Atalantes Historien

Literatur Geschichte

Archiv für die ‘Allgemein’ Kategorie

Zen oder die Kunst sich schweigend zu verlieben

mit 2 Kommentaren

Pro­log

Um es vor­weg zu sagen, die­ser Autor beglei­tet schon seit lan­gem mein Lese­le­ben. Die Bekannt­schaft begann mit der römi­schen Goethe-Historie „Faus­ti­nas Küsse“. Es folg­ten die übri­gen die­ser Tri­lo­gie, „Die Nacht des Don Juan“ und „Im Licht der Lagune“. Bis auf wenige Aus­nah­men habe ich auch andere alte und neue Bücher Ortheils gele­sen. So auch nach „Die große Liebe“ und „Das Ver­lan­gen nach Liebe“ den letz­ten Band sei­ner Lie­bestri­lo­gie „Lie­bes­nähe“.

Fast eben solange stellt sich mir die Frage, was mir an sei­nen Büchern denn nun so gefällt. Sicher ist es die Liebe zu Ita­lien, viel­leicht auch eine gewisse roman­ti­sche Melan­cho­lie. Bis­her war ich, abge­se­hen von eini­gen Eitel­kei­ten des erwach­se­nen Johan­nes in „Die Erfin­dung des Lebens“ und von stär­ke­ren Arro­gan­zen in Ortheils Rom­füh­rer immer ange­nehm angetan.

Sich schwei­gend ver­lie­ben als Performance

„Wer ist diese Schwim­me­rin“ mit die­sem Notat läu­tet Hanns-Josef Ortheil ein, was der Titel sei­nes neuen Romans „Lie­bes­nähe“ bereits vor­weg nimmt.

Behut­sam ent­wi­ckelt der Autor die Annä­he­rung zweier sich zunächst unbe­kann­ter Ein­zel­gän­ger, die anschei­nend zufäl­lig im all­tags­fer­nen Milieu eines ein­sam gele­ge­nen Luxus­ho­tels ein­an­der bemer­ken. Der Schrift­stel­ler Johan­nes Kirch­ner und die Installations-Künstlerin Jule Dan­ner ver­mei­den zunächst direkte Begeg­nun­gen und bevor­zu­gen sich aus der Dis­tanz zu ent­de­cken. Kleine Bot­schaf­ten, die Ahnun­gen bestä­ti­gen, gehen tra­di­tio­nell als Zet­tel oder modern als SMS hin und her und füh­ren schließ­lich zum Gegen­über. Diese Bewe­gun­gen auf­ein­an­der zu wer­den äußerst vor­sich­tig aus­ge­führt, ein kunst­vol­ler Balz­tanz, des­sen Cho­reo­gra­fie mal den Insze­nie­run­gen der Video­künst­le­rin mal den Ein­fäl­len des Schrift­stel­lers folgt.

Nur eines fin­det nie­mals statt, das gespro­chene Wort. Die­ses rich­ten beide jeweils sepa­rat an Katha­rina, die die kleine Buch­hand­lung des Hotels führt. Sie berät ihre Kun­den nach deren Befind­lich­keit und führt außer die­ser Lite­ra­tur­the­ra­pie nur Bücher im Sor­ti­ment, die ihr per­sön­lich gut gefal­len. Sie unter­hält zu Bei­den eine ganz beson­dere Bezie­hung, man könnte sie als müt­ter­li­che Freun­din bezeich­nen. Die Details der Per­so­nen­kon­stel­la­tion offen­bart der Autor erst nach und nach lang­sam vor­an­schrei­tend wie in einer Zen-Meditation. Über­haupt gibt es viel Japa­ni­sches. Lite­ra­ri­sche Inspi­ra­tion bie­tet das Kopf­kis­sen­buch der Sei Shō­na­gon. Japa­ni­sche Trom­meln und Bam­bus­flö­ten, Kimono, Tusche, Tee und Kama­su­tra ergän­zen das Ambiente.

