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	<title>Atalantes Historien</title>
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	<description>Literatur Geschichte</description>
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		<title>Das Glück beim Betrachten der Biber</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 13:24:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lauter Lob]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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		<category><![CDATA[Naturbeschreibung]]></category>
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		<description><![CDATA[Kerstin Ekman erkundet das Hundeherz „Lag er lange Zeit still, sah er manchmal einen im Sonnenlicht glänzenden Biberschädel auf geradem Kurs durchs Wasser. Er folgte ihm immer mit dem Blick, blieb aber gleichmütig liegen (…) Die Biber und er hatten nichts miteinander zu schaffen. Doch sie waren da, waren in derselben Abendsonne, am selben schwarzen Wasser, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Kerstin Ekman erkundet das <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3492263550/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3492263550" target="_blank">Hundeherz</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3492263550" alt="" width="1" height="1" border="0" /></h3>
<p><em><a href="http://atalantes.de/wp-content/uploads/2012/02/41yrzrJoG1L._SL160_.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2251" style="border-style: initial; border-color: initial; margin-top: 5px; margin-bottom: 5px; margin-left: 10px; margin-right: 10px; border-width: 0px;" title="Hundeherz" src="http://atalantes.de/wp-content/uploads/2012/02/41yrzrJoG1L._SL160_.jpg" alt="" width="101" height="160" /></a>„Lag er lange Zeit still, sah er manchmal einen im Sonnenlicht glänzenden Biberschädel auf geradem Kurs durchs Wasser. Er folgte ihm immer mit dem Blick, blieb aber gleichmütig liegen (…) Die Biber und er hatten nichts miteinander zu schaffen. Doch sie waren da, waren in derselben Abendsonne, am selben schwarzen Wasser, das im Sonnenlicht glühte. Er hatte ihre Geräusche gern, ihre Gesellschaft.“</em></p>
<p>Bei diesem Buch geschah es zum ersten Mal, ich las den Schluss zuerst. Ich musste sicher sein, daß die Geschichte gut ausgeht für den Welpen, der sich im Wald verirrte. Erst dann konnte ich gemeinsam mit ihm die kalte Umgebung erkunden, mich unter einer Wurzel schlafen legen, eiskalte Frostnächte und bohrenden Hunger überstehen.</p>
<p><em>„Sich spreizende Äste, Pfoten und Krallen. Sich duckende Baumstümpfe mit Rückenzotteln und Ohren. Schlafende Steinrücken. Schlafen, an feuchten Flechten geschmiegt, zu Stein gefroren und schwindelig. Irrlichternde Punkte vor Augen. Hungerschmerz und betäubende Angst. Wegschlafen. In die Sonne schlafen. An Sonnenzitzen saugen. Wegwärmen. Saugen. Wärme saugen.“</em></p>
<p>Ich erkundete die Natur durch die Sinne eines Hundes. Er riecht, stöbert auf, rätselt und lernt. Kerstin Ekman findet für alle diese Empfindungen und Reaktionen eine poetische Sprache, die ganz nahe ist an den Geräuschen, Düften und Farben der Natur. Fast sind es Hundeworte, Hundegedanken, ein Hundebewusstsein, das uns die Reaktionen dieses Tieres näher bringen.</p>
<p><em>„Seine Pfoten fingen zu laufen an. Auf der glatten Fläche draußen wurde sein Körper leicht. Er verfiel in einen schnellen, rhythmischen Trab und nach einer Weile ins Rennen. Er rannte aus reinem Spaß an der Freude. In seinem Körper sangen der Mondschein, die Kälte und die Geschwindigkeit. Es gab keine Grenze, keinen Wald, kein Ufer.“</em></p>
<p>Doch wir wissen, es ist eine Erzählerin, die sich in das Geschöpf hineinversetzt. Als Haustier geboren ist es durch Unachtsamkeit in die Waldeinsamkeit geraten und nun auf sich alleine gestellt. Der Welpe entdeckt schnell, wo er trinken kann und was den Hunger stillt. Ein Elchkadaver sichert ihm das Überleben. Im Verlauf eines Jahres lernt er das Wichtigste, wann er sich weg zu ducken hat und wann er sich behaupten muss. Bevor der Winter wieder einbricht kommt es jedoch zu einer Begegnung, die aus dem verwilderten Grauen wieder einen Menschenhund macht.</p>
<p><em>„Der Mann gab ein Geräusch von sich, er atmete aus. Der Graue bewegte erneut den Schwanz. Er hielt den Kopf schräg und hatte die Ohren gesenkt. Sie lagen jetzt eingeschlagen zu beiden Seiten der flachen Stirn. Er wackelte mit dem Körper und bewegte sich im Halbkreis auf den Mann zu, sodass er sich ihm näherte und zugleich auf Abstand blieb. Obwohl ungeübt, wirkte er unverhohlen freundlich. Das gesträubte Rückenhaar hatte sich gelegt, seine Würde und Fassung hatte er aber nicht verloren. Der halb entrollte Schwanzkringel bewegte sich.“</em></p>
<p>Trotz dieses guten Endes findet sich in keiner Zeile Kitsch. Kerstin Ekman fühlt sich in ihren Helden sehr genau ein und übersetzt dies in ihre Waldpoesie. Indem man liest taucht man tief ein in das grüne Geknurpschel, Geziepe und Geflatter. Langsam liest man die Sätze, vorsichtig um kein Geräusch zu machen und zu stören. Gleichzeitig wird man von einem ungeheuren Sog erfasst, atemlos, hechelnd.</p>
<p>Ein Buch, das einem Lust auf den Wald macht, auf einen Hund und auf die poetische Sprache dieser schwedischen Autorin, die Hedwig M. Binder kunstvoll ins Deutsche übertragen hat.</p>
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		<title>Pickel, Priester, Partydrogen</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 13:23:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gut zu lesen]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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		<category><![CDATA[Internat]]></category>
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		<category><![CDATA[Missbrauch]]></category>
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		<category><![CDATA[Schule]]></category>

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		<description><![CDATA[Skippy stirbt, eine Internats– und Gesellschaftskritik von Paul Murray Zu diesem Buch, welches der Kunstmann-Verlag in einer bibliographisch aufwendig gestalteten Ausgabe editiert hat, habe ich mich von einem begeisterten Büchervogel überreden lassen, denn Erlebnisse pubertärer Internatsinsassen sind nicht unbedingt mein Metier. Das fiel mir schon bei Tschick auf, der sich geradezu locker runter lesen lässt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3888977002/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3888977002" target="_blank">Skippy stirbt</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3888977002" alt="" width="1" height="1" border="0" />, eine Internats– und Gesellschaftskritik von Paul Murray</h3>
<p><a href="http://atalantes.de/wp-content/uploads/2012/01/skippy.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2225" style="border-style: initial; border-color: initial; margin-top: 5px; margin-bottom: 5px; margin-left: 10px; margin-right: 10px; border-width: 0px;" title="skippy" src="http://atalantes.de/wp-content/uploads/2012/01/skippy.jpg" alt="" width="107" height="160" /></a>Zu diesem Buch, welches der Kunstmann-Verlag in einer bibliographisch aufwendig gestalteten Ausgabe editiert hat, habe ich mich von einem begeisterten Büchervogel überreden lassen, denn Erlebnisse pubertärer Internatsinsassen sind nicht unbedingt mein Metier. Das fiel mir schon bei <a href="http://atalantes.de/2011/02/tschick-und-maik-auf-lada-tour/" target="_blank">Tschick</a> auf, der sich geradezu locker runter lesen lässt, was man von dem 780 Seiten starken Schwergewicht Paul Murrays, der die Träume und Albträume seiner Protagonisten auf drastische Weise schildert, schwerlich sagen kann. Der Roman wird zwar mancherorten als äußerst kurzweilig gelobt, für meinen Geschmack weist er jedoch deutliche Längen auf.</p>
<p>Die Geschichte spielt in einem katholischen Internat Dublins zu Zeiten der Finanzkrise. Die Schülerschaft spiegelt das übliche Bild männlicher Jugendlicher während das Lehrerkollegium ältere Priestern und halbherziges Personal aufweist. Einer seiner jüngeren, weltlichen Mitglieder ist der ehemalige Banker Howard. Aus seinem alten Job gefeuert, unterrichtet er nun an seiner einstigen Schule Geschichte. Es gelingt ihm kaum sich und seine Themen durchzusetzen, woran nicht nur der vermeintlich dröge Stoff und seine uninspirierte Vermittlung, sondern auch sein Ruf als „Howard the Coward“, Howard Hasenherz, zählt. Wie er zu diesem Spottnamen kam, erschließt sich im Lauf des Romans. Erst als Howard von einer schönen Fee, einer ebenfalls aus dem Bankenmilieu in die Schule geratenen attraktiven Aushilfskraft, einen entscheidenden Lektüretipp erhält, erfahren sowohl er wie die Schüler einen Motivationsschub.</p>
