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	<title>Atalantes Historien</title>
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	<description>Literatur Geschichte</description>
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		<title>Von Pans Arkadien zu Pans Labyrinth</title>
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		<pubDate>Fri, 11 May 2012 15:42:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gut zu lesen]]></category>
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		<description><![CDATA[Wie die Manipulation eines Einzelnen zur manipulierten Gesellschaft führt zeigt Benjamin Stein in „Replay“ „Eine schöne Geschichte. Aber worauf, frage ich Mantana, willst du eigentlich hinaus? Auf nichts, antwortet er prompt. Aber das ist natürlich gelogen. Ich habe noch nie &#8230; <a href="http://atalantes.de/2012/05/von-pans-arkadien-zu-pans-labyrinth/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Wie die Manipulation eines Einzelnen zur manipulierten Gesellschaft führt zeigt Benjamin Stein in „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3406630057/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3406630057" target="_blank">Replay</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3406630057" alt="" width="1" height="1" border="0" />“</h3>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3406630057/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3406630057"><img class="alignleft" style="border-style: initial; border-color: initial; border-width: 0px; margin: 5px;" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&amp;Format=_SL160_&amp;ASIN=3406630057&amp;MarketPlace=DE&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;tag=atalanhistor-21&amp;ServiceVersion=20070822" alt="" width="101" height="160" border="0" /></a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3406630057" alt="" width="1" height="1" border="0" /></p>
<p><em>„Eine schöne Geschichte. Aber worauf, frage ich Mantana, willst du eigentlich hinaus? Auf nichts, antwortet er prompt. Aber das ist natürlich gelogen. Ich habe noch nie erlebt, dass er so weit ausgeholt hätte, ohne mir etwas Bestimmtes mitteilen zu wollen.“</em></p>
<p>Gleich zu Beginn begegnen wir ihm schon, Pan, dem Waldgott der griechischen Mythologie, der in seiner Gier <a href="http://arachne.uni-koeln.de/arachne/index.php?view[layout]=objekt_item&amp;search[constraints][objekt][searchSeriennummer]=13433" target="_blank">Ziegen</a>, <a href="http://www.digitalsculpture.org/pan-nymph/index01.html" target="_blank">Nymphen</a> und <a href="http://www.google.de/imgres?imgurl=http://www.theoi.com/image/S22.2Pan.jpg&amp;imgrefurl=http://www.theoi.com/Gallery/S22.2.html&amp;h=584&amp;w=337&amp;sz=28&amp;tbnid=MhekMVquC1zG1M:&amp;tbnh=90&amp;tbnw=52&amp;prev=/search%3Fq%3Dpan%2Bdaphnis%2Bstatue%26tbm%3Disch%26tbo%3Du&amp;zoom=1&amp;q=pan+daphnis+statue&amp;docid=qBnjxj2e4QGWQM&amp;sa=X&amp;ei=my2tT4yxEobTsgaUx42bDA&amp;ved=0CIUBEPUBMAk&amp;dur=3747" target="_blank">Knaben</a> bespringt, also alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Ed Rosen, der Protagonist von Benjamin Steins Utopie erblickt ihn zum ersten Mal in einer Kunstausstellung. Vielmehr erinnert er sich, wie er die Abbildung des triebhaften Naturgottes auf den Bildern des Künstlers Hayman bewunderte. Rosen bewegt sich während des ganzen Geschehens in seinen Erinnerungsbildern und stattet darüber Bericht ab. Erstaunt über die Leichtigkeit mit der sich selbst ein intelligenter Mensch manipulieren lässt, verfolgen wir seine Verwandlung. Aus dem äußerlich vernachlässigten, aber dennoch genialen Wissenschaftler wird nach einem Vorher-Nachher-Programm, das wahlweise dem Märchen oder einer Frauenzeitschrift entstammen könnte, ein fitnessgestählter Körper– oder besser Fußfixierter. Auch sein Hirn, welches seinem neuen Chef und Manipulator Mantana zunächst zur Entwicklung der allmachtverheißenden Technologie UniCom verhilft, verändert sich allmählich. Als Träger des UniCom, eines Implantats, das sowohl eigene Erinnerungen als auch die anderer Träger speichern und vernetzen kann, scheint Rosen allmählich die Kontrolle über sich und über die Unterscheidung zwischen realer und virtueller Welt zu verlieren.</p>
<p>Benjamin Stein schildert die Metamorphosen seines Helden auf sehr spannende Weise. Besonders die ersten beiden Drittel der Geschichte haben mir gut gefallen. Sie regen an sich mit verschiedenen Formen der Manipulation auseinander zu setzen, die gerade auch in den neuen Technologien verborgen liegen. Allerdings geht es nicht sehr in die Tiefe. Über psychologische und philosophische Wahrnehmungstheorien hätte ich gerne mehr erfahren. Die umständlichen technologischen Erklärungen hingegen haben mich etwas ermüdet. Nerds und Geeks werden sie erfreuen und diese Spezies wird sich wohl auch wie weiland bei Robert A. Wilsons und Robert Sheas <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499256541/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3499256541" target="_blank">Illuminatus-Trilogie</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3499256541" alt="" width="1" height="1" border="0" /> an den erotischen Szenen delektieren.</p>
<p>Alte und neue Mythen, Literatur– und Filmzitate sowie zahlreiche philosophische Verweise überschwemmen diesen schmalen Roman. Vielleicht regt er zur weiteren Lektüre an, meinetwegen auch in virtuellen Büchern.</p>
<p>Dem unterhaltsamen Roman fehlt es nicht an Ironie, wie die zahlreichen Seitenhiebe auf Lifestyler, Latte-Macchiato-Konsumenten und Dislike-Button-Betätiger zeigen.</p>
<p>Nur ob das pulsierende blaue Licht an den Schläfen der UniCom-Träger eine Hommage oder eine Verappleung sein soll, bleibt unklar. Mich erinnert es jedenfalls an mein kleines schlafendes MacBook.</p>
<address>Benjamin Stein, Replay, Beck Verlag, 1. Aufl. 2012</address>
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		<title>Ehen eines Empfindsamen</title>
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		<pubDate>Sat, 05 May 2012 21:04:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lauter Lob]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Biographie]]></category>
		<category><![CDATA[Hermann Hesse]]></category>
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		<description><![CDATA[Aufschlussreiche Beziehungsbiographie — „Hesses Frauen“ von Bärbel Reetz „Für den Künstler, überhaupt für den begabten Phantasiemenschen, ist die Ehe beinahe immer eine Enttäuschung. Im besten Fall ist es eine langsame, erträgliche, mit der man sich halt abfindet, aber es stirbt dabei, &#8230; <a href="http://atalantes.de/2012/05/ehen-eines-empfindsamen/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Aufschlussreiche Beziehungsbiographie — „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3458358242/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3458358242" target="_blank">Hesses Frauen</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3458358242" alt="" width="1" height="1" border="0" />“ von Bärbel Reetz</h3>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3458358242/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3458358242"><img class="alignleft" style="border-style: initial; border-color: initial; border-width: 0px; margin: 5px;" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&amp;Format=_SL160_&amp;ASIN=3458358242&amp;MarketPlace=DE&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;tag=atalanhistor-21&amp;ServiceVersion=20070822" alt="" width="99" height="160" border="0" /></a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3458358242" alt="" width="1" height="1" border="0" /><em>„Für den Künstler, überhaupt für den begabten Phantasiemenschen, ist die Ehe beinahe immer eine Enttäuschung. Im besten Fall ist es eine langsame, erträgliche, mit der man sich halt abfindet, aber es stirbt dabei, ohne viel Schmerzen, ein Stück Seele und Lebenskraft ab, und wir sind nachher ärmer, während wir nach dem Erleben eines echten großen Schmerzes eher reicher sind.“ Hermann Hesse, nach Reetz, S. 288.</em></p>