Als wech­sel­sei­tige Sicht sei­ner bei­den Haupt­per­so­nen kom­po­niert Ortheil sei­nen Roman. Mal kom­men­tiert Johan­nes, mal Jule ihr auf­ein­an­der Zuge­hen. Das so zwei­mal das Glei­che aus dem jeweils ande­ren Blick­win­kel erzählt wird, macht den Reiz der Idee aus. Wenn jedoch Ereig­nisse wie die berühmte Per­for­mance der Künst­le­rin Marina Abra­mo­vić, die als Vor­lage für eine Begeg­nung dem Leser  mehr­fach erklärt wer­den, wirkt dies redundant.

Was ich an die­sem Buch sehr mag

Wie Hanns-Josef Ortheil genaue Wahr­neh­mung und Beschrei­bung in Sätze ver­wan­delt. Er beherrscht diese Fähig­keit so gut, daß der Leser sich sofort in das Ambi­ente sei­ner Romane hin­ein­ver­setzt fühlt. Land­schaf­ten und Räume, Natur und Inte­ri­eur, Gau­men– und Lese­freu­den stellt er auf diese Weise zum unmit­tel­ba­ren Nach­voll­zug dar.

Wie rück­sichts­voll die Per­so­nen mit­ein­an­der umge­hen und wie empa­thisch Ortheil Gefühle zu schil­dern vermag.

Wie er die Lust und die Inspi­ra­tons­kraft von ein­sa­men Spa­zier­gän­gen dar­stellt. Bewe­gung bewegt auch den Geist. Das mit sich Allein­sein lässt Raum für Kreativität.

Wie Natur und Kunst in ihren ver­schie­de­nen For­men mit­ein­an­der in Ein­klang gebracht werden.

Was ich an die­sem Buch über­haupt nicht mag

Wie die Wahl des Milieus das Gesche­hen weit über das nor­male Leben habt, ein eska­pis­ti­scher Wun­der­ort inmit­ten saf­tig grü­ner Almen, wo sogar Toast­brot­schei­ben stun­den­lang frisch gerös­tet bleiben.

Wie dadurch das Schloss­ho­tel Elmau, unver­kenn­ba­res Vor­bild die­ses Para­die­ses, als ein Ort irdi­scher Ver­hei­ßun­gen bewor­ben wird.

Wie die Rol­le­ne­be­nen gewahrt wer­den. Die Künst­ler blei­ben welt­fern. Die Hotel­an­ge­stell­ten die­nen als gute Geis­ter und wer­den von oben herab cha­rak­te­ri­siert. Die übri­gen Gäste sind läs­tige Geräusch­ku­lisse. Katha­rina ver­mit­telt zwi­schen allen und die junge Emp­fangs­dame des Hotels seufzt der gro­ßen Künst­ler­liebe in frem­den Laken nach.

Wie bei man­chen Beschrei­bun­gen doch des Guten zu viel gebo­ten wird. Der starke, gelbe Urin­strahl zählt nicht zu den Din­gen, von denen ich gerne lesen möchte.

Wie der Leser belehrt wird über die rich­tige Art Sekt zu trin­ken (Was­ser­glas), authen­tisch Cam­pari zu genie­ßen (ohne Eis, dafür rand­voll), über gute Würste (ins­be­son­dere die Milz­wurst), über das rich­tige Früh­stück, rich­ti­ges Spei­sen, den rich­ti­gen Zeit­punkt zu arbei­ten und mehr.

Wie der Autor sein Buch­kon­zept erklärt „eine ero­ti­sche und bei­nahe uner­träg­li­che Span­nung, die auf einer streng ein­ge­hal­te­nen Dis­tanz der bei­den Lie­ben­den basiert“ (S. 129).

Fazit

Weni­ger Eitel­keit wäre mir lie­ber gewe­sen und auch mehr Acht­sam­keit. Damit nicht aus blon­dem Haar mit roten Spit­zen am Ende blon­des Haar mit roten Ansät­zen wird, und aus einem hell­grü­nen Bade­man­tel inner­halb von drei Sei­ten ein dunkelgrüner.