<p>Von den Schüler, die alle von Pubertätsnöten geplagt werden, leidet der traurige Skippy besonders. Traumatisiert durch die schwere Krankheit seiner Mutter herrschen zwischen ihm und seinem Vater Sprachlosigkeit. Nöte, die die Lehrer nicht erkennen können, weil sie zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind. So sind auch all die anderen Jungs auf sich alleine gestellt, das dicke Genie, der Minimacho italienischer Abstammung, die ritalinverseuchten Unterstufenschüler, die sozial benachteiligten Pausenhofdealer. Ihre weiblichen Altersgenossen in der vis-à-vis gelegenen Nonnenschule haben es nicht leichter. Sie hadern mit ihrem Äußeren bis zur Magersucht, sind sexuellem Druck ausgesetzt, intrigieren gegeneinander. Auch sie finden bei den Erwachsenen keinen Halt.</p>
<p>Paul Murray, dessen Roman mit dem Tod seines Helden einsetzt, erzählt nicht nur dessen Martyrien, zu denen auch eine Lovestory gehört, sondern  er schildert vor allem ein Drama von Gruppenzwang, Schuld und Heuchelei. Aus verschiedenen Perspektiven erfährt der Leser von Vernachlässigung und Erpressung, von debilen Direktoren, denen der Ruf der Schule über alles geht, von Müttern, die ihre Töchter anstatt mit Zuwendung mit einem Friseurbesuch trösten, von dummen Sportlehrern und vermeintlich feigen, aber eigentlich ganz schön mutig schlauen Geschichtslehrern, von pädophilen Priestern, kurz von persönlicher und gesellschaftlicher Krise.</p>
<p>Das geht, wie die Aufzählung zeigt, nicht ohne die üblichen Klischees zu bemühen. Vielleicht liegt es daran, vielleicht auch an der Länge des Buches, ganz bestimmt aber liegt es an mir, daß er mir nicht ganz so gut gefallen hat. Der Roman war mir zu lang und mir fehlte die Identifikationsfigur. Alleine Howard fühlte ich mich manchmal nahe, besonders bei seiner Lektüre von Robert Ranke-Graves, <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0141184590/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=0141184590" target="_blank">Goodbye to All That </a>, über dessen Erlebnisse im 1. Weltkrieg.<img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=0141184590" alt="" width="1" height="1" border="0" /> Mit <a href="http://www.amazon.de/gp/product/349955416X/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=349955416X" target="_blank">Die Weiße Göttin</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=349955416X" alt="" width="1" height="1" border="0" /> zitiert Murray noch ein weiteres empfehlenswertes Buch dieses Schriftstellers.</p>
<p>Für Jugendliche und allen anderen, die noch mit der Schule leben, kann dieser Roman eine lohnende Lektüre sein. Denjenigen, die davon nichts mehr wissen wollen, seien die Bücher von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Graves" target="_blank">Robert Ranke-Graves</a> ans Herz gelegt.</p>
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		<title>Die Alters-Sex-Lüge</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Jan 2012 17:52:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Geschlechterbeziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualität]]></category>

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		<description><![CDATA[In “Der letzte Geschlechtsverkehr” beklagt Helke Sander die ungerechte Rollenverteilung „Für Leute in ihrem Alter gab es den Ausdruck „Jenseits von Gut und Böse“. Früher, vor noch nicht allzu langer Zeit, sagte man das schon von Vierzigjährigen.“ Die Filmemacherin und Autorin Helke Sander,„gebildete Mitteleuropäerin der Mittelklasse“ und „Teilnehmerin am sexuellen Aufbruch“, hat ein Buch über den letzten Geschlechtsverkehr und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>In “<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3888977282/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3888977282" target="_blank">Der letzte Geschlechtsverkehr</a>” beklagt Helke Sander die ungerechte Rollenverteilung</h3>
<p><em><a href="http://atalantes.de/wp-content/uploads/2012/01/Sander2.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2207" style="border-style: initial; border-color: initial; margin-top: 5px; margin-bottom: 5px; margin-left: 10px; margin-right: 10px; border-width: 0px;" title="Layout 1" src="http://atalantes.de/wp-content/uploads/2012/01/Sander2.jpg" alt="" width="108" height="160" /></a>„Für Leute in ihrem Alter gab es den Ausdruck „Jenseits von Gut und Böse“. Früher, vor noch nicht allzu langer Zeit, sagte man das schon von Vierzigjährigen.“</em></p>
<p>Die Filmemacherin und Autorin Helke Sander,<em>„gebildete Mitteleuropäerin der Mittelklasse“</em> und <em>„Teilnehmerin am sexuellen Aufbruch“</em>, hat ein Buch über den letzten Geschlechtsverkehr und andere Aussichten aufs Altern verfasst. Ihre jeweiligen Geschichten sind ebenso abwechslungsreich wie ihre Protagonistinnen. Diese sind auf der Suche nach Sex, lauschen Tantratönen, sinnieren über existentielle Einsamkeit und allmähliche Triebverflüchtigungen.</p>
<p>Die Heldin der ersten Geschichte arbeitet als Bibliothekarin. Sie möchte gerne einen Mann kennenlernen, was ihr im behauptet männerfernen Buchmilieu kaum gelingen will. Da nützen auch keine Lesungen über Schwarzwaldsurvival oder ähnliche vermeintlich männeraffine Themen. Sie greift in ihrer Not schließlich zum allerletzten Mittel und antwortet gänzlich unromantisch auf eine Annonce. Was dann geschieht, erzählt Sander kurzweilig und nicht ohne Selbstironie und zum Glück nicht ganz aus. Aber?</p>
<p>Wie es der Leseteufel will wurde mir einige Tage zuvor der Roman „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3596187494/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3596187494" target="_blank">Alte Liebe</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3596187494" alt="" width="1" height="1" border="0" />“ von Heidenreich und Schroeder zugesteckt. Auch hier leitet die Protagonistin eine Bücherei und organisiert Lesungen. Einen Mann hat sie zwar zu Hause sitzen, mit dem ist es aber nicht mehr sehr aufregend. Als die beiden ihre alte Liebe neu entdeckten,  war’s bambusblütengleich dann auch bald vollkommen aus und vorbei. Erstaunt hat mich die Häufung von Klischees in diesen beiden themennahen, aber in Stil und Anspruch doch sehr unterschiedlichen Werken.</p>
<p>Sander dringt tiefer in das Sujet ein. Ihr Hauptanliegen ist die Situation der älteren, meist alleinstehenden Frau, die versucht ihre nicht nur körperliche Einsamkeit zu bewältigen. Oft erinnern die neun Geschichten des 144 Seiten zählenden Bandes an die Fallbeispiele der Ratgeberliteratur. Verstärkt wird dies durch die meist nur mit Initialen bezeichneten Figuren. Die titelgebende Erzählung überzeugt mit einer differenzierten Sicht auf die von den Medien propagierte Anti-Aging-Sexualität und die Selbstbestimmung des Einzelnen. Doch nicht in allen Geschichten stehen diese Aspekte im Vordergrund.</p>
<p>Wir lesen auch von einer couragierten Alten, –sofort erscheint Inge Meysel in der Rolle-, die selbstbewusst und voller Chuzpe den Rollator-Rambo gibt. In einer der letzten Geschichten verbringen zwei alternde Hochschuldozenten ihre Erste Klasse Bahnfahrt bei Wein und Schummerlicht und beklagen die mangelnde Orthografiefestigkeit und sexuelle Abgeklärtheit ihrer Studenten. Früher war alles besser.</p>
<p>Vielleicht sind diesem kulturpessimistischen Credo auch die übrigen Beziehungsgeschichten geschuldet. Wie zu Zeiten der Frauenliteratur erzählen sie von gescheiterten Ehen und bindungsunfähigen Männern. Überhaupt die Männer, hier bleibt kein Klischee ungenannt. Besonders stört mich, die immer wieder auftauchende Unterstellung alle Männer über 50 würden sich von ihren gleichaltrigen Partnerinnen trennen und sich den schon begierig auf sie wartenden jungen Frischen zuwenden. Das hat weder etwas mit Frauenbewegung und schon gar nichts mit Frauensolidarität zu tun.</p>
<p>Nichtsdestotrotz habe ich Sanders Buch nicht ohne Vergnügen gelesen und dachte an die gute alte Zeit, als alle Männer noch per naturam unzulänglich waren.</p>