<p>Eine Jugend ohne Hermann Hesse ist denkbar aber unwahrscheinlich. Auch ich kann mich an die Lektüre von „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518367749/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3518367749">Narziß und Goldmund</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3518367749" alt="" width="1" height="1" border="0" />“ erinnern und verbinde damit gegenseitiges Vorlesen in einer eigentümlich schwärmerischen Stimmung, die mich seitdem kaum noch befallen hat. Viele Jahre später begegnete mir der Autor in seinem pietistischen Milieu, das mich aus historischen Gründen interessierte. Zu dieser Zeit las ich einige biographische Werke und wunderte mich oft über die Darstellung von Hesses erster Ehefrau Mia. Dass die psychisch Kranke eher unter ihrer Ehe als unter Neurosen oder Psychosen litt, schien sehr wahrscheinlich.</p>
<p>Bärbel Reetz liefert nun die Fakten. In gründlicher Recherche und Quellenarbeit hat sie Hermann Hesses Beziehungen zu seinen Frauen durchleuchtet und legt mit „Hesses Frauen“ eine spannend geschilderte Beziehungsbiographie vor. Der chronologische Aufbau folgt Hesses Ehen, 1904 mit Maria Bernoulli, 1924 mit Ruth Wenger und 1931 mit Ninon Dolbin. Auch die nicht offiziell Angetrauten, dennoch kaum als Geliebte zu bezeichnenden, finden Erwähnung, Elise, Julie Hellmann, Elisabeth La Roche, Elisabeth Rupp.</p>
<p>Frühe Biographen sparen Hesses Frauenbeziehungen aus oder lassen lediglich Maria/Mia, seine erste Frau und Mutter der drei gemeinsamen Söhne, in wenn auch fraglichem Licht erscheinen. Um vieles präziser analysiert Reetz gerade diese erste Ehe Hesses. Ist man zu Beginn schockiert über die anscheinende Gefühlskälte Hesses gegenüber seiner Frau und fast noch mehr gegenüber den von ihm als störend oder zumindest gleichgültig empfunden Kindern, so erlebt man am Ende des Buches, wie Hesse sich im Alter um so stärker Mia und seinen Söhnen zuwendet. Es war also wohl weniger eine Gefühlskälte als eine Gefühlsunterdrückung. Letztlich mag sie dem pietistischen Milieu seiner Kindheit und Jugend geschuldet sein, das ihn nachhaltig prägte.</p>
<p>Diese Schlussfolgerung klingt auch in Reetz’ Überlegungen zum Verhalten Hermann Hesses an. Beziehungen zu Frauen unterhielt er lieber aus der Distanz, zu viel Nähe empfand er als störend, von Erotik kaum eine Spur. Ein asketisches, fast einsiedlerisches Künstlerleben, in dem es durchaus regen Austausch mit Freunden und Geselligkeit gab. Aber immer wieder auch Rückzug und Flucht. Zuviel Nähe, auch erotische, muss er als bedrohlich empfunden haben. Umso mehr erstaunt es, daß sich Frauen von ihm angezogen fühlten. Vielleicht wird dies verständlich, wenn wir uns daran erinnern, daß Hesses Schriften vor allem im orientierungssuchenden Alter der Pubertät als Orte des Verstehens empfunden werden. Hesse als Menschenversteher, der diesen dann doch nicht allzu nahe kommen möchte?</p>
<p>Bärbel Reetz schildert wie er sich von seinen beiden späteren Frauen Ruth und Ninon, beide wesentlich jünger als er, geradezu eingefangen fühlte. Ein gefangener Vogel, der sich einem Käfig der Zweisamkeit verweigert, um das unabhängige Leben eines Einzelnen zu führen. Worauf auch beim Bewohnen eines gemeinsamen Hauses geachtet wird. Warum er sich trotzdem heiraten ließ, lässt sich aus den vielfältigen Angaben, die die Autorin harmonisch und schlüssig zu dieser Beziehungsbiographie komponiert, erahnen. Allen drei Frauen war gemeinsam, daß sie, jede auf ihre Weise, dem Dichter den schnöden Alltag und dessen banale Sorgen vom Leib hielten.</p>
<p>Bereits Mia macht sehr viele, zu viele Zugeständnisse. Ihre Bedürfnisse und die der Kinder sollten seiner künstlerischen Kreativität nicht im Wege stehen. Der an Meningitis erkrankte Martin wird kurzerhand in Pflege gegeben, damit er nicht die Dichterruhe störe. Dass Hesse dadurch erheblich die Gefühle Mias und seines Sohnes verletzt, scheint ihn nicht zu hemmen. Dies empört besonders, da er die meiste Zeit unterwegs ist. Er entzieht sich, lässt Mia alleine mit Arbeit und Sorgen und beschreibt ihr auf Postkarten, wie schön er es doch an seinen Reisezielen habe. Dass seine Frau schließlich nach langjährigem Ertragen dieser Zustände depressive Zusammenbrüche erleidet, verwundert nicht.</p>
<p>Gefangener Vogel, bemuttertes Kind, empfindlicher Hypochonder, insgesamt ist der Dichter kein einfacher Mensch. Sucht er in seinen Ehefrauen seine Mutter Marie Hesse? Die Tochter des Sprachforschers und Missionars Hermann Gundert und der von Calvinisten abstammenden Julie Dubois beschreibt Hugo Ball, der erster Biograph Hesses, als strenge kontrollierte Pietistin, die ihr Gefühlsleben und ihre Persönlichkeit der Verbreitung des Evangeliums unterordnete. Der schmale Weg führt ins Himmelreich, Genuss und Selbstverwirklichung liegen nicht an seiner Seite. Hesse versucht sich von diesem pietistischen Einfluss zu befreien, wir lesen dies in seinen Romanen. Unterstützung sucht er bei seinen Therapeuten Fraenkel, Lang und Nohl. Als seine Frau ebenfalls die Hilfe Nohls in Anspruch nimmt, zeigt er wenig Verständnis. Sie, die zur Bewältigung ihrer Probleme eigentlich seine Unterstützung benötigt hätte, bezeichnet er auch Jahre später als Wahnsinnige, die durch ihre Zustände die Ehe zerstört habe.</p>
<p>Ruth Wenger, eine reiche Bürgerstochter wird Hesses zweite Frau. Sie schwärmt für ihn seit dem Kennenlernen in Montagnola. Er versucht immer wieder sich ihr zu entziehen, bleibt aber schließlich in ihren Fängen haften. Nur zähmen lässt er sich keineswegs. Er wehrt sich vehement gegen alle Bürgerlichkeit, verweigert sich abermals dem Familien– und Zusammenleben. Ihren unerfüllten Kinderwunsch kompensiert Ruth mit einer Menagerie. Sie beklagt sich, weil Hesse sich weigert ein gemeinsames Leben zu führen, eine richtige Ehe. Und konstatiert, die ideale Partnerin müsse sehr stark oder hündisch sein.</p>
<p>Was Hesse von der Ferne liebt, meidet er in der Nähe. Verwandte oder Eheleute empfindet er als störend, zu Freunden pflegt er bessere Beziehungen. Er sei <em>„ein schlechter und ungeeigneter Verwandter, dagegen ein guter und treuer Freund“. HH, nach Reetz, S. 234.</em></p>
<p>Ninon Ausländer sendet als junges Mädchen nach der Lektüre von „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518188836/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3518188836" target="_blank">Peter Camenzind</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3518188836" alt="" width="1" height="1" border="0" />“ dem Autor einen begeisterten Brief. Hesse lässt den Briefkontakt zu, ein Treffen lehnt er jedoch ab. Nach Heirat mit Doblin und langen Jahren Wartezeit wird auch Ninon Frau Hesse. Sie hat ihr Idol erobert, doch seine Launen und Wutausbrüche wird auch sie ertragen lernen. Sie wohnen in den ersten Jahren gemeinsam in der Casa Camuzzi, aber in unterschiedlichen Zimmern auf unterschiedlichen Stockwerken in unterschiedlichen Flügeln. Zettelbotschaften regeln die spärliche Zweisamkeit. Ein Eheleben lässt sich das kaum nennen. Auch Ninon entzieht sich, folgt ihren kunsthistorischen und archäologischen Interessen auf Reisen rund ums Mittelmeer. Immerhin liest sie jeden Abend vor, bis zu seinem Tod aus 1447 Büchern.</p>