So weit, so gut. Viel­leicht kommt ja noch­mal ein Roman wie „Hecke“ oder „Mosel­reise“ oder etwas Historisches.

Rät­sel­haft bleibt mir zuletzt noch die Abbil­dung auf dem Schutz­um­schlag. Die dun­kel­haa­rige Schöne kann weder die blonde Jule noch die japa­ni­sche Hof­dame sein.

Wer ist die Dargestellte?

 

 

Geschrieben von Atalante

22. November 2011 um 18:18

Resümäum-Jubilee

ohne Kommentare

Zwan­zig Monate gibt es nun die­ses Blog. Mir macht es immer noch Spaß.

Wie es denen ergeht, die sich hier­her ver­wir­ren, weiß ich nicht immer. Sie sind so schweig­sam. Einige Besu­cher geste­hen mir im rea­len Leben manch­mal, daß es gefällt. Was soll­ten sie auch sonst sagen, wenn sie mir gegen­über stehen?

Mein ers­ter Ama­zo­no­bo­lus ist eben­falls vor ein paar Tagen ein­ge­trof­fen. Wäre ich dar­auf ange­wie­sen, könnte ich genau ein Buch pro Jahr bespre­chen. Aber das bin ich ja nicht, zum Glück. Zudem gibt es nette Ver­lage, die auf höf­li­che Anfrage ein Lese­ex­em­plar schi­cken. Genannt seien zu die­sem Anlass beson­ders der Wagenbach-Verlag, weil er unüber­trof­fen schnell ist und unbe­dingt auch der Berlin-Verlag, der sogar nach­fragte, ob Bedarf da sei. Ist er, wenn auch nicht für alles. Wei­tere Titel kamen von Schöff­ling, Antje Kunst­mann, Kne­s­e­beck, Eich­born, Heyne und dem Han­ser Ver­lag. Ein­zig ein von mir ange­ti­cker­ter Riese bekannte offen, nichts an Blog­ger zu ver­schi­cken. Kann ich auch ver­ste­hen, bei man­chem Weblog-Rezensenten geht ja die Puste bereits nach dem Klap­pen­text aus. Von der Kon­di­tion der Schrei­ber könnte man sich aller­dings mit einem kur­zen Klick überzeugen.

Viel inter­es­san­ter ist die Frage nach der meist besuch­ten Seite. Das war lange Zeit  aus­ge­rech­net „Die Bücher­die­bin“. Ein Buch, wel­ches mir nicht ganz so gut gefiel und mit dem ich mir aus die­sem Grund einen klei­nen Jux erlaubte. Die­ser erwies sich wie­der­rum als äußerst gefragt. Wer wollte nicht alles wis­sen, wel­che Bücher die Bücher­die­bin erbeu­tet? Es ent­spann sich sogar eine kleine Dis­kus­sion, so daß aus Spaß dann plötz­lich doch Ernst wurde. Soll ja passieren.

Über­trof­fen wurde die Kli­ck­quote die­ses Arti­kels jedoch von „Tschick“. Liebe Schöler, die ihr nolens volens jetzt auch hier lan­den wer­det, lest es doch selbst, das Buch. Es erscheint mir, im Ver­gleich zur “Ver­su­chung des Pes­cara” eine wesent­lich und in jeder Hin­sicht ange­neh­mere Auf­gabe. In die­sem Inter­view vom 31.01.2011 stellte Kath­rin Pas­sig dem Autor Wolf­gang Herrn­dorf die Frage, was er davon hielte, wenn sein Roman in 30 Jah­ren zum Schul­stoff aus­er­ko­ren sein werde. Drei­ßig Jahre? Such­an­fra­gen von „Zusam­men­fas­sung“ bis „Inter­pre­ta­tion“ kün­den ande­res. Und noch eins, kopiert doch nicht ein­fach mei­nen Ein­trag. Ers­tens ist er viel zu mick­rig und zwei­tens kann euer Leh­rer auch goo­geln. Oder wollt ihr Bun­des­mi­nis­ter wer­den? Dann will ich nichts gesagt haben.

