Archiv für den ‘Balbec’ Tag
Proust — Die Pandorabüchse des Grandhotels
Kurgesellschaft
Unser Held, der jugendliche Marcel, verbringt zum ersten Mal seine Zeit in einem Grandhotel und beschert uns mit seinen Beobachtungen eine amüsante Analyse der Freuden und Nöte des dortigen gesellschaftlichen Gerangels. Nichts scheint schwieriger als in der vermeintlich vereinheitlichenden Atmosphäre einer gemeinsamen Badekur die gesellschaftlichen Schranken aufrechtzuerhalten.
Dieser Schwierigkeit, allen „comme il faut“ gerecht zu werden, sieht sich auch der Direktor des Grand-Hôtel de la Plage in Balbec ausgesetzt. Das Äußere dieses Herrn erinnert an eine lebensgegerbte Pagode im Smoking, aber sein psychologisches Gespür täuscht ihn manchmal. Nicht immer erkennt er, wer die ausreichende Finanzstärke eines würdigen Gastes ausstrahlt. Meist sind das Auftreten, ein exklusives Äußeres, aber auch die „gewählten, aber falsch angebrachten“ Redewendungen deutliche Indizien. Doch ob Bourgeois weiterlesen »
Proust — Strandmaenaden
Balbec
Windböen über flachen Stränden, deren Enden wie der Horizont in unendlicher Weite zu liegen scheinen. Mit Wellen und zahllosen Varianten von Blau macht das Meer auf sich aufmerksam, dessen Gicht die Luft feucht und salzig macht. Besonders gut für den asthmakranken Jungen, der in Begleitung seiner Großmutter, diese Brise nun etliche Wochen atmen wird. Fern von Maman, fern von lieben Gewohnheiten, fern von der heimatlichen Idylle und dem Schutz des eigenen Zimmers, sieht sich der junge Erzähler einer fremden, unbekannten Umgebung ausgesetzt. Er muss sich erst einmal gewöhnen, an das kahle Zimmer, an die Riten des Hotellebens, an die Gesellschaft anderer Menschen, die zugleich erstrebenswert wie unerreichbar erscheint. Marcel nähert sich durch Beobachtung. Er sieht Gruppen von jungen Menschen, im gleichen Alter wie er aber doch gänzlich anders in ihrem Verhalten. Nicht der Obhut einer Großmutter sondern sich selbst überlassen vergnügen sie sich ganz prächtig. Alleine ihr Auftreten mit Tennis– oder Golfschläger, auf dem Fahrrad oder gar auf dem weiterlesen »
Proust — Sehnsuchtsorte
Balbec, Venedig, Florenz, Champs-Élysées, Bois de Boulogne — (Bd. 1, 3)
An stürmischen Tagen befällt den jungen Marcel Fernweh nach Balbec, einem Küstenort in der Normandie, der in aller heraufbeschworenen Phantasie bizarrer erscheint als er sich in Wirklichkeit erweisen sollte. Ein Phänomen, welches er auch beim Klang der italienischen Städtenamen Venedig und Florenz empfindet. Die Erwartung stellt ihm diese Orte „schöner und anders dar, als normannische oder toskanische Städte es in Wirklichkeit sein können“. Mit der Lektüre von Kunst– und Reiseführern taucht er ein in diese Welt fern der Realität. „Selbst unter einem ganz realen Gesichtspunkt nehmen die Gegenden, nach denen wir uns sehnen, in jedem Augenblick unseres wirklichen Lebens sehr viel mehr Raum ein als das Land, in dem wir uns befinden.“ Doch seine Krankheit verhindert die Reise.
Anstatt italienischer Renaissancebauten muss er mit den Gartenanlagen der Champs-Élysées vorlieb nehmen. Es scheint ihm unerträglich. Man könnte in Erinnerung an bereits weiterlesen »