<p>Hesses Frauenbeziehungen bilden den Schwerpunkt des Buches, aber man erfährt bei der Lektüre vieles mehr. Reetz verknüpft die biographischen Details mit Schlüsselszenen und –figuren aus Hesses Romanen und erinnert an seinen lockeren Umgang mit Persönlichkeitsrechten. Den Mensch Hesse erleben wir in seinen Selbstzweifeln und seinen Problemen. Immer wieder brechen seine jähen Gefühle aus, denen die jeweiligen Begleiterinnen als Blitzableiter dienen müssen. Ihre unterstützende Wirksamkeit weiß er allerdings oft nicht zu würdigen.</p>
<p>Und doch ist er einem auch wieder sympathisch, der einsame Dichter, der sich fremd fühlt, gerade dann, wenn er unter Menschen ist, auf Lesereisen aus seinen Werken vorliest, um danach mit ansehen zu müssen <em>„wie sie Schnitzel und Blutwurst fressen und sitzt so fremd und entbehrlich dazwischen, daß einem das innerste Herz friert“, HH, nach Reetz, S. 286.</em></p>
<p>Mit „Hesses Frauen“ hat Bärbel Reetz eine aufschlußreiche Ergänzung zur Hesse-Biographie vorgelegt, die in Hesses 50. Todesjahrs daran erinnert, daß auch nobelpreistragende Dichter nur Menschen sind.</p>
<p>Erschienen ist der Titel als Insel Taschenbuch in besonderer Aufmachung. Originalzitate ergänzen als „Stimmen“ die Kapitel. Fotos, auch aus Privatarchiven der Hesse Nachfahren illustrieren den Textteil. Im Anhang bieten neben einer ausführlichen Zeittafel, Personen-, Literatur-, Quellen– und Inhaltsverzeichnis, weitere Erläuterungen Einblicke in die Recherchearbeit der Autorin.</p>
<address>Bärbel Reetz, Hesses Frauen, Insel Verlag, 1. Aufl. 2012</address>
<address> </address>
<p>Hingewiesen sei noch auf einen Auftritt der Autorin Bärbel Reetz in “<a href="http://www.swr.de/literatur-im-foyer/hermann-hesse-baier-haertling-schriftste/-/id=122518/nid=122518/did=9447244/138yrb7/index.html" target="_blank">Literatur im Foyer</a>”. Dort diskutiert sie unter der Leitung von Felicitas von Lovenberg mit Jo Baier, Peter Härtling und Heimo Schwilk über Hermann Hesse.</p>
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		<title>Wühlen im Gestrüpp der Vergangenheit</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Apr 2012 14:03:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In „Das Liebesspiel“ schreibt Dawn Tripp vom Scrabblespielen und Origamifalten „Scrabble.“…„Fünf Bedeutungen als Verb,“ sagte ich. „Vier, meine ich, als Substantiv. Kratzen und wühlen. Sich plagen, krabbeln und kritzeln. Gestrüpp kann es auch heißen – als Substantiv, wie gesagt. Aber &#8230; <a href="http://atalantes.de/2012/04/wuhlen-im-gestrupp-der-vergangenheit/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>In „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3716026638/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3716026638" target="_blank">Das Liebesspiel</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3716026638" alt="" width="1" height="1" border="0" />“ schreibt Dawn Tripp vom Scrabblespielen und Origamifalten</h3>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3716026638/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3716026638"><img class="alignleft" style="border-style: initial; border-color: initial; border-width: 0px; margin: 5px;" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&amp;Format=_SL160_&amp;ASIN=3716026638&amp;MarketPlace=DE&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;tag=atalanhistor-21&amp;ServiceVersion=20070822" alt="" width="102" height="160" border="0" /></a></p>
<p><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3716026638" alt="" width="1" height="1" border="0" /><em>„Scrabble.“…„Fünf Bedeutungen als Verb,“ sagte ich. „Vier, meine ich, als Substantiv. Kratzen und wühlen. Sich plagen, krabbeln und kritzeln. Gestrüpp kann es auch heißen – als Substantiv, wie gesagt. Aber das Spiel stand nicht als Bedeutung dabei.“</em></p>
<p>So wie man beim Scrabble vor einer Menge Buchstaben sitzt und angestrengt überlegt, wie man aus diesen ein einziges Wort komponieren kann, war auch der Versuch zum verwickelt konstruierten neuen Romans von Dawn Tripp eine Rezension zu verfassen nicht unanstrengend.</p>
<p>Dieses Buch erzählt die Geschichte der Frauen Ada und June, die sich aufgrund vergangener Ereignisse eigentlich hassen müssten, sich jedoch sehr nahe sind. Ada war einst die Geliebte von Junes Vater und der Grund, weshalb dieser sich von seiner Ehefrau trennte. Seine Tochter Jane sah er jedoch nach wie vor regelmäßig bis er 1957 eines Tages spurlos verschwand. Als fünf Jahre später beim Bau der neuen Straße ein Schädel mit Einschussloch entdeckt wird ist klar, daß Luce nie mehr auftauchen wird. Wer diese Mordtat verrichtet hat, scheint den Bewohnern des kleinen Ortes ebenso klar, Silas, der gewalttätige und eifersüchtige Ehemann Adas.</p>
<p>Dies ist die Ausgangslage der Geschichte, deren Haupthandlung im Jahr 2004 spielt. Ada und Jane sind nun zwei alte Damen, die sich wöchentlich zum Scrabblespiel treffen während ihre erwachsenen Kinder eigene Wege gehen. Die jüngste Tochter Junes, Marne, hat ihr Weg wieder nach Hause in eine kleine Provinzstadt Neuenglands geführt, widerwillig, strebt sie doch eher in die weite Welt. Aber das seltsam, verrückte Verhalten der Mutter weckte ihr Verantwortungsgefühl und den Wunsch für diese da zu sein. Nun sitzt sie in dem Küstenort, kellnert, rutscht in alte Rollenmuster und verliebt sich. Ausgerechnet in Ray, den Sohn Adas, für den sie schon als Teenager schwärmte.</p>
<p>Die beiden anderen Hauptpersonen des Romans, Ada und Jane, verbindet das Verschwinden Luces, die Verliebtheit ihrer beiden Kinder und weitere traumatische Ereignisse. Vielfältige Parallelen, die stets von Liebe und Verlust handeln.</p>
<p>Dies alles geschieht im sommerlichen Küstenlicht. Tripp erzeugt in stimmungsvollen Sätzen die Atmosphäre des Sommers, sie schildert die Landschaft, die Vegetation, das Wasser in bildhafter Poesie. Die Hitze auf der Haut sitzt man so am Meer oder auf dem Pick-up, ist bei der Heuernte oder harpuniert einen Schwertfisch, faltet Hunderte von Origamivögeln, spielt Minigolf oder doch meist Scrabble. Wobei man stets versucht ist, aus den im Spiel gelegten Worten die Gründe des Geschehens zu deuten. Weitere Hinweise lassen sich aus den literarischen Einsprengseln lesen. Zitiert werden Fragmente aus „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3596113628/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3596113628" target="_blank">Windabgeworfenes Licht“</a> von <img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3596113628" alt="" width="1" height="1" border="0" />Dylan Thomas, <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518380672/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3518380672" target="_blank">Gedichte</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3518380672" alt="" width="1" height="1" border="0" /> von T.S. Eliot und <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3458350462/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3458350462" target="_blank">W. H. Auden</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3458350462" alt="" width="1" height="1" border="0" />. Als Buch im Buch erhält „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3934719074/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3934719074" target="_blank">Geheimnis des Lichtes</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3934719074" alt="" width="1" height="1" border="0" />“ von Walter Russell eine besondere Rolle.</p>