Neu­este Neue­run­gen sind nun end­lich ein „Blo­groll“, in dem sich nicht nur die Blogs befin­den, die ich tat­säch­lich neben all’ den Büchern auch lese, son­dern auch „Die Lese­lust“, in deren Forum es sich ange­regt dis­ku­tie­ren lässt.

Dis­ku­tie­ren könnte man auch hier, die Kom­men­tar­funk­tion steht immer allen offen, nur Dosen­fleisch wird entsorgt.

Danke für den Besuch und nur Mut. ;)

Geschrieben von Atalante

17. November 2011 um 16:59

Veröffentlicht in Allgemein

Sofa oder Planschbecken — Literatur im TV

ohne Kommentare

In gesel­li­ger Runde Exper­ten über Lite­ra­tur dis­ku­tie­ren zu las­sen wie wei­land im Lite­ra­ri­schen Quar­tett reicht dem deut­schen Fern­se­hen schon lange nicht mehr. Um den Zuschauer und Nicht­ex­per­ten vom Switch zum nächst­bes­ten Sen­der abzu­hal­ten, muss auch die Bücher­sen­dung am spä­ten Abend etwas bie­ten. Das neue von Wolf­gang Her­les mode­rierte Maga­zin „Das blaue Sofa“ schleppt eben­die­ses auf der Suche nach Unter­hal­tung durch die Natur. Als sei es die Venus­flie­gen­falle für den Schrift­stel­ler, der im Ambi­ente sei­nes Romans dar­auf war­tet end­lich zu die­sem befragt zu wer­den. In der ers­ten Sofa­sit­zung traf Her­les auf Tro­ja­now und sei­nen Roman „Eis­Tau“, um auf einem Glet­scher des­sen men­schen­ge­mach­tes Abschmel­zen schild­bür­ger­schlau in Son­nen­brille und Gore­tex­ja­cke zu bekla­gen. Ein Jack-Wolfskin-Spot vor der Sen­dung hätte sich ange­bo­ten. Das Ganze geriet jedoch lei­der so anre­gend wie die Anspra­che des bay­ri­schen Bene­dikt im Bun­des­tag. Der hatte zwar kein blaues Sofa, aber rote Schuhe, was bei mir eben­falls regel­mä­ßig für Ver­wir­rung sorgt, zählt der berühm­teste Pra­da­trä­ger doch zur ande­ren Frak­tion. Es müsste also schon mit dem Teu­fel zuge­hen, Debat­ten, sei es über Lite­ra­tur oder weni­ger Wich­ti­ges, ganz ohne spek­ta­ku­läre Loca­tion statt­fin­den zu las­sen. Auch Denis Scheck reist druck­frisch durch die Lande, und das äußerst char­mant. Manch­mal ein wenig unkri­tisch gegen­über sei­nen Auto­ren, was ver­ständ­lich sein mag, weil er nur das prä­sen­tiert, was ihm gefällt. Doch muss Begeis­te­rung für ein Buch immer mit­tels eines Kot­aus gesche­hen? Her­les war da kri­ti­scher, was lei­der in dem lan­gen Fluss der Fra­gen unter­ging. Viel­leicht fehlt Herrn Scheck ein­fach die Zeit zur Kri­tik? Bis der Feu­er­lö­scher plat­ziert und die weiß-roten Bän­der geschlun­gen sind, braucht’s eben ein Weil­chen und vor allem die Geduld der Zuschauer. In der letz­ten Sen­dung, wir befin­den uns mal wie­der im wel­len­um­spiel­ten Island, saßen dann zwei Jungs im Plansch­be­cken, der eine, haha, mit Anzug, der nicht bil­lig gewe­sen sein wird, sonst wäre für den ande­ren auch einer drin gewe­sen. Das hat mich ver­wirrt. Ich kann mich kaum noch an Bücher und Auto­ren erin­nern. Von Mario Var­gas Llosas „Der Traum des Kel­ten“ bleibt nur noch glei­ßen­des Son­nen­licht und der Feu­er­lö­scher. Vom Rest noch eine Lahme Ton­nent­äu­schung. Warum nur, warum?