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		<title>Proust — Faubourg Saint-Germain</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 17:43:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
				<category><![CDATA[Proust]]></category>
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		<category><![CDATA[Guermantes]]></category>
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		<description><![CDATA[Hôtel de Guermantes Der dritte Band trägt den Titel „Guermantes“, den Namen des Adelsgeschlechts, dessen Herzogin der Erzähler einst als übernatürliche Erscheinung in der Kirche wahrgenommen hatte. Wir erinnern uns nur zu gut an die Wiedererweckung dieser Empfindung im ersten Band der Recherche. Anlass für diesen Rückblick bietet der Umzug der Familie in eine Wohnung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Hôtel de Guermantes</h3>
<p><a href="http://atalantes.de/wp-content/uploads/2012/01/Guermantes.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2171" style="border-style: initial; border-color: initial; margin-top: 5px; margin-bottom: 5px; margin-left: 10px; margin-right: 10px; border-width: 0px;" title="Guermantes" src="http://atalantes.de/wp-content/uploads/2012/01/Guermantes.jpg" alt="" width="98" height="160" /></a>Der dritte Band trägt den Titel „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518456431/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3518456431" target="_blank">Guermantes</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3518456431" alt="" width="1" height="1" border="0" />“, den Namen des Adelsgeschlechts, dessen Herzogin der Erzähler einst als übernatürliche Erscheinung in der Kirche wahrgenommen hatte. Wir erinnern uns nur zu gut an die Wiedererweckung dieser Empfindung im ersten Band der Recherche. Anlass für diesen Rückblick bietet der Umzug der Familie in eine Wohnung im Seitenflügel des Hôtel de Guermantes. Dieses im <a href="http://paris1900.lartnouveau.com/paris00/rues/le_bd_st_germain_1900.htm" target="_blank">Faubourg Saint-Germain</a> gelegene Stadtpalais weckt in Marcel vielfältige Erinnerungen. Sie kreisen um den Namen Guermantes, der die kaum bekannte Person in ein unerreichbares Idol verwandelte. Jetzt rückt sie in räumliche Nähe und gibt sich dadurch der Gefahr preis, ihren Zauber im Alltäglichen zu verlieren. Der Erzähler befürchtet die oft erfahrene Diskrepanz zwischen Vorstellung und Realität auch hier. Doch zunächst bleibt Madame de Guermantes eine Erinnerung, die den jungen Marcel mit synästhetischer Kraft nach Combray versetzt. Nicht nur die leuchtenden Farbspiele von Mauve bis Geranienrosa, die im Licht der Kirchenfenster Feuer fangen, auch die Luft Combrays in ihrer Frühlingsfrische und der unvergessliche Weißdornduft meint der Erzähler wahrzunehmen. Selbst die Tauben auf dem Dach scheinen als Boten des Kindheitsglücks direkt von dort nach Paris geflogen zu sein. Das ferne Schloß der Guermantes bei Combray mit all seinen Wandteppichen und wertvollem Interieur materialisiert sich in diesem Stadtpalais, in dem Handwerker und Putzmacher, kleine Geschäfte und Bürger angesiedelt sind. Durch den Umzug wird Marcel zwar nicht Teil der Welt der Guermantes, aber er rückt in die Nähe ihres Mysteriums. Die Neugier der Köchin Françoise, die in leutseligem Klatsch Kontakte knüpft, hilft ihm dabei. Zu diesem Zweck versetzt sich der Erzähler in die Welt Françoises, er beschreibt das Leben der Dienstboten, darunter mit köstlicher Ironie das sakrosankte Ritual der Mittagsmahlzeit, <em>„jene Art von feierlichem Passahmal (…), das niemand unterbrechen darf, eine heilige, „ihr Mittagessen“ genannte Handlung, S. 18“.</em></p>
<p><em></em>Gleichzeitig betont er die symbiotische Beziehung der Hausangestellten zur Familie des Erzählers, deren gesellschaftlichen Status sie auch für sich annimmt und den sie in der neuen Nachbarschaft gewahrt wissen möchte. Einen Verbündeten findet sie in Jupien, dem Westenmacher, dessen melancholisch blickende Augen seine Gesichtszüge dominieren. Man meint in dieser kleinen Charakterskizze ein Selbstporträt Prousts zu erkennen, <em>„…seine Augen, deren mitleidiger, verzweifelter und versunkener Blick gleichsam überquoll, unter gänzlicher Aufhebung des Eindrucks, den ohne ihn seine dicken Wangen und seine blühende Gesichtsfarbe gemacht hätten, den Gedanken aufkommen, er sei sehr krank oder soeben von einem schweren Trauerfall heimgesucht worden. Nicht nur konnte davon keine Rede sein, vielmehr wirkte er, sobald er sprach, in makelloser Weise übrigens, eher spöttisch und kalt.…Als Entsprechung vielleicht zu jener Überflutung seines Gesichts durch die Augen (…) stellte ich tatsächlich sehr bald bei ihm eine ungewöhnliche Intelligenz fest, zudem eine der natürlichsten literarisch geprägten, S. 23f.“</em></p>
<p>Die anfänglichen Befürchtungen, durch die Nähe könnte der Name Guermantes an Glanz verlieren erfüllt sich beinah als der Erzähler erfährt, daß es sich bei dem Palais nicht um einen altehrwürdigen Familiensitz handele, sondern um eine noch nicht allzu lange währende Mietsache. Doch als er hört, die Herzogin führe das eleganteste Haus im Faubourg Saint-Germain, hält er an seinem Ziel fest, eines Tages zum Salon de Guermantes geladen zu werden.</p>
<p>Dieser erste Abschnitt des dritten Bandes bietet einen Einblick in das Milieu eines vornehmen Pariser Wohnviertels, gespiegelt durch den Blick der Dienstboten, Angestellten und Handwerker, der, wenn auch ironisiert vieles von dem Selbstverständnis der jeweiligen Gruppe verrät. Nicht zuletzt zeigt er die noch immer bestehende Faszination, die der Adel auf das „gemeine“ Volk ausübte, man möchte hinzufügen, nicht nur damals, nicht nur dort.</p>
<p><em>„Offensichtlich ist die Verehrung des Adels, mit einem gewissen Geist der Auflehnung gemischt und auf ihn abgestimmt, dem Volk aus dem französischen Boden als Erbteil mitgegeben und wirkt kräftig weiter in ihm. Denn Françoise, zu der man über Napoleons Genialität oder über drahtlose Telegraphie sprechen konnte, ohne ihre Aufmerksamkeit zu erregen und ohne da sie auch nur einen Augenblick ihre Bewegungen verlangsamt hätte, während sie die Asche aus dem Kamin holte oder den Tisch deckte, brach, wenn ihr solche Besonderheiten zu Ohren kamen, wie daß der jüngste Sohn des Herzogs von Guermantes gewöhnlich Fürst von Oléron hieß, in die Worte aus: „Das ist aber schön!“ und blieb verzückt stehen wie vor einem farbigen Kirchenfenster, S. 43.“</em></p>
<p>Leider läßt sich nicht sagen, welches der vielen Pariser Stadtpalais Proust vor Augen hatte als er das Hôtel de Guermantes schuf. Es besitzt den Plan eines “<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hôtel_particulier_in_Paris" target="_blank">Hôtel particulier</a>”, eines mehrstöckigen Gebäudes, dessen Straßenfront über ein Portal Zugang zum Ehrenhof und den Seitenflügeln gewährt. Der Hauptwohntrakt, Corps de logis, mit der im ersten Stock gelegenen Etage noble schließt den Hof ab, dahinter liegt der Garten. Die Familie Proust lebte von 1871–1909 in einer Wohnung am <a href="http://www.dmpg.de/cpa/paris-pics.html" target="_blank">Boulevard Malesherbes</a> Nr. 9, auch dort befand sich die Schneiderei eines Westenmachers, so daß man geneigt ist auch das Palais Guermantes in dieser Gegend anzusiedeln. Rainer Moritz, der den schönen kleinen Band „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3458346929/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3458346929" target="_blank">Mit Proust durch Paris</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3458346929" alt="" width="1" height="1" border="0" />“ verfasst hat, bezweifelt dies jedoch und vermutet eine Lage auf der anderen Seite des Flußes im Faubourg Saint-Honoré.</p>
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		<title>Surreale Odyssee</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Jan 2012 18:01:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jean Cayrol „Im Bereich einer Nacht“ — Die Wiederentdeckung eines großen französischen Romans „Und was habe ich in diesem Winkel hier wiedergefunden? Eine verfallene Kindheit, eine niedergehauene Landschaft und über all dem eine wütende, rasende Nacht.“ Anlässlich des hundertsten Geburtstags von Jean Cayrol (1911–2005) hat der Schöffling-Verlag dessen Roman „Im Bereich einer Nacht“ neu aufgelegt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Jean Cayrol „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3895611654/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3895611654">Im Bereich einer Nacht</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3895611654" alt="" width="1" height="1" border="0" />“ — Die Wiederentdeckung eines großen französischen Romans</h3>