<p>„<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3716026638/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3716026638" target="_blank">Das Liebesspiel</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3716026638" alt="" width="1" height="1" border="0" />“, im Original „Game of Secrets“, dessen Titel mit „Scrabble“ doch viel treffender gewählt wäre, weist eine überbordende Fülle von Details auf, die bisweilen ins Leere laufen. Trotzdem habe ich diesen spannungsreichen und gleichzeitig poetisch melancholischen Roman sehr gerne gelesen.</p>
<p>Ein besonderes Augenmerk sei auf seine Konstruktion gerichtet. Die Autorin komponiert ihn aus mehreren Stimmen. Wir vernehmen vorwiegend, in jeweiligen Kapiteln separiert, June und Marne, die im Jahr 2004 ihre Sicht der Dinge schildern. Janes Gedanken verfolgt der Leser stets beim Scrabblespiel mit Ada. Marne schildert ihre Annäherung an Ray. Weitere Kapitel spielen 1962, dem Jahr in dem sich vieles änderte. Die neue Straße wird gebaut, die siebzehnjährige Jane verliebt sich, und auch Huck, der vierzehnjährige Junge Adas wird zum Akteur. Zwei Kapitel lässt Tripp im Jahr 1957 spielen. Zudem ist der Roman in sieben titeltragende Teile gegliedert. Diesen Aufbau erwähne ich hier so explizit, weil auch die Autorin Wert auf präzise Angaben legt. Jedes Kapitel verzeichnet zu Beginn Protagonist und Zeitraum, manchmal sogar die genaue Uhrzeit. Dies mag zur Orientierung nützlich sein, wird allerdings besonders, wenn in diesen Kapiteln abermals Rückblicke stattfinden, obsolet. Der Romanaufbau wirkt dadurch überstrukturiert. Auch ohne die überbordende Zahl an Romanteilen, Kapitelüberschriften und Personenangaben hätte die Leserin gut in die Geschichte hineingefunden, denn Dawn Tripp beherrscht das spannende Erzählen. Sie lässt ihre Protagonisten nicht nur beim Scrabble suchen, sondern sie wühlen im Gestrüpp der vergangenen Unaussprechlichkeit solange bis alle Worte auf dem Tisch sind.</p>
<p> </p>
<address>Dawn Tripp, Das Liebesspiel, übers. v. Andrea Fischer, Arche Literatur Verlag, 1. Aufl. 2012</address>
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		<title>Skandinavisches Schweigen</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Apr 2012 17:04:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Über einen Sommer des Abschieds schreibt Per Petterson in “Pferde stehlen” Einsame Spaziergänge in der Natur befördern oft den Gedankenfluss und die darin auftauchenden Erinnerungen. So auch bei Trond, dessen Tage durch regelmäßige Runden mit dem Hund Lyra strukturiert sind. &#8230; <a href="http://atalantes.de/2012/04/skandinavisches-schweigen/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Über einen Sommer des Abschieds schreibt Per Petterson in “<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3596175186/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3596175186" target="_blank">Pferde stehlen</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3596175186" alt="" width="1" height="1" border="0" />”</h3>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3596175186/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3596175186"><img class="alignleft" style="border-style: initial; border-color: initial; border-width: 0px; margin: 5px;" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&amp;Format=_SL160_&amp;ASIN=3596175186&amp;MarketPlace=DE&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;tag=atalanhistor-21&amp;ServiceVersion=20070822" alt="" width="103" height="160" border="0" /></a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3596175186" alt="" width="1" height="1" border="0" />Einsame Spaziergänge in der Natur befördern oft den Gedankenfluss und die darin auftauchenden Erinnerungen. So auch bei Trond, dessen Tage durch regelmäßige Runden mit dem Hund Lyra strukturiert sind. Trond lebte schon an vielen Orten, nun hat er sich mit 67 Jahren in eine alte Hütte am See zurückgezogen. Ein kleiner Fluss, der manchmal Forellen führt, mündet in diesen. Dort liegt gerade noch in Blickweite die nächste Hütte dieser einsamen Gegend. Die beiden Nachbarn haben einiges gemein, Alter, Hunde, Natur und Einsamkeit. Und noch mehr.</p>
<p>Im Lauf der Geschichte stellt sich heraus, daß sie sich in ihrer Kindheit kannten. Sommererinnerungen an ein kleines norwegisches Dorf an der schwedischen Grenze und ihre Beziehungen zu den wenigen Bewohner verbinden sie. Doch wollen sie sich daran erinnern? Bis auf eine knappe Verständigung über das gegenseitige Wiedererkennen und dem Erstaunen ausgerechnet in dieser Einöde nun zu Nachbarn geworden zu sein, findet zunächst keine Kommunikation über das Vergangene statt.</p>
<p>Trond bleibt mit seinen ungesuchten Erinnerungen alleine. Durch diese erlebt er noch einmal den Sommer von einst, in dem sich so viel veränderte. Trond war fünfzehn und verbrachte wie schon oft die Sommerferien mit seinem Vater. Er streunte mit dem Nachbarsjungen durch die Gegend, half bei der Landarbeit und beim Holzmachen. Doch es gibt auch schmerzhafte Erinnerungen, zu denen besonders das Ende der unbeschwerten Kindheit zählt.</p>
<p>Verlust und Abschied prägten den Sommer des Fünfzehnjährigen. Als Erwachsener lebt er ein erfolgreiches Lebens, nicht nur in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht, sondern auch erfolgreich im Versuch zu Vergessen. Erst die Begegnung mit Lars führt ihn wieder zu den ungeklärten Fragen.</p>
<p>Dem norwegischen Autor Per Petterson gelingen bildhafte, ruhige Naturdarstellungen, die den Leser sofort in den Sommer Norwegens versetzen. Das Aufgehen und die Befriedigung in landwirtschaftlicher Arbeiten erinnert an eines der schönsten <a href="http://www.uni-ulm.de/in/psy-paed/professuren/sozialpsychologie/forschung/flow-erleben.html" target="_blank">Flowerlebnisse</a> der Weltliteratur in “<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3423139951/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3423139951" target="_blank">Anna Karenina</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3423139951" alt="" width="1" height="1" border="0" />”. Als weitere literarische Vorbilder, neben Tolstoi, führt Petterson <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3458357793/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3458357793" target="_blank">Dickens</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3458357793" alt="" width="1" height="1" border="0" /> und <a href="http://www.literaturdetektiv.de/arthur-rimbaud.html" target="_blank">Rimbaud</a> an.</p>
<p>Durch die Erinnerungen, die sich im Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart entwickeln, entsteht eine sich ständig steigernde Spannung. Aber gerade diese Spannung, die Petterson so subtil aufbaut, löst der Autor nicht ein. So bleiben viele Fragen offen. Innere Vorgänge werden kaum benannt, Motive und Verhältnisse bleiben unklar. Über allem liegt Schweigen, skandinavisches Schweigen. Stille, nach der Trond sich sein ganzes Leben lang sehnte.</p>
<address>Per Petterson, Pferde stehlen,  übersetzt v. Ina Kronenberger, Fischer Taschenbuch Verlag, 6. Aufl. 2008</address>
