Atalantes Historien

Literatur Geschichte

Archiv für den ‘Gilberte’ Tag

Proust — Hoffnungshölle

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Ach, Gil­berte!

„Unser Glaube, daß ein Wesen an einem unbe­kann­ten Leben teil­hat, in das seine Liebe uns mit hin­ein­tra­gen würde, ist unter allem, was die Liebe zu ihrer Ent­ste­hung braucht, das Bedeu­tungs­vollste, dem gegen­über alles andere nur noch wenig ins Gewicht fal­len kann.“

Als Mar­cel Gil­berte ken­nen lernt, wünscht er sich nichts sehn­li­cher als auch von Swann akzep­tiert und in den Kreis der Per­so­nen auf­ge­nom­men zu wer­den, die von ihm und Odette emp­fan­gen wer­den. Dies gelingt ihm recht bald. Die Swanns sind sogar der­art von ihm beein­druckt, daß sie einen posi­ti­ven Ein­fluss auf ihre Toch­ter erhof­fen. Je inni­ger sich jedoch die­ses von Bewun­de­rung und Ver­trauen geprägte Ver­hält­nis ent­wi­ckelt, um so mehr dis­tan­ziert sich Gil­berte von ihrem Ver­eh­rer. Viel­leicht fand sie es wie heu­tige Puber­tie­rende ein­fach uncool von einem Jun­gen umschwärmt zu wer­den, der sich for­mi­da­bel mit den Eltern ver­steht, von denen man sich doch gerade zu eman­zi­pie­ren versucht?

Auf jeden Fall lei­det man mit Mar­cel. Doch zunächst ist man zusam­men mit ihm ver­liebt. Bei der ers­ten Ein­la­dung zum Tee ver­spürt man eine der­ar­tige Auf­re­gung, daß das Gehirn wie wei­ter­le­sen »

Geschrieben von Atalante

5. Dezember 2010 um 14:49

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Proust — Sehnsuchtsorte

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Bal­bec, Vene­dig, Flo­renz, Champs-Élysées, Bois de Bou­lo­gne — (Bd. 1, 3)

An stür­mi­schen Tagen befällt den jun­gen Mar­cel Fern­weh nach Bal­bec, einem Küs­ten­ort in der Nor­man­die, der in aller her­auf­be­schwo­re­nen Phan­ta­sie bizar­rer erscheint als er sich in Wirk­lich­keit erwei­sen sollte. Ein Phä­no­men, wel­ches er auch beim Klang der ita­lie­ni­schen Städ­te­na­men Vene­dig und Flo­renz emp­fin­det. Die Erwar­tung stellt ihm diese Orte „schö­ner und anders dar, als nor­man­ni­sche oder tos­ka­ni­sche Städte es in Wirk­lich­keit sein kön­nen“. Mit der Lek­türe von Kunst– und Rei­se­füh­rern taucht er ein in diese Welt fern der Rea­li­tät. „Selbst unter einem ganz rea­len Gesichts­punkt neh­men die Gegen­den, nach denen wir uns seh­nen, in jedem Augen­blick unse­res wirk­li­chen Lebens sehr viel mehr Raum ein als das Land, in dem wir uns befinden.“ Doch seine Krank­heit ver­hin­dert die Reise.

Anstatt ita­lie­ni­scher Renais­sance­bau­ten muss er mit den Gar­ten­an­la­gen der Champs-Élysées vor­lieb neh­men. Es scheint ihm uner­träg­lich. Man könnte in Erin­ne­rung an bereits wei­ter­le­sen »

Geschrieben von Atalante

19. August 2010 um 1:07

Proust — Du côté de chez Swann – Du côté de Guermantes

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Pro­me­na­den

Nach einem trä­nen­rei­chen Abschied vom Weiß­dorn schil­dert uns der Erzäh­ler  die bei­den Haupt­spa­zier­wege von Com­bray (S. 194–248). Der Erste führt ihn in Rich­tung des Swann­schen Besit­zes und dehnt sich wei­ter zur Seite von Méséglise-la-Vineuse hin aus. Das Spa­zie­ren­ge­hen in der Natur ist ihm not­wen­di­ger Aus­gleich zur  Lek­türe und gleich­zei­tig eine nie ver­sie­gende Inspi­ra­ti­ons­quelle. Natur­er­schei­nun­gen wie der Wind tre­ten als Lokal­geist von Com­bray auf, die gran­dio­sen Auf­tritte der Schau­spie­le­rin „La lune“ wer­den erleb­bar, vor Regen bie­tet das Wäld­chen von Rous­sain­ville Schutz. Die­sen Unter­schlupf nutzte man wohl oft, da sich die­ser Weg wegen sei­ner Kürze bei auf­zie­hen­den Regen­wol­ken anbot. Vor­bei an Tan­son­ville, dem von einem Park umge­be­nen schloss­ar­ti­gen Anwe­sen Swanns, führt er zur Feld­kir­che von Saint-André-des-Champs, in des­sen goti­schen Skulp­tu­ren der Knabe die Gestal­ten der nai­ven Phan­ta­sie Françoi­ses und wei­ter­le­sen »

Geschrieben von Atalante

1. Juli 2010 um 19:16

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Proust — Mandarinen, Weißdorn und eine Korkenziehercaritas

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Lebens­the­men

Die Sei­ten 101 bis 193 bie­ten viele Rück­bli­cke, Erin­ne­run­gen und Spaziergänge. Wir ler­nen zwei sehr amü­sante Per­so­nen ken­nen, den arro­gan­ten Bloch und den Schwät­zer Legrandin.

Am bes­ten gefällt mir, daß auf die­sen Sei­ten die drei gro­ßen Lei­den­schaf­ten Prousts oder des Erzäh­lers zur Spra­che kom­men, Thea­ter, Liebe und Literatur.

Er schil­dert wie ihn schon als Junge der mon­däne Ruch des Thea­ters und vor allem der damit ver­bun­de­nen Frau­en­welt anzog. All’ diese gefei­er­ten Schau­spie­le­rin­nen, hüb­schen, noch nie ver­hei­ra­te­ten Wit­wen, fal­schen Grä­fin­nen und Kokot­ten würde der Knabe sehr gerne ken­nen ler­nen. Aber er ist noch zu jung, seine Eltern erlau­ben kei­nen Besuch im Thea­ter, geschweige denn in der Dem­i­monde. Da trifft es sich gut, einen Onkel besu­chen zu kön­nen, der die­sem Milieu gegen­über wei­ter­le­sen »

Geschrieben von Atalante

10. Juni 2010 um 17:01