Also bitte mehr char­mante Kri­tik, weni­ger Möbel und Setu­ten­si­lien und nie mehr behaarte Bäuche.

Geschrieben von Atalante

29. September 2011 um 15:52

Veröffentlicht in Allgemein

Getagged mit ,

Povero Patatone — Hunde und Bücher in Mailand

ohne Kommentare

In ihrem Debüt “Ita­lie­nisch für Lieb­ha­ber” erzählt Hil­ary Belle Wal­ker vom Leben einer ame­ri­ka­ni­schen Buch­händ­le­rin in Italien

Was bringt mich dazu ein Buch lesen zu wol­len, des­sen Cover einen Aus­schnitt aus einem Film mit Doris Day ent­nom­men zu sein scheint, das den Titel „Ita­lie­nisch für Lieb­ha­ber“ trägt, und zudem von einer in Mai­land leben­den Ame­ri­ka­ne­rin ver­fasst wurde? Es muss wohl tat­säch­lich so sein, daß ich mich von allem Ita­lie­ni­schem gerne ver­füh­ren lasse, wenigs­tens was Lite­ra­ri­sches und Kuli­na­ri­sches angeht.

Das Buch schmeckt zunächst wie eine Pizza. Ein schnel­ler Hap­pen, der etwas von allem hat, was man in Ita­lien gerne vor­fin­den möchte. Doch es ent­wi­ckelt sich ganz anders. Hil­ary Wal­ker schreibt ihrer Prot­ago­nis­tin, die wie die Par­al­le­li­tät von Lebens­da­ten und Umstän­den ver­ra­ten stark auto­bio­gra­phisch ange­legt ist, nicht den Weg einer ita­lie­ni­schen Sozia­li­sa­tion auf den attrak­ti­ven Leib. Sie ser­viert uns wesent­li­che Sta­tio­nen in einer Vita alla Mila­nese, stück­weise ange­rich­tet, die zum Glück nicht mit einer durch­gän­gi­gen Chro­no­lo­gie lang­wei­len. Man betritt das Leben die­ser jun­gen, im teu­ren Mai­land fast mit­tel­lo­sen Buch­händ­le­rin, die sich und ihren Hund mit Tor­tel­lini und Ten­nis­bäl­len ganz gut über die Run­den bringt. In den ver­schie­de­nen Geschich­ten gesel­len sich wei­tere Haupt­per­so­nen zu die­sen bei­den, mal ist es ein blaues Fahr­rad, mal ein jun­ger Erfolgs­au­tor, mal eine unwi­der­steh­li­che Stadt­villa. Unsere Hel­din schwankt zwi­schen Doris-Day-Naivität und Single-Selbstbewusstsein und schil­dert all’ die Fall­stri­cke und Fett­näpf­chen, die die Mai­län­der Dis­tin­gu­iert­heit für ihren ame­ri­ka­ni­schen Über­schwang bereit hält.

Wal­ker gelingt es das manch­mal slaps­tik­ar­tige Ver­hal­ten ent­spre­chend mit Iro­nie zu unter­le­gen. Ihre Geschich­ten werde so zu einem amü­san­ten, leich­ten, aber nicht ober­fläch­li­chen Lese­ge­nuss, der aller­dings auch trau­rige Momente bereit hält. Einen Kri­tik­punkt gibt es den­noch. Die Geschich­ten, vor allem die ers­ten, wir­ken wie ver­schie­dene zu unter­schied­li­chen Zeit­punk­ten ver­fasste Impres­sio­nen. Dem­ent­spre­chend fin­det sich auf der Rück­seite des Covers auch die Bezeich­nung Epi­so­den­ro­man. Das Ori­gi­nal erschien 2009 in Ita­lien unter dem Titel „Case altrui“. Der Kunstmann-Verlag hat es in der Über­set­zung von Antje Höfer unter dem anschei­nend nichts sagen­den, aber wie oben geschil­dert seine Wir­kung nicht ver­feh­len­den Titel „Ita­lie­nisch  für Anfän­ger“ herausgebracht.