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		<title>Vom Raum mit Riss zum Raum der Freundschaft</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Apr 2012 16:34:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Ich nannte ihn Krawatte“ Milena Michiko Flasar erzählt von Formen der Ausgrenzung „Unsere Freundschaft war der größere Raum, in den ich eingetreten war. Seine Wände hatte ich mit den Bildern derer tapeziert, von denen wir einander erzählt hatten.…“ Eigentlich wollte &#8230; <a href="http://atalantes.de/2012/04/vom-raum-mit-riss-zum-raum-der-freundschaft/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>„<a href="http://www.amazon.de/gp/product/380313241X/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=380313241X" target="_blank">Ich nannte ihn Krawatte</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=380313241X" alt="" width="1" height="1" border="0" />“ Milena Michiko Flasar erzählt von Formen der Ausgrenzung</h3>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/380313241X/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=380313241X"><img class="alignleft" style="border-style: initial; border-color: initial; border-width: 0px; margin: 5px;" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&amp;Format=_SL160_&amp;ASIN=380313241X&amp;MarketPlace=DE&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;tag=atalanhistor-21&amp;ServiceVersion=20070822" alt="" width="100" height="160" border="0" /></a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=380313241X" alt="" width="1" height="1" border="0" /><em>„Unsere Freundschaft war der größere Raum, in den ich eingetreten war. Seine Wände hatte ich mit den Bildern derer tapeziert, von denen wir einander erzählt hatten.…“</em></p>
<p><em></em>Eigentlich wollte ich diesen Band aus dem <a href="http://www.wagenbach.de/buecher/soeben-erschienen/titel/836--ich-nannte-ihn-krawatte.html" target="_blank">Wagenbach-Verlag</a> zunächst nicht lesen. Die Japanbegeisterung ist meine Sache nicht und die Koi-Karpfen auf dem Titel schienen klischeehafte Vorstellungen bestens zu bedienen. Doch die Begeisterung, die ich sowohl in <a href="http://buzzaldrins.wordpress.com/2012/02/17/ich-nannte-ihn-krawatte-milena-michiko-flasar/" target="_blank">Buzzaldrins Blog</a> wie auch bei der <a href="http://forum.die-leselust.de/viewtopic.php?f=5&amp;t=4988" target="_blank">Leselust</a> fand, machte mich neugierig. Vor allem darauf, inwiefern das japanische Phänomen der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hikikomori" target="_blank">Hikikomori</a> übertragbar auf europäische Gesellschaftserscheinungen sei. Die in Wien lebende Autorin, Tochter einer Japanerin und eines Österreichers, gibt in ihrem Roman auf diese Frage eine Antwort.</p>
<p>Sie erzählt darin von Hiro, einem jungen Mann, der seit zwei Jahren sein Zimmer im Haus der Eltern nicht verlassen hat. Aus Ekel vor der Welt, vor den Anderen und vor allem vor sich selbst verweigert er sich allem. Auch der Ablenkung. Er will für sich sein, niemandem begegnen, keinem Blickkontakt ausgesetzt sein. Sein einziger einsamer Blick fällt auf einen Riss in der Wand. <em>„Hinter geschlossenen Augen hatte ich seine gebrochene Linie nachgezeichnet. Sie war in meinem Kopf gewesen, hatte sich darin fortgesetzt, war mir ins Herz und die Adern eingegangen.“</em></p>
<p>Eines Tages wagt er sich dennoch hinaus, druchbricht den selbstgeschmiedeten Käfig und schafft es bis in den Park. Dort auf der Bank bei der Zeder, wo er einst als kleines Kind neben seiner Mutter saß, dort hält er sie aus, die Blicke und Anblicke der Anderen. Kaum erträglich wird es ihm jedoch als die Bank gegenüber von einem Geschäftsmann, einem dieser Krawattenträger, besetzt wird. Dessen Seufzen entlarvt ihn als Lebensmüden, Hiro duldet das Gegenüber eines Gleichgesinnten. Tag für Tag verbringen sie dort auf den Bänken. Vom scheu zugenickten Gruß bis zu gegenseitigen Geständnissen entsteht schließlich Nähe. Sie, die an der Erwartungshaltung der Anderen und ihrer eigenen fast zu Grunde gegangen wären, kommen ins Gespräch und erleben wie ihre Begegnung zu Veränderungen führt. Ihre Erfahrungen mit dem Anderssein, dem inneren, dem sozialen, dem physischen, bedingen das Verhalten. Sie sind alle Hikikomori, denkt Hiro an einer Stelle. Zu viele wählen den Rückzug, den verdeckten, den zeitweisen oder den finalen.</p>
<p>Trotz der Thematisierung der Vereinzelung in unserer Gesellschaft, die vielleicht für die japanische noch stärker gelten mag, aber mir trotzdem universal erscheint, hat Flasar kein bedrückendes Buch geschrieben. In ihrer klaren Sprache schildert sie unpathetisch und in prägnanten Sätzen wie Freundschaft entsteht. In kurzen Kapiteln, die uns die Erinnerungsmomente der beiden Protagonisten näher bringen, begegnen wir dieser Annäherung. Der schmale aber schöne Roman endet mit dem ANFANG, dorthin kehrt man gerne noch einmal zurück um abermals dieses Buch voll wahrer Sätze zu lesen.</p>
<p> </p>
<address>Milena Michiko Flasar, Ich nannte ihn Krawatte, Verlag Klaus Wagenbach, 1. Aufl. 2012</address>
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		<title>Le secret de maman</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Apr 2012 13:14:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hélène Grémillon enthüllt in “Das geheime Prinzip der Liebe” Müttergeheimnisse Leihmutterschaft ist kein modernes Phänomen. Vor der Entwicklung der In-Vitro-Technik fand die Befruchtung auf natürlichem Wege statt. Die Leihmutter war identisch mit der leiblichen Mutter, lediglich der Mann des Kinderwunschpaares gab &#8230; <a href="http://atalantes.de/2012/04/le-secret-de-maman/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Hélène Grémillon enthüllt in “<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3455400965/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3455400965">Das geheime Prinzip der Liebe</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3455400965" alt="" width="1" height="1" border="0" />” Müttergeheimnisse</h3>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3455400965/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3455400965"><img class="alignleft" style="border-style: initial; border-color: initial; border-width: 0px; margin: 5px;" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&amp;Format=_SL160_&amp;ASIN=3455400965&amp;MarketPlace=DE&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;tag=atalanhistor-21&amp;ServiceVersion=20070822" alt="" width="98" height="160" border="0" /></a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3455400965" alt="" width="1" height="1" border="0" />Leihmutterschaft ist kein modernes Phänomen. Vor der Entwicklung der In-Vitro-Technik fand die Befruchtung auf natürlichem Wege statt. Die Leihmutter war identisch mit der leiblichen Mutter, lediglich der Mann des Kinderwunschpaares gab seine Erbanlagen weiter. Da der austragenden Frau ihre Mühen gut bezahlt wurden, fanden sich für derartige Abkommen vor allem Angehörige der unteren Schichten bereit.</p>
<p>Friedrich Hebbel thematisiert einen solchen Vorgang und dessen Konflikt in seinem 1857 entstandenen dramatischen Gedicht „<a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/2644/1" target="_blank">Mutter und Kind</a>“. Hélène Grémillon, die Autorin von „Das geheime Prinzip der Liebe“, verlegt ihn ins Frankreich des Jahres 1939.</p>
<p>Wie der deutsche Titel des Romans in größter Klarheit sagt, handelt er vor allem von der Liebe. Doch nicht nur von der manchmal großen und oft nicht einzigen zwischen einem Paar, sondern<span id="more-2531"></span> auch von Mutterliebe und Elternliebe, durchkonjugiert in ihren verschiedensten Facetten.</p>