<p><em><a href="http://atalantes.de/wp-content/uploads/2012/01/cayrol.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2143" style="border-style: initial; border-color: initial; margin-top: 5px; margin-bottom: 5px; margin-left: 15px; margin-right: 15px; border-width: 0px;" title="cayrol" src="http://atalantes.de/wp-content/uploads/2012/01/cayrol.jpg" alt="" width="98" height="160" /></a>„Und was habe ich in diesem Winkel hier wiedergefunden? Eine verfallene Kindheit, eine niedergehauene Landschaft und über all dem eine wütende, rasende Nacht.“</em></p>
<p>Anlässlich des hundertsten Geburtstags von Jean Cayrol (1911–2005) hat der Schöffling-Verlag dessen Roman „Im Bereich einer Nacht“ neu aufgelegt, in der beeindruckenden Übersetzung durch Paul Celan.</p>
<p>Der dreißigjährige François ist aus Paris aufgebrochen um seinen Vater zu besuchen. Dieser wohnt in Sainte-Veyres, nach dem Krieg in Chauvigny umbenannt. Man ahnt gleich zu Beginn, daß sich nicht ein freudiges Wiedersehen mit dem Ort und den Personen der Kindheit anbahnt. François verlässt den Zug eine Station vor dem Ziel, um nicht von seinen Vater von Bahnhof abgeholt zu werden und so eine öffentliche Umarmung  zu vermeiden. Doch diesen Entschluss bereut er bald. So sehr ihm vor der Begegnung mit dem Vater graut, ängstigt ihn der Fußweg durch die graue, dunkelnde Herbstlandschaft. Er verlässt die Straße wissend sich in diesem <em>„Schierlings– und Brombeerreich“</em> heillos zu verlaufen.</p>
<p>Die Begegnung mit ein paar Jungs, die nach einen Schatz graben, lösen Erinnerungen an seine eigene, vom Glück weit entfernte Kindheit aus.</p>
<p><em>„Ich sah ein, daß es unmöglich war, aus eigenen Kräften glücklich zu werden: das war der kunstreich errungene Sieg meines Vaters, die harte Lektion einer knirschenden Mainacht.“</em></p>
<p>Weiter auf der Suche nach dem rechten Weg durch ein vom Krieg zerstörtes Dorf und seinen Wald, verfolgt von einem herrenlosen Hund, erinnert er sich an seinen letzten Besuch beim Vater, dem <em>„Überwitwer“</em>, der seinen beiden Kindern die Trauer um ihre Mutter verboten hatte.</p>
<p><em>„Arme Mutter, nie habe ich sie anders gekannt als angeschmiedet an ihren Tod. Vater hatte sie eingekerkert, eingesargt in einem unzugänglichen Kummer. Niemand durfte ihrer gedenken. Nur auf seinen Wink hin durften die Tränen fließen und die Seufzer laut werden. Er gehörte ihm und nur ihm allein, dieser Tod.“</em></p>
<p>Als einziger Lichtblick in dieser Herbstdämmerung voll schwarzer Melancholie erscheint François sein Glück mit Juliette. Er denkt an ihre erste Begegnung, an ihre bescheidene Wohnung in Paris, in der sie glücklich sein wollen, vor allem, weil sie nicht <em>„den anderen mit irgendwelchen alten Bindungen behelligen“</em>. Die Vergangenheit muss verdrängt werden, um glücklich leben zu können. <em>„Darf man den anderen Dinge aufbürden, die man selbst nicht mehr erträgt?“</em> François trägt nicht als Einziger eine solche Last mit sich, auch Juliette hat eine Erinnerung zu verschweigen. Deren Zeugen, die Briefe Fernands, könnte sie jedoch mit Leichtigkeit verbrennen. François hingegen holen seine Albträume an jedem Wegweiser ein. Seine einstigen Selbstmordgedanken, die auch den anderen Mitgliedern dieser unglücklichen Familie nicht fern lagen, und die todesnahe Atmosphäre, deren vorherrschendes Element die Angst war.</p>
<p><em>„Als Kind war ihm kaum etwas anderes beigebracht worden als Angst; eine Angst, der man mit keinerlei Argumenten, mit keinerlei Mut beikam.“</em> Früchte einer streng religiösen Erziehung. <em>„Dieses Frikassee von Teufeleien, das man uns täglich auftischte.“</em></p>
<p>Schließlich wird der mittlerweile von Kälte, Hunger und Erinnerungen zermürbte François von einer Autofahrerin aufgelesen. In deren Haus erhält er zwar ein wenig Wärme und einen Cognac, gerät aber zugleich in einen Streit zwischen Vater und Tochter, der ihn schnell seinen Weg fortsetzen lässt. Doch welchen?</p>
<p><em>„Es gibt immer zwei Wege nebeneinander, einen falschen und einen richtigen. Und Sie – Sie schlagen immer nur die Wege ein, von denen kein Mensch etwas wissen will. Der richtige Weg läuft an den Gleisen entlang. Sie rennen da auf Wegen herum, als ob Sie auf Amseln aus wären, wie die Kinder.“</em></p>
<p>François’ Weg zurück führt weiter durch seine Kindheit, die er gemeinsam mit seiner Schwester hinter verschlossenen Türen verbringen musste, nur einmal durften sie einen unbeschwerten Tag in Freiheit erleben. Da zeigt sich dem erwachsenen François plötzlich ein Licht in der Dunkelheit, er wähnt sich in Sicherheit, imaginiert eine <em>„anheimelnde, rege, heitere Wohnstätte“</em>, formuliert schon den Bericht seiner nächtlichen, unheimliche Irrfahrt an Juliette, als er beim Betreten des Hauses gefragt wird, ob er wegen des Toten komme. Voller Schreck, von abermaligen Erinnerungen überwältig, verliert er das Bewusstsein. Die Bewohner betten ihn auf ein Sofa und bieten ihm an über Nacht zu bleiben. Vom Nebenraum aus lauscht er den Gesprächen der Frauen, erfährt von ihrem Unglück und, daß der Tote nur zu Besuch war. Sein Unwohlsein lässt ihn in Fieberphantasien fallen, die seine Kindheit heraufbeschwören und ihn fragen lassen, ob der Tod seines Vaters ihn endgültig  befreien würde, ob er dann mit Juliette ein neues Leben anfangen könne oder ob er durch die Befreiung vom Verursacher seines Kindheitsunglücks gleichzeitig auch seine Kindheit selbst verlieren würde.</p>
<p>Wieder erwacht hört er die Schneiderin Raymonde und ihre Tochter Claire, später trifft Simon ein, und bringt Unfrieden in seine Familie. Eine Familie, die wie sich zeigen wird, schon längst zerstört ist. Auf dem Höhepunkt des Streites mit ihrem Vater Simon, flieht Claire aus dem Haus. François wird aufgefordert bei der Suche zu helfen. Diese gilt allerdings mehr dem teuren Hochzeitskleid, daß Claire zur Probe übergeworfen hatte, als dem jungen Mädchen selbst. François irrt wieder durch die Nacht und findet Claire schließlich in dem Haus, welches ihm als Knaben Zuflucht geboten hat. Das Haus des alten, lieben Lehrers Jean.</p>
<p>Die Lösung seiner Fragen und damit das Ende dieser Nacht erschließt sich ihm und damit auch dem Leser auf der vorletzten Seite des Romans.</p>
<p>Jean Cayrol beschreibt in seinem Werk die nächtliche Odyssee seines Protagonisten François zu einem Ziel, welches er eigentlich gar nicht erreichen will. Immer wieder unterbrechen Erinnerungen an die Schrecken seiner Kindheit die Suche. Fetzen, die sich nach und nach zusammen fügen. Daneben gibt es Gedanken an sein jetziges Leben, seine Liebe zu Juliette. Von ihrer Situation berichtet der Autor in zwei kurzen Kapiteln. Sie zeigen, wie auch sie von einer Erinnerung belastet wird.</p>
<p>Jean Cayrol schildert die Suche nach dem rechten Weg, der sich in einer vom Krieg traumatisierten Gesellschaft nur schwerlich finden lässt. Er führt durch zerstörte Orte und verwilderte Natur, vorbei an verfallenen Häusern und obskuren Begegnungen. Trotz seines bedrückenden Inhalts, fesselt der Roman, leicht und fließend formuliert. Mehrere Bewusstseinsströme kombinierend entwickelt Cayrol ein intensives Psychogramm des Protagonisten. Erfahrung und Phantasie, Fieber und Traum bilden die Wirklichkeit dieser dunklen Nacht der Erinnerung. So erzeugt dieser Roman, dem ich noch viele weitere Leser wünsche, einen ungeheuren Lesesog.</p>
<p>Im Nachwort würdigt die Romanistin Ursula Hennigfeld den Dichter und Verleger Jean Cayrol. Cayrol wurde als Mitglied der Résistance 1943 im Lager Mauthausen interniert, wo er den Mitinhaftierten Gedichte von Racine und Rimbaud, sowie eigene Werke vortrug. Diese erschienen 1997 unter dem Titel „Schattenalarm“. Seit 1949 war Cayrol verlegerisch tätig. 1973 wurde er Mitglied der Académie Goncourt.</p>