Ich emp­fehle das Buch jedem Ita­li­en­lieb­ha­ber. Es ist nicht nur unter­halt­sam und lin­dert die Nost­al­gie, son­dern es lehrt auch, wie man am nächs­ten Sema­foro mit einem treu­bli­cken­den Pata­tone ins Gespräch kom­men kann.

Geschrieben von Atalante

12. August 2011 um 15:06

Veröffentlicht in Allgemein,Gut zu lesen,Rezensionen

Getagged mit

Bachmannpreis 2011 — Randt, Richter, Božiković, Klupp

ohne Kommentare

Bach­mann­preis – Drit­ter Tag, Preis­trä­ger, Resümee

Es mag viel­leicht müßig erschei­nen am Mon­tag nach dem Wett­le­sen noch einen Bei­trag zu ver­fas­sen. Der Aus­gang ist ja bereits bekannt. Den­noch hier mein Resümee.

Die 35. Trä­ge­rin des Bachmann-Preises heißt Maja Hader­lap und hatte auch mich mit ihrer Text „Im Kes­sel“ über­zeugt. Der voll­stän­dige Roman „Engel des Ver­ges­sens“ erscheint im Wallstein-Verlag.

Wei­tere Preise erhiel­ten Stef­fen Popp, Leif Randt und Tho­mas Klupp. Meine zweite Favo­ri­tin, Nina Buß­mann, wurde mit dem 3sat-Preis aus­ge­zeich­net. Gun­ther Gelt­in­ger, des­sen Text mir sehr gefal­len hat, ging an die­sem Wochen­ende in Kla­gen­furt lei­der leer aus. Der erste Lesungs­ter­min scheint der undank­barste zu sein.

Am Sams­tag, dem drit­ten Tag des Wett­be­werbs hatte Tho­mas Klupp mit sei­ner Satire auf den Uni­be­trieb und die For­schungs­ge­gen­stände der Kul­tur­wis­sen­schaf­ten den größ­ten Publi­kums­er­folg des Fes­ti­vals. Er über­traf mit „9to5 Hard­core“ noch Stein­beis in der Zuschau­er­gunst, was ein­deu­tig an der gekonn­ten wei­ter­le­sen »

Geschrieben von Atalante

11. Juli 2011 um 13:31

Veröffentlicht in Allgemein,Literaturpreis

Getagged mit ,

Bachmannpreis 2011 — Reichlin, Haderlap, Rabinowich, Bußmann, Popp

ohne Kommentare

8.6.2011 — Der zweite Tag

Am zwei­tem Lesungs­tag hörte ich einen poten­ti­el­len Best­sel­ler­kan­di­da­ten, zwei poten­ti­elle Bach­mann­preis­trä­ge­rin­nen und zwei Texte, die mich aus meh­re­ren Grün­den nicht erreichten.

Linus Reich­lin stellte unter dem Titel “Welt­ge­gend” die ers­ten drei Kapi­tel eines Romans vor, der in Afgha­nis­tan, genauer im Milieu der dort ein­ge­setz­ten Deut­schen Bun­des­wehr­trup­pen spielt. Das Wort Trup­pen zu benut­zen erzeugt in mir einen Wider­wil­len, führt aber direkt zum Sujet des Tex­tes. Er erzählt vom Krieg, von Bom­ben, von not­wen­di­ger Ver­tei­di­gung, von dem Dilemma als Frie­dens­truppe kämp­fen zu müs­sen. Über­trof­fen wird dies nur von dem noch grö­ße­ren Zwie­spalt eines Arz­tes, der im Schock oder in Not­wehr wahr­schein­lich das getan hat, was er gerade nicht hätte tun sol­len, ein Leben zerstören.