<p>Die eigentliche Geschichte beginnt 1975 in Paris. Eine nicht mehr ganz junge Frau, deren Mutter vor wenigen Tagen verstorben ist, erhält anonyme Briefe. Da sie als Lektorin tätig ist deutet sie diese zunächst als Versuch ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Dennoch liest sie gebannt die Geschichte von Annie, der großen Liebe des Erzählers. Annie hatte sich einst bereit erklärt, dem befreundeten, reichen Ehepaar Elisabeth und Paul, ein Kind zu „schenken“. Die Konflikte, die sich aus dieser leichtfertigen Zusage für die drei unmittelbar Beteiligten, aber auch für Louis, den Briefeschreiber, ergeben, fesseln Camille. Allmählich scheint ihr eine persönliche Verwicklung wahrscheinlich. Die kurzen Passagen zwischen den Berichten Louis’ schildern, wie diese Camille immer stärker verunsichern. Schließlich versucht sie anhand weniger Anhaltspunkte die Authentizität des Geschilderten zu überprüfen. Sie begibt sich auf Spurensuche nach dem Ort <a href="http://www.museedupaysduder.com/index_1.html" target="_blank">Nuisement</a> und einer dem Heiligen Rochus geweihten Holzkirche.</p>
<p>Diese Einschübe steigern die Spannung  und lassen den Leser die Lösung des Rätsels mit verfolgen. Die Briefe selbst, einmal aus den Erinnerungen Louis, dann aus denen Elisabeths bestehend, zeigen die verschiedenen Beweggründe der Protagonisten. Gekonnt gelingt es Grémillon durch diese unterschiedlichen Blickwinkel einmal getroffene Bewertungen und Schlüsse wieder in Frage zu stellen. Diese Erzählkonstruktion macht den Roman zu einer unterhaltsamen, niemals flachen Lektüre. Trotzdem sind auch einige Mängel zu verzeichnen. Die Personen bleiben ohne eigenen starken Charakter. Sie wirken manchmal, vielleicht bedingt durch die Berichtform, wie Marionetten des spannungsreichen Plots. Auch das Zeitkolorit wird leider nicht besonders bunt ausgeführt und erliegt immer dann dem Klischee, wenn das Dienstmädchen sich plötzlich als Jüdin erweist und deportiert wird, oder wenn es in Paris Bordelle gibt, die wie Kunstgalerien wirken. Von dem unvermittelt erwähnten, vollkommen ohne Motiv in die Handlung eingebauten Alberto Giacometti, ganz zu schweigen.</p>
<p>Doch wer gerne in einem schicksalsreichen Liebesroman versinkt, der den Dramen gewisser Damenromane in nichts nachsteht, jedoch handwerklich ungleich besser gemacht ist, und wen der unglaubliche Karriereweg von Annie nicht zu erschüttern vermag, der lese dieses Buch.</p>
<p> </p>
<p>Für ihr Debüt, das 2010 unter dem sehr viel passenderen Titel „Le confident“ in Frankreich erschienen ist, erhielt Grémillon bereits <a href="http://www.prix-litteraires.net/detail_prix_auteur.php?auteur=4906_Helene_Gremillon" target="_blank">fünf Auszeichnungen</a>, unter anderem den Prix Roblès.</p>
<p> </p>
<address>Hélène Grémillon, Das geheime Prinzip der Liebe, übers. v. Claudia Steinitz, Hoffmann und Campe, 1. Auflage 2012.</address>
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		<title>Über das Packen von Koffern, das Potential von Staubmäusen und das Sortieren von Büchern</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Mar 2012 10:37:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jens Sparschuh warnt “Im Kasten” vor den Gefahren der Ordnung Die Welt des Hannes Felix, der für die optimale Ordnung alles Seins lebt, wird vom Chaos bedroht. Seine Frau Monika ist im Begriff ihn zu verlassen. Er steht vor einem &#8230; <a href="http://atalantes.de/2012/03/uber-das-packen-von-koffern-das-potential-von-staubmausen-und-das-sortieren-von-buchern/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Jens Sparschuh warnt “<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3462044176/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3462044176">Im Kasten</a>” vor den Gefahren der Ordnung</h3>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3462044176/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3462044176"><img class="alignleft" style="border-style: initial; border-color: initial; border-width: 0px; margin: 5px;" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&amp;Format=_SL160_&amp;ASIN=3462044176&amp;MarketPlace=DE&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;tag=atalanhistor-21&amp;ServiceVersion=20070822" alt="" width="98" height="160" border="0" /></a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3462044176" alt="" width="1" height="1" border="0" />Die Welt des Hannes Felix, der für die optimale Ordnung alles Seins lebt, wird vom Chaos bedroht. Seine Frau Monika ist im Begriff ihn zu verlassen. Er steht vor einem Scherbenhaufen, doch fällt ihm nichts Besseres ein als ihre in Rage in den Koffer geworfene Kleidung säuberlich neu zu sortieren. Während er ein Kofferverzeichnis plant, brät sich Monika noch ein Ei und ist weg. Wie war es nur soweit gekommen? Nicht nur private Konflikte löst Hannes mit einem Fensterblick auf den geregelten Verkehr. Auch beruflichen Bedrohungen schaut er lieber nicht ins Auge. Diese erwarten ihn täglich in einer Firma, die sich um die Einlagerung von vorerst nicht Benötigtem kümmert. Scheinbar ein ideales Arbeitsmilieu für einen peniblen Menschen, doch Hannes Felix macht mit seinem Ordnungswahn die anderen und vor allem sich selbst verrückt.</p>
<p>Wenn von Verrücktsein die Rede ist hat man eher Chaos als Ordnung im Sinn. Jens Sparschuh jedoch lässt seinen Hannes Felix an der Ordnung zu Grunde gehen. Für diesen Hans im Glück<span id="more-2510"></span> darf nichts verrückt sein. Alles wird ordentlich sortiert, katalogisiert, inventarisiert, eingetütet. Am besten schon vor Gebrauch. Was liegt da ferner, als all jenes überflüssige Einrichtungsgerät und Schwedengemöbel bevor es beim Zusammenbau zerbricht oder in der nächsten Saison interieurmäßig passé ist direkt einzulagern. Von IKEA zu NOAH. Letzteres ist das Kürzel für Neuere Optimierte Auslagerungs– und Haushaltsoptimierungssysteme, ersteres lässt der Autor, der sonst gerne kalauert, einfach so stehen.</p>
<p>Doch bevor ich hier von meiner eigenen Abneigung gegenüber Penibilität erzähle, von meiner im Keller angesiedelten Vorhölle jener Gegenstände, denen noch eine Gnadenfrist gewährt bleibt, bevor sie auf dem Trottoir ihren Fährmann erwarten, bevor ich eine gute Version des von Hannes Felix gnadenlos verhunzten und damit ermordeten Witzes, der vor Zeiten in der Emma zu lesen war, erzähle, möchte ich trotz des hässlichen Schutzumschlags und trotz manch müder Kalauer diesem Roman empfehlen.</p>
<p>Wem? Allen Ordnungsfanatikern und besonders allen, die von solchen geplagt werden. All jenen, die gerne mal einen Angestelltenroman lesen, auch wenn dieser nicht ganz an die Güte Genazinos heranreicht. Allen, die einmal Ödnis und Skurrilität einer Registratur kennen lernen durften und trotzt dieser Tätigkeit nicht verzweifelt sind. Ich habe es einst einige Wochen in den Semesterferien in einer derartigen Einrichtung aushalten müssen und habe mehrere Felix und Felicitas gesichtet. Fein säuberlich gelocht, einsortiert und abgeheftet zwischen A und Z in den Hängeregistern der Blechschränke. Keiner wurde in einem ärmellosen Anzug abgeführt. Die meisten werden heute wohl Schrauben in Werkzeugkästen sortieren oder Wollknäuel nach Farben und Dicke. Und vielleicht schreibt mancher gar einen Roman? Vielleicht das von Sparschuh zitierte Brevier abseitiger Weisheiten „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3785724047/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3785724047">Wer loslässt, hat beide Hände frei</a>“.</p>
<p>Jens Sparschuh war mit diesem Titel für den diesjährigen Leipziger Buchpreis nominiert.</p>