<p>In ihrer Analyse des Romans betont Hennigfeld dessen surrealistische Struktur, sowie die subtextualen Anspielungen auf die Erinnerungspolitik des französischen Staates. Cayrol hat in allen seinen Werken seine Erfahrungen mit Krieg und Shoah verarbeitet, diese aber immer im Literarischen belassen.</p>
<p>Die Freundschaft zwischen Jean Cayrol und Paul Celan, geprägt durch die gemeinsame Arbeit gegen das Vergessen, führte dazu, daß Cayrol Celan um die Übersetzung seines Buches bat. Welche dichterische Freiheit er ihm hierbei ließ, erläutert die Autorin.</p>
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		<title>Abschied von Onkel Paul</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 12:34:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Küchengespräche unter Schwestern in Gila Lustigers neuem Roman “Woran denkst du jetzt” „Sie hatte ein Geschick dafür entwickelt, sich von dem Sinn nicht behelligen zu lassen, und dass sie nach einer guten halben Stunde immer noch nicht herausgefunden hatte, worum es eigentlich ging, bereitete ihr Vergnügen.“ Der Leser verbringt womöglich mehr Zeit mit weniger Vergnügen, denn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Küchengespräche unter Schwestern in Gila Lustigers neuem Roman “<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3827010179/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3827010179" target="_blank">Woran denkst du jetzt</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3827010179" alt="" width="1" height="1" border="0" />”</h3>
<p><em><a href="http://atalantes.de/wp-content/uploads/2011/12/Lustiger.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2115" style="border-style: initial; border-color: initial; margin-top: 5px; margin-bottom: 5px; margin-left: 15px; margin-right: 15px; border-width: 0px;" title="Lustiger" src="http://atalantes.de/wp-content/uploads/2011/12/Lustiger.jpg" alt="" width="101" height="160" /></a>„Sie hatte ein Geschick dafür entwickelt, sich von dem Sinn nicht behelligen zu lassen, und dass sie nach einer guten halben Stunde immer noch nicht herausgefunden hatte, worum es eigentlich ging, bereitete ihr Vergnügen.“</em></p>
<p>Der Leser verbringt womöglich mehr Zeit mit weniger Vergnügen, denn er läuft langsam an dieser Roman, der in einer Nacht spielt, in der Nacht nach dem Tod von Onkel Paul. Seine beiden Nichten sind für diese Nacht in das Elternhaus zurückgekehrt. Dieses Haus hatte Paul vor Jahren seiner Schwester überlassen, als ihr Mann sie verließ und sie mit ihren beiden Töchtern eine Bleibe suchte. Onkel Paul war seitdem immer für sie da, in den letzten Monaten seines Krebsleidens hingegen kümmerten sie sich um ihn. Er wollte seine letzte Zeit mit ihnen verbringen, nicht mit seiner Frau, mit der er jahrzehntelang verheiratet war. Doch warum?</p>
<p>Dies ist eine der Fragen, die sich Lisa und ihrer Schwester Tanja in diesen Stunden stellen, den Stunden der Totenwache, die sie in der Küche des Hauses verbringen. Sie reden und streiten und stürzen sich mit dem ewigen „Woran denkst Du jetzt?“ in ihren eigenen Vergangenheitsfilm. Durch dieses alternierende Prinzip führt Gila Lustiger die jeweiligen Erinnerungen der unterschiedlichen Schwestern ein. So erlebt der Leser das Familiengeschehen einmal in der Analyse der Psychodramatherapeutin Lisa, dann aus der Sicht der pragmatischen Bankmanagerin Tanja. Lisa, das Empathiegenie, und Tanja, das Organisationstalent. Tanja, die sich ihre Probleme selbst macht und diese auch selbst lösen will. Lisa, die die Probleme anderer lösen möchte. Beide sind <em>„wahre Meisterinnen im Darüberhinwegkommen“</em> damals wie heute.</p>
<p>Nachdem Tanjas Zeit im Ausland sie auch innerlich voneinander entfernt hatte, scheinen die Schwestern sich in diesen Stunden wieder anzunähern. Doch sie reden nicht miteinander, sie sinnieren nebeneinander über ihr Leben. Vor allem darüber, welche Rolle Onkel Paul darin spielte. Dieser erscheint als dandyhafter Zampano, der immer genau wusste, was gut und richtig war, und sie mit opulenten Geschenken und Lebensweisheiten überhäufte. Die Erinnerungen entlarven ihn schließlich als Manipulator.</p>
<p>In dieser psychologisch nicht uninteressant konstruierten Familiengeschichte vermisst der Leser jedoch lange das Motiv. So folgt man über die Hälfte des Romans geduldig den Erinnerungen und, da immer noch kein Geheimnis in Sicht, beginnt man bald sich selbst eines herbei zu spinnen. Schließlich zeigt sich weder Missbrauch, noch Inzest sondern ein banaler Ehebruch als causa scribendi. Dieser bestimmt folgenreich das Beziehungsgeflecht der Personen bis zum Tode von Onkel Paul, den man vielleicht in zweifacher Hinsicht als Hauptschuldigen bezeichnen könnte. Er hatte einst den künftigen Ehemann seiner Schwester als Freund ins Haus gebracht und viele Jahre später die Ehe durch seine Indiskretion zerstört. Weitere Geständnisse folgen und erlauben den Schwestern zu verzeihen, sich selbst und einander, und schließlich auch den Tod ihres Onkels zu betrauern.</p>
<p>Leider verfolgt dieser Roman die Frage nach Schuld und Verantwortung nicht intensiver und endet hoffnungsvoll milde. Dabei erzählt Gila Lustiger ihre Geschichte eines Verrats in einem durchaus anspruchsvollen Konstrukt aus Gefühlen und Erinnerungen, was den großen psychologischen Reiz ausmacht.</p>
<p>Manches trübte jedoch mein Lesevergnügen. Der Autorin gelingt es nicht immer die beiden charakterlich doch so verschieden angelegten Schwestern deutlich voneinander abzugrenzen. Besonders in der wörtlichen Rede ist oft nicht eindeutig auszumachen, welche Person spricht. Noch störender empfinde ich die sehr umgangssprachliche Formulierung einiger Sätze, die dadurch oft unklar und missverständlich sind. Wenn man jedoch darüber hinweg zu lesen vermag, öffnen sich für den an familiären Konstellationen Interessierten intensive Einblicke in eine nicht immer einfache Schwesternbeziehung.</p>
<p>Zum Schluss noch eine Bemerkung zur Gestaltung. Die Fußzeile ist ziemlich breit, während die Kopfzeile und die Randbereiche sehr schmal bleiben, in Kombination mit dem weiten Zeilenabstand empfinde ich das als unschön. Inkonsequent wirkt, daß im ersten Kapitel die erinnerten Gedanken kursiv erscheinen, dies jedoch im Folgetext nicht weitergeführt wird. Dafür gibt es als hübschen und zugleich nützlichen Ausgleich ein bordeauxrotes Lesebändchen.</p>
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		<title>Mythos Kilimandscharo</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Dec 2011 19:03:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Koloniales Wettklettern Mit ihrem im Wagenbach-Verlag erschienenen Buch „Kilimandscharo“ legen die beiden Autoren, der Germanist und Historiker Christof Hamann und der Literaturwissenschaftler Alexander Honold die „deutsche Geschichte eines afrikanischen Berges“ vor. In zehn Kapiteln stellen sie die verschiedenen Aspekte der Faszination heraus, die dieser Berg von der Antike bis in die heutige Zeit ausübt. Wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Koloniales Wettklettern</h3>
<p><a href="http://atalantes.de/wp-content/uploads/2011/12/Kilimandscharo.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2086" style="border-style: initial; border-color: initial; margin-top: 5px; margin-bottom: 5px; margin-left: 10px; margin-right: 10px; border-width: 0px;" title="Kilimandscharo" src="http://atalantes.de/wp-content/uploads/2011/12/Kilimandscharo.jpg" alt="" width="109" height="160" /></a>Mit ihrem im Wagenbach-Verlag erschienenen Buch „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3803136342/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3803136342" target="_blank">Kilimandscharo</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3803136342" alt="" width="1" height="1" border="0" />“ legen die beiden Autoren, der Germanist und Historiker Christof Hamann und der Literaturwissenschaftler Alexander Honold die „deutsche Geschichte eines afrikanischen Berges“ vor.</p>