Es han­delt sich also um das ethi­sche Dilemma eines Ein­zel­nen, ob es in Afgha­nis­tan oder an einem ande­ren Ort spielt, scheint dabei neben­säch­lich. Tat­säch­lich erin­nerte mich die Schil­de­rung der Ver­hält­nisse und des Mit­ein­an­ders zwi­schen Sol­da­ten und Sol­da­tin­nen, als Stich­worte seien Män­ner­freund­schaft, Alko­hol und Sex genannt, sofort an MASH. Reich­lin gestal­tet die­sen Roman­ein­stieg span­nend und mit sehr viel Speed. Ein­mal ange­fan­gen möchte beson­ders der männ­li­che Leser sicher gerne wei­ter lesen. Ich könnte mir vor­stel­len, daß das Buch ein gro­ßer Publi­kums­er­folg wird, zumal es sich unter dem Deck­män­tel­chen der viel­dis­ku­tier­ten Afgha­nis­tan­pro­ble­ma­tik sicher gut ver­mark­ten lässt.

Was sag­ten die Juro­ren? Win­kels und Feß­mann, die Reich­lin vor­ge­schla­gen hatte, schie­nen ganz wei­ter­le­sen »

Geschrieben von Atalante

9. Juli 2011 um 15:37

Veröffentlicht in Allgemein,Literaturpreis

Getagged mit ,

Bachmannpreis 2011 — Praßler, Baum

ohne Kommentare

Den gest­ri­gen Nach­mit­tag eröff­nete Anna Maria Praß­ler mit ihrem Text „Das Andere“.

Wer his­to­ri­sche Bezüge in lite­ra­ri­sche Texte ein­bringt, sollte sich bewusst sein, was er tut, und seine Belege gut recher­chiert haben. Was Praß­ler über den Usus im anti­ken Rom sagte wird man­cher Archäo­loge und His­to­ri­ker so nicht hin­neh­men wol­len, und wer aus Sue­tons De Vita Cae­sarum zitiert sollte des­sen iro­ni­schen Stil erken­nen. Nun gut, eine Neben­sa­che, sie brachte mich aber zu der Frage, was die Prot­ago­nis­tin des Stü­ckes denn stu­diere — Geschichte, Archäo­lo­gie, Thea­ter­wis­sen­schaf­ten?  Neh­men wir doch den neuen Bachelor-Studiengang Kul­tur­wis­sen­schaf­ten, der passt immer und nimmt es viel­leicht auch nicht so genau. Die­ses ganze Wis­sen­schafts­at­mo­sphäre erzeu­gende Bei­werk hätte es mei­ner Mei­nung nach gar nicht gebraucht. Die Geschichte der geschei­ter­ten Bezie­hung funk­tio­niert auch so. Die Gründe der jun­gen Frau, wei­ter­le­sen »

Geschrieben von Atalante

8. Juli 2011 um 10:15

Veröffentlicht in Allgemein,Literaturpreis

Getagged mit ,

Bachmannpreis 2011 — Geltinger, Steinbeis, Wisser

ohne Kommentare

Tage der deutsch­spra­chi­gen Lite­ra­tur in Kla­gen­furt — Der 35. Bach­mann­preis 2011

Der erste Lese­vor­mit­tag ist been­det. Es lasen Gun­ther Gelt­in­ger auf Vor­schlag von Alain Claude Sul­zer, Maxi­mi­lian Stein­beis, nomi­niert von Burk­hard Spin­nen und Daniel Wis­ser, der von Paul Jandl nach Kla­gen­furt ein­ge­la­den wurde.

Gun­ther Gelt­in­ger las einen Aus­zug aus einem Roman, der das Trauma eines Jun­gen durch den Selbst­mord sei­ner Mut­ter zum Thema hat. Gelt­in­ger stellt in der Szene zum einen das Gesche­hen aus der Sicht eines Kin­des als auch die Reflek­tion des erwach­se­nen Man­nes über die­ses Ereig­nis dar. Seine Ein­sam­keit, seine Angst, seine Frage nach der Schuld, damals wie heute, ver­stärkt Gelt­in­ger durch Bil­der aus der Natur. Dadurch wird die Moor­land­schaft, in der die Szene spielt, fast zum zwei­ten Prot­ago­nis­ten. Sie lie­fert nicht nur die atmo­sphä­ri­schen Bil­der, son­dern auch das Kon­struk­ti­ons­ge­rüst des Tex­tes. Erin­ne­run­gen tau­chen auf, aber man­che blei­ben auch end­gül­tig in den ver­schie­de­nen Schich­ten des Moo­res verschluckt.