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		<title>Von Affenliebe und Männerängsten</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Mar 2012 12:57:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Thomas Lang erzählt in “Jim” von Männerleiden Halten Sie einen Affen im Garten? Wohl kaum. Wenn nicht die Größe Ihres Garten dagegen spricht, so doch eindeutig jede deutsche Klein– und Großgartenverordnung. Thomas Lang hingegen lässt genau das geschehen in seiner &#8230; <a href="http://atalantes.de/2012/03/von-affenliebe-und-mannerangsten/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Thomas Lang erzählt in “<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3406630030/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3406630030">Jim</a>” von Männerleiden</h3>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3406630030/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3406630030"><img class="alignleft" style="border-style: initial; border-color: initial; border-width: 0px; margin: 5px;" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&amp;Format=_SL160_&amp;ASIN=3406630030&amp;MarketPlace=DE&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;tag=atalanhistor-21&amp;ServiceVersion=20070822" alt="" width="100" height="160" border="0" /></a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=atalanhistor-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3406630030" alt="" width="1" height="1" border="0" />Halten Sie einen Affen im Garten? Wohl kaum. Wenn nicht die Größe Ihres Garten dagegen spricht, so doch eindeutig jede deutsche Klein– und Großgartenverordnung.</p>
<p>Thomas Lang hingegen lässt genau das geschehen in seiner Erzählung „Jim“. Jim ist ein Orang Utan, von Tierschützern aus unwürdiger Käfig-existenz befreit darf er bis zum Rücktransport in seine Heimat im Garten von Anna Opitz verweilen.</p>
<p>Deren Ehemann Frank trägt nicht nur den Namen eines berühmten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Opitz" target="_blank">Dichters</a>, er möchte auch selbst einer sein. Während seine Frau dem Gelderwerb nachgeht bleibt er zu Hause und wartet auf die Inspiration. Seine Bemühungen einen Auftragsartikel fertigzustellen scheitern jedoch an seiner momentanen Lebensdisposition, dem Leid. Besser den Leiden, denn Opitz leidet an so vielem, an seiner nachlassenden Kraft, Schaffenskraft, Körperkraft, Anziehungskraft, und ganz besonders an dem Schwund seiner sexuellen Kraft.</p>
<p>Der Auslöser dieser Potenzproblematik ist ein Phantomschmerz, der seine<span id="more-2482"></span> rechte Hand unbrauchbar werden lässt. In diesem desolaten Zustand setzt ihm Anna den Affen in den Garten, der wie eine Verhöhnung seiner Mängel wirkt.</p>
<p>Jim besitzt nicht nur ungeheure Körperkraft, vor der sich Opitz berechtigterweise ängstigt. Der<a href="http://www.affenbrut.de/" target="_blank"> Affe</a> ist sogar kreativ, <a href="http://kunst-blog.com/2005/06/von_affen_lerne.php" target="_blank">er malt abstrakt</a>. Anna vergöttert dieses Wesen und behandelt Jim wie einen Kindersatz. Oder wie einen Liebhaber, denkt Opitz eifersüchtig. Er erinnert sich gelesen zu haben, daß junge Orang Utans die Weibchen oft zum Sex zwingen. Bisher stochert Jim jedoch nur mit Stöckchen in der Knopfleiste von Annas Bluse.</p>
<p>Opitz will keine Frau zum Sex zwingen und er könnte es auch gar nicht, mit einer gefühlsirritierten Hand ist er lediglich in der Lage Pornoseiten anzuklicken. Um wie viel vitaler erscheint da ein weiterer Konkurrent, Tobias Mundt. Der Freund ist so kreativ und erfolgreich wie Opitz gerne sein würde, zwar im gleichen Alter, um die Fünfzig, aber ein „dynamisches Arschloch“ sportlich und fit, nicht lamentierend. Ein eitler kulturschaffender Vielreder, den Opitz seit einem gemeinsamen Urlaub in Tarquinia als Beziehungsbedroher betrachtet.</p>
<p>Als Beweis für das testosterone Potential, sowohl des Affen als auch des Kulturquatschkopfs, reicht Opitz ein Vergleich von <a href="http://www.sueddeutsche.de/wissen/fingerlaenge-und-sexualverhalten-wie-wissenschaftler-aus-der-hand-lesen-1.1139409" target="_blank">Fingerlängen</a>. Als Anna ein <a href="https://images.manufactum.de/manufactum/contentimage/Sommerkatalog_2008_Österreich-03-1992.pdf" target="_blank">Gartenbett</a> bei Manufactum (sic!) kauft ist er alarmiert.</p>
<p>Eine ironische Erzählung über das Kulturbürgertum, Lohas, Tierschützer und Schriftsteller inbegriffen, die amüsant zu lesen ist. Allerdings sind die Gedanken des Protagonisten derart sexuell besetzt, daß man den von Christopher Schmidt geprägten Begriff des „<a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/harald-martenstein-gefuehlte-naehe-samenstaugewinsel-1.1014016" target="_blank">Samenstaugewinsels</a>“ herbei zitieren möchte. In letzter Zeit werden in vielen Büchern, ob pubertär oder potenzlabil, Pornoseiten aufgerufen. Ein Buch also für Männer, zum Fünfzehn– oder Fünfzigjährigen darzureichen.</p>
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		<title>Damenroman</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Mar 2012 18:55:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
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		<description><![CDATA[“Was übrig bleibt” - Sigrid Combüchen erzählt von Frauen und Damen damals und heute Was zum Teufel soll ein Damenroman sein und möchte man etwas Derartiges überhaupt lesen? Die in Schweden aufgewachsene deutschstämmige Sigrid Combüchen lässt diese Bezeichnung von ihrer Erzählerin &#8230; <a href="http://atalantes.de/2012/03/damenroman/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>“<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3888977479/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3888977479" target="_blank">Was übrig bleibt</a>” - Sigrid Combüchen erzählt von Frauen und Damen damals und heute</h3>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3888977479/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3888977479"><img class="alignleft" style="border-style: initial; border-color: initial; border-width: 0px; margin: 5px;" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&amp;Format=_SL160_&amp;ASIN=3888977479&amp;MarketPlace=DE&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;tag=atalanhistor-21&amp;ServiceVersion=20070822" alt="" width="100" height="160" border="0" /></a>Was zum Teufel soll ein Damenroman sein und möchte man etwas Derartiges überhaupt lesen?</p>
<p>Die in Schweden aufgewachsene deutschstämmige Sigrid Combüchen lässt diese Bezeichnung von ihrer Erzählerin folgendermaßen erklären.</p>
<p><em>„Ein Damenroman handelt natürlich von Kleidern und Schmuck und Aussehen und Illusionen über die Liebe und „jedes Mädchen soll für einen Tag im Leben eine Prinzessin sein dürfen“.</em><em>“</em></p>
<p>Eine Seite zuvor wird der dänische Literat <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Brandes" target="_blank">Georg Brandes</a> (1842–1927) angeführt, der mit diesen Spottbegriff gewisse Frauenromane belegte. Wir mögen an Rosamunde Pilcher denken, Herr Brandes dachte an <a href="http://www.achius.ch/literatur/achius_benedictsson.htm" target="_blank">Victoria Benedictsson</a> (1850–1888). Doch zu diesem klischeereichen traditionellkonservativen Schicksalsschilderungen zählt Combüchens Roman keineswegs.</p>
<p>In <em>„Was übrig bleibt“</em> schildert sie die Entwicklung der jungen Hedda, die für sich, im ländlich-bürgerlichen Milieu der Dreißigerjahre schwierig genug, eine Ausbildung in Stockholm durchsetzt. Sie nimmt allerdings kein Studium auf, was<span id="more-2426"></span> ihren Fähigkeiten angemessen wäre, sondern belegt einen Kurs in Schneiderei. Welche Erfahrungen sie in der fremden Umgebung und mit ihrer persönlichen Freiheit macht, sind der Stoff des knapp 500 Seiten umfassenden Romans. Dem an dieser Zeit und an Hedda interessierten Leser seien sie empfohlen. Damen, die nach einer leichten Abendunterhaltung suchen, weniger, denn der Aufbau der Geschichte hat es in sich.</p>