<p>In zehn Kapiteln stellen sie die verschiedenen Aspekte der Faszination heraus, die dieser Berg von der Antike bis in die heutige Zeit ausübt. Wie der Berg als Mikrokosmos verschiedenste Bedürfnisse vereint, Natur– und Selbsterfahrung, die Sehnsucht nach dem Ideal und die Abkehr von der Zivilisation zeigt das Anfangskapitel. Der symbolische Gehalt mythischer Bergphantasien, sei es nun der <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3893539727/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3893539727" target="_blank">Olymp</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3893539727" alt="" width="1" height="1" border="0" /> oder der <a href="http://www.emmet.de/hb_par.htm" target="_blank">Parnass</a>, der eine Sitz der Götter, der andere Hain der Musen, werden ebenso wie Dantes Läuterungsberg berücksichtigt. Die im 18. Jahrhundert sich ausbildende Stilisierung der Alpen zum <em>„Hochgebirge der Empfindsamkeit“</em> zeigen die Autoren anhand der Spuren von Albrecht von Haller und Jean-Jacques Rousseau. Als weitere Pioniere der Entdeckerlust bleiben selbstverständlich auch Francesco Petrarca und Alexander von Humboldt nicht ungenannt.</p>
<p>Das zweite Kapitel führt in die Vorgeschichte des <em>„Schneeberges“</em> ein. Mythen, aber auch geographische Beobachtungen, die in der antiken Überlieferung von Herodot bis Ptolemaios von Alexandria fassbar sind, werden einander gegenübergestellt und durch anekdotenhaft anmutende Berichte antiker Expeditionstrupps ergänzt.</p>
<p>Welche Rolle das Prestige eines Erstentdeckers gerade während des <em>„Run of Africa“</em> einnimmt zeigt das dritte Kapitel. Geographie wurde zwar weniger als Wissenschaft denn als Feuilletonthema wahrgenommen, dennoch war das Interesse gerade am unentdeckten afrikanischen Kontinent enorm. Mit Spannung verfolgte das deutsche Lesepublikum in zahlreichen Publikationen wie <em>„Die Gartenlaube“ und </em> <em>„Westermann’s Monatshefte“ </em>den Wettlauf zu den Quellen des Nigers. Beliebte Lektüre waren auch die Berichte deutscher und englischer Missionare, die auf ihren Wegen zu den „Ungläubigen“ bis in unbekannte Regionen vordrangen. So berichteten die Missionare Johannes Rebmann und sein Kollege Johann Ludwig Krapf über ihre Unternehmungen im Church Missionary Intelligenzer. Sie beschrieben als erste neuzeitliche Europäer einen Schneegipfel in Äquatornähe. Doch das trug den Missionaren mehr Spott als Anerkennung ein. Der englische Gelehrte William Deborough Cooley wirft ihnen überbordende Phantasie und Unprofessionalität vor und verwies hämisch auf die Kurzsichtigkeit der beiden Brillenträger.</p>
<p>Dass nicht nur geographische Neugier und religiöses Sendungsbewußtsein, sondern auch kolonialpolitischer Ehrgeiz bei der weiteren Erforschung Afrikas und insbesondere des Kilimandscharos eine Rolle spielten, schildern die Autoren im Folgenden. <em>„Die Besteigung des Schneeberges bleibt ein wichtiges wissenschaftliches und politisches Ziel“</em> (S. 66). Als sei die Erstbesteigung des Kilimandscharo–Gipfels Kibo eine Unterdisziplin im „Wettlauf um Afrika“. Neben den Deutschen Carl Claus von der Decken, Eduard Vogel und Gustav Adolf Fischer traten die Briten Joseph Thomson und Harry Johnston an. Alle scheiterten. Erst Hans Meyer und Ludwig Purtscheller erreichten 1889 im dritten Anlauf den Gipfel und machten ihn mit Deutscher Flagge und einem dreifachen Hurra zur Kaiser-Wilhelm-Spitze und damit zum höchsten Berg Deutschlands. In <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3865031463/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3865031463" target="_blank">Meyers Darstellungen</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3865031463" alt="" width="1" height="1" border="0" /> zeigt sich die große Faszination, die der Kilimandscharo ausübte, das schneebedeckte Hochgebirge in Äquatornähe, seine singuläre Erhebung in der Landschaft, der wolkenverhangene Gipfel und seine unterschiedlichen Klimate und Vegetationszonen. Wie die geschickte mediale Präsentation den Berg im fernen Afrika zu einem Symbol deutschen Nationalstolzes werden lässt, zeigen die Autoren in den nachfolgenden Kapiteln. Seien es nun die umfassende literarische Rezeption, unter denen Jules Vernes <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3257202415/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3257202415" target="_blank">Fünf Wochen im Ballon</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3257202415" alt="" width="1" height="1" border="0" /> das populärste Beispiel darstellen mag, oder die Auswirkungen auf die Werke der Bildenden Künste. Besonders deutsche Künstler trugen dazu bei, daß kolonialromantische Sehnsüchte noch lange nach Ende der kurzen deutschen Kolonialphase weiterlebten. Und das bis heute, wie Fernsehdramoletts vor der Kulisse des Kilimandscharo beweisen.</p>
<p>Die beiden Wissenschaftler, die sich selbst als Flachlandautoren bezeichnen, und doch mitunter bei gemeinsamen Bergwanderungen die Konzeption ihres Buches diskutierten, bieten vielfältige Aspekte des berühmtesten Berges Ostafrikas. Sie analysieren die koloniale Geschichte des Gipfels und werfen zudem einem Blick auf die kulturelle Bedeutung des Bergsteigens und die Motive der Akteure. Dem Leser öffnet sich so die historische aber auch die literarische Perspektive.</p>
<p>Zahlreiche Abbildungen und ein ebenso nützlich wie ausführlicher Anmerkungsapparat ergänzen diesen Band aus der schön gestalteten kulturgeschichtlichen Reihe des Wagenbach-Verlages.</p>
<p>Zur Rolle Rebmanns und Krapfs als erste europäische Schneegipfel-Boten sei folgende Begebenheit ergänzend erzählt. Es war nicht nur der Brite Beke, wie Hamann und Honold berichten, der die Aussagen von Rebmann und Krapf ernst nahm. Die in den neugegründeten geographischen Zeitschriften „Petermanns Mitteilungen“, Globus“, „Zeitschrift für allgemeine Erdkunde“ heiß diskutierten Schneeberge setzten die beiden derart in den Fokus, daß ihnen zu Beginn des Jahres 1851, wie Jochen Eber in seiner <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3501015445/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3501015445" target="_blank">Biographie über Krapf</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3501015445" alt="" width="1" height="1" border="0" /> berichtet, eine Audienz bei Friedrich-Wilhelm IV. gewährt wurde. Dort schilderten sie ihre Entdeckungen den preußischen Gelehrten Carl Ritter und Alexander von Humboldt, worauf sich letzterer „wie ein kleines Kind über ein neues Spielzeug“ gefreut haben soll (Eber, S. 148).</p>
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		<title>Zen oder die Kunst sich schweigend zu verlieben</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Nov 2011 17:18:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Prolog Um es vorweg zu sagen, dieser Autor begleitet schon seit langem mein Leseleben. Die Bekanntschaft begann mit der römischen Goethe-Historie „Faustinas Küsse“. Es folgten die übrigen dieser Trilogie, „Die Nacht des Don Juan“ und „Im Licht der Lagune“. Bis auf wenige Ausnahmen habe ich auch andere alte und neue Bücher Ortheils gelesen. So auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4><em>Prolog</em></h4>
<p>Um es vorweg zu sagen, dieser Autor begleitet schon seit langem mein Leseleben. Die Bekanntschaft begann mit der römischen Goethe-Historie „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3442724767/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3442724767" target="_blank">Faustinas Küsse</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3442724767" alt="" width="1" height="1" border="0" />“. Es folgten die übrigen dieser Trilogie, „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3442724783/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3442724783" target="_blank">Die Nacht des Don Juan</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3442724783" alt="" width="1" height="1" border="0" /><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3630873030" alt="" width="1" height="1" border="0" />“ und „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3442724775/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3442724775" target="_blank">Im Licht der Lagune</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3442724775" alt="" width="1" height="1" border="0" /><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3630873030" alt="" width="1" height="1" border="0" />“. Bis auf wenige Ausnahmen habe ich auch andere alte und neue Bücher Ortheils gelesen. So auch nach „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3442727995/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3442727995" target="_blank">Die große Liebe</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3442727995" alt="" width="1" height="1" border="0" />“ und „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3442738431/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3442738431" target="_blank">Das Verlangen nach Liebe</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3442738431" alt="" width="1" height="1" border="0" />“ den letzten Band seiner Liebestrilogie „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3630873030/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3630873030" target="_blank">Liebesnähe</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3630873030" alt="" width="1" height="1" border="0" /><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3630873030" alt="" width="1" height="1" border="0" />“.</p>
