­rend die­ser ers­ten gemein­sa­men Lese­ab­schnitte stellte sich uns immer wie­der die Frage, wie alt und wer der Knabe sei. Das Drama des Gute-Nacht-Kusses, die zahl­rei­chen Roman­lek­tü­ren und die Schwär­me­rei für Schau­spie­le­rin­nen schei­nen nicht recht in einen begrenz­ten Alters­ab­schnitt zu passen.

Wie­viel sei­ner eige­nen Iden­ti­tät offen­bart Proust in die­ser Figur?

Auch wenn die Recher­che keine Auto­bio­gra­phie ist, so berich­tet Proust wei­ter­le­sen »

Geschrieben von Atalante

8. Juni 2010 um 23:14

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Prousts Madeleine

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Lebens­mit­tel­sen­so­rik und Gedächtnispsychologie

Dass Erin­nern die Grund­lage aller Dich­tung sei, erklärt Proust sei­nen Lesern ein­leuch­tend und sinn­lich durch die Made­leine. Denn alleine der Genuss die­ses klei­nen fran­zö­si­schen Gebäcks erweckte in ihm eine mémoire invo­lon­taire, eine unbe­wusste Erin­ne­rung, die her­vor­ge­ru­fen durch ein zufäl­li­ges sinn­li­ches Ereig­nis, das erneute Ein­tau­chen in ein zurück­lie­gen­des Gefühl mög­lich macht. Ganz klar setzt Proust die­ses unbe­wusste Erin­nern von dem bewusst her­bei­ge­führ­ten intel­lek­tu­el­len Erin­nern ab. In der Ein­lei­tung zu der berühm­ten Text­stelle betont er, daß er zwar an seine Kind­heit in Com­bray wil­lent­lich den­ken könne, aber „da die auf diese Weise ver­mit­telte Kunde von der Ver­gan­gen­heit ihr Wesen nicht erfasst, hätte ich nie­mals Lust gehabt, an das übrige Com­bray zu den­ken. Alles das war in Wirk­lich­keit tot für mich.“

Erst der Geschmack des in ein wenig Tee geweich­ten Kuchens an sei­nem Gau­men erweckt das all­sonn­täg­li­che Madeleine-Ritual bei Tante Léo­nie und damit die Sommerfrischen-Kindheit in Com­bray zur leben­di­gen Erinnerung.

Die Begleit­um­stände die­ses Gedächn­tistricks lie­gen in der mensch­li­chen Sen­so­rik und Funk­tion unse­res Hirns. Klaus Dürr­schmid ent­larvt in sei­nem Auf­satz Zur Sen­so­rik von Made­lei­nes und Tee Proust wei­ter­le­sen »

Geschrieben von Atalante

30. Mai 2010 um 18:13

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Proust — Die ersten 100 Seiten

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Ein­schlaf­schwie­rig­kei­ten

Wer kann sich nicht daran erin­nern, wie qual­voll es sein kann ein­schla­fen zu sol­len ohne es zu wol­len. Es fehlt die nötige Bett­schwere oder ein wich­ti­ges Ritual. Wel­ches Ritual kann schö­ner sein als der Gute-Nacht-Kuss, des­sen Besänf­ti­gung den Übergang zum Schlaf leich­ter macht? Am ein­dring­lichs­ten beschreibt dies Mar­cel Proust. Seine Dar­stel­lung ver­setzt mich zurück in meine Kind­heit. Auch ich sehe den Strei­fen Licht unter der Tür her­vor­schim­mern, wün­sche mir bei jedem Schritt im Haus, dass sich die Tür zu mei­nem dunk­len Zim­mer öffnet, meine Mut­ter sich über mein Bett beugt und mir so noch ein­mal ver­si­chert nicht alleine zu sein in den nächs­ten dunk­len Stunden.

Natür­lich ver­brachte ich meine Som­mer­fri­sche nicht in Com­bray. Zum Glück. Trotz der pri­vi­le­gier­ten Annehm­lich­kei­ten wäre mir diese Umge­bung zu eng gewe­sen. Prousts Rück­schau wei­ter­le­sen »

Geschrieben von Atalante

27. Mai 2010 um 19:04

Proust gemeinsam lesen — Ein Leseprojekt

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Noch ein Proust-Blog?

Nein. An die­ser Stelle soll eine Samm­lung von Links, Ver­wei­sen, Lite­ra­tur und Ideen ent­ste­hen, die aus einem gemein­sa­men Lesen von „Auf der Suche nach der ver­lo­re­nen Zeit“ her­vor­ge­hen. Diese Dis­kus­sion nach fest­ge­leg­ten Lese­ab­schnit­ten fin­det sich im Forum der Buch­tausch­börse Tausch­ti­cket.

Zu Beginn seien auf die Seite des Suhrkamp-Verlages mit den der­zeit vor­han­de­nen Aus­ga­ben ver­wie­sen, sowie auf die der Marcel-Proust-Gesellschaft. Diese bie­tet zahl­rei­che wei­ter­füh­rende Infor­ma­tio­nen, dar­un­ter auch viele Post­kar­ten­an­sich­ten, die uns die Ankunft in Com­bray erleichtern.

Für den Prou­st­an­fän­ger oder gar für den Prou­st­an­ge­ber sind in den letz­ten Jah­ren zahl­rei­che wei­ter­le­sen »

Geschrieben von Atalante

26. Mai 2010 um 17:45