Die Juro­ren, außer den drei oben bereits genann­ten sind in die­sem Jahr Hil­de­gard Eli­sa­beth Kel­ler, Meike Feß­mann, Daniela Stigl und Hubert Win­kels ver­ant­wort­lich, haben die­sen ers­ten Text äußerst wei­ter­le­sen »

Geschrieben von Atalante

7. Juli 2011 um 16:34

Veröffentlicht in Allgemein,Literaturpreis

Getagged mit ,

Literaturclub mit Sven Regener

mit einem Kommentar

Sen­dung vom 28.06. — “Die Geis­ter, die ich rief”

Ich wohne zwar nicht in der Schweiz und kann auch nicht das Schwei­zer Fern­se­hen emp­fan­gen, muss aber natür­lich nicht noch meh­rere Wochen, –dies­mal sind es tat­säch­lich sieben-, war­ten bis ich eine der bes­ten Lite­ra­tur­sen­dun­gen des deutsch­spra­chi­gen Fern­se­hens sehen kann.

Der Lite­ra­tur­club vom 28.6. mit Iris Radisch, Traudl Bün­ger, Juri Stei­ner und dem als Gast gela­de­nen Sven Rege­ner lohnt das Zuschauen. Dies ist vor allem Sven Rege­ner zu ver­dan­ken, der zu jedem der vor­ge­stell­ten Titel seine Mei­nung mit viel Dis­kus­si­ons­freunde äußert. Und dies fun­diert und unauf­ge­ru­fen. Das hält die Sen­dung in Schwung.

Vor­ge­stellt wer­den außer dem Buch des Gas­tes Sven Rege­ner, Meine Jahre mit Ham­burg Hei­ner; Hein­rich von Kleist, Michael Kohl­haas; Karen Rus­sell, Swam­plan­dia; Leo Tuor, Set­tem­brini.

Beein­druckt hat mich die Dis­kus­sion über “Michael Kohl­haas”.  Die Fra­ge­stel­lung nach wei­ter­le­sen »

Geschrieben von Atalante

5. Juli 2011 um 13:08

Veröffentlicht in Allgemein

Getagged mit

Kommentarfunktion

ohne Kommentare

So konnte das ja nichts werden.

Wochen um Wochen warte ich auf Kom­men­tare zu mei­nen Ein­trä­gen. Frage mich, warum sie aus­blei­ben. Mit­le­ser, ver­rät die Sta­tis­tik, gibt es ja genug. Warum also schwei­gen sie bei mir beharr­lich? Weder reiße noch beiße ich Köpfe ab.
Ich habe sogar schon erwo­gen, kleine Blog-Events zu ver­an­stal­ten, nächt­li­ches Blog­gen oder täg­li­ches Preisausschreiben.

Da löste sich eines Tages das Rät­sel, dank eines net­ten Bücher­vo­gels, der mir ver­trau­ens­voll zu zwit­scherte, daß es ein­fach nicht funk­tio­niere, die Kom­men­tie­re­rei auf mei­ner Seite.

Pro­blem erkannt, Pro­blem gebannt, und sich ein biss­chen geschämt, denn es war ori­gi­nal selbst gebas­telt.
Also, vie­len Dank an den Vogel und an mei­nen per­sön­li­chen Hausnerd.

Und an alle ande­ren: Ihr könnt jetzt unge­hin­dert los­le­gen und anmel­dungs­frei kom­men­tie­ren. Eure E-Mail-Adresse werde nur ich sehen, aber keine Angst, ich schreibe nicht allen einen Liebesbrief.

Geschrieben von Atalante

4. Juli 2011 um 15:09

Veröffentlicht in Allgemein