<p>Fast eben solange stellt sich mir die Frage, was mir an seinen Büchern denn nun so gefällt. Sicher ist es die Liebe zu Italien, vielleicht auch eine gewisse romantische Melancholie. Bisher war ich, abgesehen von einigen Eitelkeiten des erwachsenen Johannes in „<a href="http://atalantes.de/2010/10/dichtung-und-wahrheit/" target="_blank">Die Erfindung des Lebens</a>“ und von stärkeren Arroganzen in Ortheils <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3836301652/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3836301652" target="_blank">Romführer</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3836301652" alt="" width="1" height="1" border="0" /> immer angenehm angetan.</p>
<h3>Sich schweigend verlieben als Performance</h3>
<p><em><a href="http://atalantes.de/wp-content/uploads/2011/11/Liebesnähe.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2039" style="border-style: initial; border-color: initial; margin-top: 5px; margin-bottom: 5px; margin-left: 10px; margin-right: 10px; border-width: 0px;" title="Liebesnähe" src="http://atalantes.de/wp-content/uploads/2011/11/Liebesnähe.jpg" alt="" width="100" height="160" /></a>„Wer ist diese Schwimmerin“</em> mit diesem Notat läutet Hanns-Josef Ortheil ein, was der Titel seines neuen Romans „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3630873030/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3630873030" target="_blank">Liebesnähe</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3630873030" alt="" width="1" height="1" border="0" />“ bereits vorweg nimmt.</p>
<p>Behutsam entwickelt der Autor die Annäherung zweier sich zunächst unbekannter Einzelgänger, die anscheinend zufällig im alltagsfernen Milieu eines einsam gelegenen Luxushotels einander bemerken. Der Schriftsteller Johannes Kirchner und die Installations-Künstlerin Jule Danner vermeiden zunächst direkte Begegnungen und bevorzugen sich aus der Distanz zu entdecken. Kleine Botschaften, die Ahnungen bestätigen, gehen traditionell als Zettel oder modern als SMS hin und her und führen schließlich zum Gegenüber. Diese Bewegungen aufeinander zu werden äußerst vorsichtig ausgeführt, ein kunstvoller Balztanz, dessen Choreografie mal den Inszenierungen der Videokünstlerin mal den Einfällen des Schriftstellers folgt.</p>
<p>Nur eines findet niemals statt, das gesprochene Wort. Dieses richten beide jeweils separat an Katharina, die die kleine Buchhandlung des Hotels führt. Sie berät ihre Kunden nach deren Befindlichkeit und führt außer dieser Literaturtherapie nur Bücher im Sortiment, die ihr persönlich gut gefallen. Sie unterhält zu Beiden eine ganz besondere Beziehung, man könnte sie als mütterliche Freundin bezeichnen. Die Details der Personenkonstellation offenbart der Autor erst nach und nach langsam voranschreitend wie in einer Zen-Meditation. Überhaupt gibt es viel Japanisches. Literarische Inspiration bietet das <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3865390951/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3865390951" target="_blank">Kopfkissenbuch</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3865390951" alt="" width="1" height="1" border="0" /> der Sei Shōnagon. Japanische Trommeln und Bambusflöten, Kimono, Tusche, Tee und Kamasutra ergänzen das Ambiente.</p>
<p>Als wechselseitige Sicht seiner beiden Hauptpersonen komponiert Ortheil seinen Roman. Mal kommentiert Johannes, mal Jule ihr aufeinander Zugehen. Das so zweimal das Gleiche aus dem jeweils anderen Blickwinkel erzählt wird, macht den Reiz der Idee aus. Wenn jedoch Ereignisse wie die berühmte Performance der Künstlerin <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-70833867.html" target="_blank">Marina Abramović</a>, die als Vorlage für eine Begegnung dem Leser  mehrfach erklärt werden, wirkt dies redundant.</p>
<h4>Was ich an diesem Buch sehr mag</h4>
<p>Wie Hanns-Josef Ortheil genaue Wahrnehmung und Beschreibung in Sätze verwandelt. Er beherrscht diese Fähigkeit so gut, daß der Leser sich sofort in das Ambiente seiner Romane hineinversetzt fühlt. Landschaften und Räume, Natur und Interieur, Gaumen– und Lesefreuden stellt er auf diese Weise zum unmittelbaren Nachvollzug dar.</p>
<p>Wie rücksichtsvoll die Personen miteinander umgehen und wie empathisch Ortheil Gefühle zu schildern vermag.</p>
<p>Wie er die Lust und die Inspiratonskraft von einsamen Spaziergängen darstellt. Bewegung bewegt auch den Geist. Das mit sich Alleinsein lässt Raum für Kreativität.</p>
<p>Wie Natur und Kunst in ihren verschiedenen Formen miteinander in Einklang gebracht werden.</p>
<h4>Was ich an diesem Buch überhaupt nicht mag</h4>
<p>Wie die Wahl des Milieus das Geschehen weit über das normale Leben habt, ein eskapistischer Wunderort inmitten saftig grüner Almen, wo sogar Toastbrotscheiben stundenlang frisch geröstet bleiben.</p>
<p>Wie dadurch das Schlosshotel Elmau, unverkennbares Vorbild dieses Paradieses, als ein Ort irdischer Verheißungen beworben wird.</p>
<p>Wie die Rollenebenen gewahrt werden. Die Künstler bleiben weltfern. Die Hotelangestellten dienen als gute Geister und werden von oben herab charakterisiert. Die übrigen Gäste sind lästige Geräuschkulisse. Katharina vermittelt zwischen allen und die junge Empfangsdame des Hotels seufzt der großen Künstlerliebe in fremden Laken nach.</p>
<p>Wie bei manchen Beschreibungen doch des Guten zu viel geboten wird. Der starke, gelbe Urinstrahl zählt nicht zu den Dingen, von denen ich gerne lesen möchte.</p>
<p>Wie der Leser belehrt wird über die richtige Art Sekt zu trinken (Wasserglas), authentisch Campari zu genießen (ohne Eis, dafür randvoll), über gute Würste (insbesondere die Milzwurst), über das richtige Frühstück, richtiges Speisen, den richtigen Zeitpunkt zu arbeiten und mehr.</p>
<p>Wie der Autor sein Buchkonzept erklärt <em>„eine erotische und beinahe unerträgliche Spannung, die auf einer streng eingehaltenen Distanz der beiden Liebenden basiert“</em> (S. 129).</p>
<h4><em>Fazit</em></h4>
<h4><span class="Apple-style-span" style="font-weight: normal;">Weniger Eitelkeit wäre mir lieber gewesen und auch mehr Achtsamkeit. Damit nicht aus blondem Haar mit roten Spitzen am Ende blondes Haar mit roten Ansätzen wird, und aus einem hellgrünen Bademantel innerhalb von drei Seiten ein dunkelgrüner.</span></h4>
<p>So weit, so gut. Vielleicht kommt ja nochmal ein Roman wie „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3442736994/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3442736994" target="_blank">Hecke</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3442736994" alt="" width="1" height="1" border="0" />“ oder „<a href="http://atalantes.de/2011/01/wenn-der-vater-mit-dem-sohne/" target="_blank">Moselreise“</a> oder etwas Historisches.</p>
<p>Rätselhaft bleibt mir zuletzt noch die Abbildung auf dem Schutzumschlag. Die dunkelhaarige Schöne kann weder die blonde Jule noch die japanische Hofdame sein.</p>
<p>Wer ist die Dargestellte?</p>
<p> </p>
<div>
<p> </p>
</div>
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		<title>Resümäum-Jubilee</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Nov 2011 15:59:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwanzig Monate gibt es nun dieses Blog. Mir macht es immer noch Spaß. Wie es denen ergeht, die sich hierher verwirren, weiß ich nicht immer. Sie sind so schweigsam. Einige Besucher gestehen mir im realen Leben manchmal, daß es gefällt. Was sollten sie auch sonst sagen, wenn sie mir gegenüber stehen? Mein erster Amazonobolus ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwanzig Monate gibt es nun dieses Blog. Mir macht es immer noch Spaß.</p>