<p>Die Lebens– und Liebesgeschichte Heddas als Kern des Romans wird von weiteren Erzählebenen umgeben, in denen der Leser an der Recherche zu diesem Stoff teilnimmt. Zudem erhält er Einsicht in die Quellen, zu denen etliche abgedruckte Briefe von Hedwig/Hedda zählen. Doch alles ist fiktiv, wie Sigrid Combüchen im Nachsatz betont. Auch die nach ihr benannte Schriftstellerin und Ich-Erzählerin in den Recherche-Passagen. Das mag verwirrend klingen, und lässt einen zu Beginn vielleicht manches Mal zurück blättern, trägt aber zum besonderen Reiz des Romans bei. Dieser verläuft nicht streng chronologisch. Manchmal lässt sich die <em>„Autorin“</em> von der <em>„Briefeschreiberin“</em> inspirieren, manchmal erfährt der Leser in nachgereichten Briefen Details des zuvor Erzählten. Perspektivwechsel und zeitliche Sprünge erhöhen Spannung und Lesevergnügen. Lediglich die Figur der Nachbarin, Idealmutter und echte Ex-Bewohnerin von Heddas Elternhaus erscheint mir überflüssig, so wie der explizite Hinweis auf dichterische Freiheit.</p>
<p>In einer der Autoren-Passagen erscheint hinter der Figur Sigrid Combüchens ein Reflex auf die Namensgeberin. <em>„In ihrer Eigenschaft als Dichterin hat sie ihren Mädchennamen behalten, aber war das wirklich schlau. Sigrid? Die schwedische Kulturszene ist ziemlich konservativ. Ein Ü im Namen ist ausländisch und halb kanakenhaft. Gar nicht gut.“</em></p>
<p>Reüssiert hat die reale Sigrid Combüchen trotzdem. Nach ihren bekannten biographischen Romanen über Hamsun und „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3608956999/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3608956999" target="_blank">Byron</a>“ waren einige ihrer nachfolgenden Werke bereits für den schwedischen <a href="http://augustpriset.se/auf-deutsch" target="_blank">Augustpreis</a> nominiert. 2010 erhielt sie mit „Was übrig bleibt“ diesen Literaturpreis. Übersetzt von Paul Berf wurde es nun im <a href="http://www.kunstmann.de/titel-16-16/was_uebrig_bleibt-761/" target="_blank">Kunstmann-Verlag</a> aufgelegt. Ein interessant konstruierter Roman nicht nur für Damen.</p>
<p>Zur Ehrenrettung von Victoria Benedicctson, die trotz des harschen Urteils Herrn Brandes diesem in Liebe verfallen war, darf nicht unerwähnt bleiben, daß diese Autorin mit ihren späteren Werke erhebliche literarische Beachtung erhielt, so für ihren ins Deutsche übertragenen Titel „<a href="http://www.achius.ch/buch/achius_geld.htm" target="_blank">Geld</a>“.</p>
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		<title>Halbgares Gericht</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Mar 2012 15:26:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Atalante</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Viele Fragen bleiben offen in Hermann Kochs “Angerichtet”  Dieses Buch begrüßt seinen Leser mit einem appetitlichen roten Hummer auf blauem Grund und verweist auf den Handlungsort des Romans. Es ist ein Restaurant der gehobenen Klasse, in dem sich zwei Brüder &#8230; <a href="http://atalantes.de/2012/03/halbgares-gericht/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Viele Fragen bleiben offen in Hermann Kochs “<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3462043471/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3462043471">Angerichtet</a>”</h3>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3462043471/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&amp;tag=atalanhistor-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3462043471"><img class="alignleft" style="border-style: initial; border-color: initial; margin-top: 0px; margin-bottom: 0px; margin-left: 5px; margin-right: 5px; border-width: 0px;" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&amp;Format=_SL160_&amp;ASIN=3462043471&amp;MarketPlace=DE&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;tag=atalanhistor-21&amp;ServiceVersion=20070822" alt="" width="105" height="160" border="0" /></a> Dieses Buch begrüßt seinen Leser mit einem appetitlichen roten Hummer auf blauem Grund und verweist auf den Handlungsort des Romans. Es ist ein Restaurant der gehobenen Klasse, in dem sich zwei Brüder mit ihren Ehefrauen zum Dinner treffen. Der Anlass ist eine dringende Angelegenheit, über die sie reden müssen. Doch zu diesem Gespräch, das letztendlich im Versuch stecken bleibt, kommt es erst gegen Ende. Bis dahin erfährt der Leser über die verschiedenen Gänge eines Menüs verteilt die wichtigsten Zutaten der Geschichte. Serviert werden sie von Paul Lohmann, dem Ich-Erzähler, aufbereitet in seinen Rückblenden, Einsichten und Meinungen. Komponiert hat dies Hermann Koch durchaus mit Spannung und in sarkastischem Ton. Diesen verleiht er seiner Figur Paul, der<span id="more-2408"></span> nicht nur seinem Bruder, dem angehenden Ministerpräsidenten, den Erfolg missgönnt, sondern insgesamt eine misanthropische Haltung zeigt. Seine Beurteilung des affektierten Personals, des Auftritts seines prominenten Bruders liest sich zu Beginn noch ganz amüsant, doch bald entsteht ein Überdruss, gepaart mit einem ausgeprägten Hautgout, der den Appetit auf die Lektüre zügelt.</p>
<p>Spätestens in der Szene im Fahrradladen wird klar, hier ist etwas nicht in Ordnung. Dieser Paul zeigt ein Verhalten, das zunehmend Entsetzen auslöst. Als Grenzüberschreitung begann auch die Tat, welche zu dieser Verabredung führte. Michel und Rick, die Söhne der beiden Brüder haben den Tod einer Obdachlosen zu verantworten. Während Serge, zu Beginn von Paul als machtbesessener Politikstar verunglimpft, für die Bekenntnis der bisher verschwiegenen Schuld plädiert, selbst wenn dies das Ende seiner Karriere bedeuten würde, wollen die drei anderen Erwachsenen ihre Kinder schützen, um jeden Preis. Dass dazu auch ein weiterer Mord gehören wird, nehmen sie in Kauf.</p>
<p>Hermann Koch hat einen flott lesbaren Unterhaltungsroman verfasst, der zu Beginn eine Spannung erzeugt, die nicht eingelöst wird. Um es klar zu sagen, die Leserin kam sich ein wenig veralbert vor, als die Erklärung des Fehlverhaltens aus der pathologischen Erbkiste gezogen wurde. Durch diesen überflüssigen Erzählkniff bringt der Autor seinen Roman um ein wesentliches gesellschaftskritisches Moment. Koch reißt viele diskussionswürdige Themen an, Verantwortung, Umgang mit Randgruppen, Gewalt, Abtreibung, Persönlichkeitsrechte. Nicht zuletzt die große Frage, wie weit darf Elternliebe gehen. Aber jede dieser Fragen diskutiert er kaum weiter.</p>
<p>Viele Einzelheiten erscheinen zudem unglaubwürdig. Würde ein derart psychisch Kranker nicht schon längst hinter irgendwelchen Riegeln sitzen, wenigstens medikamentösen? Um welchen erblichen, psychischen Defekt, der nach einem deutschen (sic!) Forscher benannt sein soll, handelt es sich? Warum zeigt Paul am Ende des Restaurantbesuches plötzlich rationales Verhalten, obwohl er als grenzüberschreitender Agressor auf den Kellner doch ganz anders hätte reagieren müssen?</p>
<p>Je länger ich darüber nachdenke, um so mehr tendiere ich dazu, daß ein Großteil der Geschehnisse nur in Pauls Kopf stattfindet. Ein Indiz für mich ist, daß auch Claire am Ende gewalttätig wird.</p>
<p>Vieles im Roman ist unbefriedigend und lässt den Leser ratlos zurück. Was will der Autor mit seinem Roman erreichen? Die Diskussion in unserem Lesekreis verlief trotz oder gerade wegen dieser Mängel angeregt und endete mit der Vermutung, daß Koch den Umgang mit psychisch Kranken in unserer Gesellschaft thematisieren will.</p>
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