<p>Wie es denen ergeht, die sich hierher verwirren, weiß ich nicht immer. Sie sind so schweigsam. Einige Besucher gestehen mir im realen Leben manchmal, daß es gefällt. Was sollten sie auch sonst sagen, wenn sie mir gegenüber stehen?</p>
<p>Mein erster Amazonobolus ist ebenfalls vor ein paar Tagen eingetroffen. Wäre ich darauf angewiesen, könnte ich genau ein Buch pro Jahr besprechen. Aber das bin ich ja nicht, zum Glück. Zudem gibt es nette Verlage, die auf höfliche Anfrage ein Leseexemplar schicken. Genannt seien zu diesem Anlass besonders der Wagenbach-Verlag, weil er unübertroffen schnell ist und unbedingt auch der Berlin-Verlag, der sogar nachfragte, ob Bedarf da sei. Ist er, wenn auch nicht für alles. Weitere Titel kamen von Schöffling, Antje Kunstmann, Knesebeck, Eichborn, Heyne und dem Hanser Verlag. Einzig ein von mir angetickerter Riese bekannte offen, nichts an Blogger zu verschicken. Kann ich auch verstehen, bei manchem Weblog-Rezensenten geht ja die Puste bereits nach dem Klappentext aus. Von der Kondition der Schreiber könnte man sich allerdings mit einem kurzen Klick überzeugen.</p>
<p>Viel interessanter ist die Frage nach der meist besuchten Seite. Das war lange Zeit  ausgerechnet <a href="http://atalantes.de/2010/05/markus-zusak-die-bucherdiebin/" target="_blank">„Die Bücherdiebin“</a>. Ein Buch, welches mir nicht ganz so gut gefiel und mit dem ich mir aus diesem Grund einen kleinen <a href="http://atalantes.de/2010/05/die-beute-der-bucherdiebin/" target="_blank">Jux</a> erlaubte. Dieser erwies sich wiederrum als äußerst gefragt. Wer wollte nicht alles wissen, welche Bücher die Bücherdiebin erbeutet? Es entspann sich sogar eine kleine Diskussion, so daß aus Spaß dann plötzlich doch Ernst wurde. Soll ja passieren.</p>
<p>Übertroffen wurde die Klickquote dieses Artikels jedoch von <a href="http://atalantes.de/2011/02/tschick-und-maik-auf-lada-tour/" target="_blank">„Tschick“</a>. Liebe Schöler, die ihr nolens volens jetzt auch hier landen werdet, lest es doch selbst, das Buch. Es erscheint mir, im Vergleich zur “Versuchung des Pescara” eine wesentlich und in jeder Hinsicht angenehmere Aufgabe. In <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/im-gespraech-wolfgang-herrndorf-wann-hat-es-tschick-gemacht-herr-herrndorf-1576165.html" target="_blank">diesem Interview</a> vom 31.01.2011 stellte Kathrin Passig dem Autor Wolfgang Herrndorf die Frage, was er davon hielte, wenn sein Roman in 30 Jahren zum Schulstoff auserkoren sein werde. Dreißig Jahre? Suchanfragen von „Zusammenfassung“ bis „Interpretation“ künden anderes. Und noch eins, kopiert doch nicht einfach meinen Eintrag. Erstens ist er viel zu mickrig und zweitens kann euer Lehrer auch googeln. Oder wollt ihr Bundesminister werden? Dann will ich nichts gesagt haben.</p>
<p>Neueste Neuerungen sind nun endlich ein „Blogroll“, in dem sich nicht nur die Blogs befinden, die ich tatsächlich neben all’ den Büchern auch lese, sondern auch <a href="http://www.die-leselust.de/" target="_blank">„Die Leselust“</a>, in deren Forum es sich angeregt diskutieren lässt.</p>
<p>Diskutieren könnte man auch hier, die Kommentarfunktion steht immer allen offen, nur Dosenfleisch wird entsorgt.</p>
<p>Danke für den Besuch und nur Mut. <img src='http://atalantes.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> </p>
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		<title>Noch einen Tag und eine Nacht — Wortschatzbildung mit Fabio Volo</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Oct 2011 14:43:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gut zu lesen]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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		<category><![CDATA[Italienisch]]></category>
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		<description><![CDATA[“Il giorno in più” — Letteratura gallina di un galletto Ob dieses Buch mit dem deutschen Titel Noch ein Tag und eine Nacht hier auf meiner Seite einen Platz finden wird, habe ich mich lange gefragt. Es ist zwar kein Romanzo rosa, ein italienischer Heftchenroman, aber unbestreitbar ein Romanzo sentimentale. Giacomo, Turiner, Single um die 30, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>“<a href="http://www.amazon.de/gp/product/8804582138/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=8804582138">Il giorno in più</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8804582138" alt="" width="1" height="1" border="0" />” — Letteratura gallina di un galletto</h3>
<p><a href="http://atalantes.de/wp-content/uploads/2011/10/volo.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2006" style="border-style: initial; border-color: initial; margin-top: 5px; margin-bottom: 5px; margin-left: 15px; margin-right: 15px; border-width: 0px;" title="volo" src="http://atalantes.de/wp-content/uploads/2011/10/volo.jpg" alt="" width="105" height="160" /></a>Ob dieses Buch mit dem deutschen Titel <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3257240902/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3257240902">Noch ein Tag und eine Nacht</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3257240902" alt="" width="1" height="1" border="0" /> hier auf meiner Seite einen Platz finden wird, habe ich mich lange gefragt. Es ist zwar kein Romanzo rosa, ein italienischer Heftchenroman, aber unbestreitbar ein Romanzo sentimentale.</p>
<p>Giacomo, Turiner, Single um die 30, sieht eines Morgens eine Unbekannte in der S-Bahn. Er ist fasziniert, sie tauschen Blicke und ein Lächeln. Zu einem Kontakt kommt es jedoch nicht. Giacomo, der sonst schnell einen Spruch für eine Frau findet, ist sich selbst ein Rätsel. Auch die aufmunternden Ratschläge seiner Freundin Silvia ermutigen ihn nicht. So lebt er über Wochen für dieses stumme Rendezvous am Morgen, das nur einige Haltestellen dauert. Eines Tages jedoch spricht Sie ihn an, Michela. Und bei einem Kaffee in der Bar, stellt sich heraus, daß dieses erste Treffen wohl auch das letzte bleiben wird. Michela verlässt die Stadt, sie hat eine neue Arbeitsstelle in New York gefunden.</p>
<p>Was sich wie der kitschige und banale Plot einer Storia d’Amore anhört, erzählt Fabio Volo auf ungewöhnliche Weise und durchaus spannend. So kam ich rasch einige Seiten weiter und zu der Erkenntnis, daß das Buch mehr zu bieten hat. Giacomo erweist sich als Mann, der über sich selbst nachdenken und über Gefühle sprechen kann. Sonst wäre er auch kaum mit Silvia befreundet, einer einstigen Affäre, die sich aber bald in eine beste Freundin verwandelte. Die Beiden beraten sich gegenseitig in ihren Liebesquerelen, was neben allem Wahren und Allgemeinem auch amüsante Momente hat. Ernster und melancholischer wirken Giacomos Erinnerungen an die schwierige Beziehung seiner Eltern, und ebenso die Scham über einen kleinen Betrug unter Kindern. Wir wären nicht in Italien, gäbe es nicht auch eine Nonna. Von dieser geliebten Großmutter, deren Beine stärkere präkognitive Fähigkeiten haben als die Madonna, hat Giacomo Einiges zu erzählen.</p>
<p>Wie Giacomo und Michela ihr Rendezvous fortsetzen, sei hier nicht verraten. Nur soviel, wer plant sich in italienische Liebesabenteuer zu stürzen, ist am Ende des Buches für alle Situationen sprachlich präpariert.</p>
<p>Gedacht als leichte Lektüre, um mein Italienisch aufzupolieren, erwies sich Fabio Volos Romanzo als gut lesbare Unterhaltung. Und zudem als Lehrstück in kultureller Differenz, ist mir in meinem Leben als Frau und in meinem Leben als Leserin doch selten jemand begegnet, der so einfühlsam seine inneren Vorgänge schildert ohne seine vielfältigen Unzulänglichkeiten zu verbergen. Die Storia d’amore ist nicht glatt und oberflächlich, sondern wird durch oft skurrile Ansichten und Beobachtung gebrochen. Manchmal gibt es genrebedingt natürlich auch ein wenig Kitsch und Klischee.</p>
<p>Aber allen, die eine gefühlvolle Liebesgeschichte aus männlicher Sicht lesen wollen, sei dieser Roman empfohlen. Allen Italienischamateuren sowieso.</p>
<p>Wer hineinschnuppern möchte, lese <a href="http://www.librimondadori.it/web/mondadori/scheda-libro?isbn=978880458213" target="_blank">das erste Kapitel</a>. Wer keine Lust zu lesen hat, warte auf den <a href="http://ilgiornoinpiu.msn.it/" target="_blank">Film</a>, der in Italien im Dezember ins Kino kommt. Der Autor spielt übrigens die Hauptrolle.</p>
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